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Polizei weist Vorwurf der bewussten Manipulation zurück

ARCHIV - Der Innenminister von Brandenburg, Karl-Heinz Schröter (SPD), spricht am 18.02.2015 zur Eröffnung des neuen Polizeireviers in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Schröter stellt am 27.03. die Polizeiliche Kriminalstatistik (PkS) für das Jahr 2014 vor.
ARCHIV - Der Innenminister von Brandenburg, Karl-Heinz Schröter (SPD), spricht am 18.02.2015 zur Eröffnung des neuen Polizeireviers in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). Schröter stellt am 27.03. die Polizeiliche Kriminalstatistik (PkS) für das Jahr 2014 vor. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Cottbus. Den Vorwurf, in der Polizeidirektion Süd sei die Kriminalitätsstatistik bewusst manipuliert worden, hat Polizeisprecherin Ines Filohn zurückgewiesen. "Einfache Sachbearbeiter erfassen die Fälle für die Statistik. Annett Igel-Allzeit

Welchen Grund sollten sie haben, das zu manipulieren? Diese Statistiken machen wir nicht für die Politiker, sondern damit wir als Polizei Schwerpunkte für unsere Arbeit daraus erkennen", so Ines Filohn.

Stattdessen spricht sie lieber von Auslegungssache und Menschen, die Fehler machen können. Die bundesweite Richtlinie zur Erfassung der Kriminalität sei trotz der Fallbeispiele nicht immer eindeutig. Ines Filohn erläutert es an einem Beispiel: Ein Fahrraddieb bricht in den Keller eines Mehrfamilienhauses ein. Er gelangt in den Gemeinschaftskeller, wo acht Fahrräder stehen. Vier Räder bewertet er als gut und nimmt sie mit. Es sind die Räder von zwei Familien. "Nach der bisherigen Zählweise ist das ein Fall - ein Täter, ein Tatort, eine Tatzeit. Neu nach der Klärung jetzt sind es zwei Fälle, weil zwei Familien betroffen sind."

Missverständnis? Ein Fehler, der passiert? Laut Bundeskriminalamt sei "pro Geschädigter ein Fall" seit Jahren eine Faustregel für die Erfassung der Kriminalstatistik. Beispiele aus Schulgarderoben und Kellern mit mehreren Geschädigten werden genannt. Ein einziger Fall dagegen bleibe es, wenn immer wieder über Jahre Körperverletzungen an ein- und derselben Person vollzogen werden, oder, wenn ein Bankkartendieb mit ein- und derselben EC-Karte mehrmals Geld abhebt. Der Verkehrsunfall wiederum sei immer nur ein Fall - auch wenn dabei drei Personen verletzt werden.

Brandenburgs neuer Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat das Vorgehen in den vier Brandenburger Polizeidirektionen noch einmal mit den Vorgaben, die in allen anderen Bundesländern gelten, abgleichen lassen. Und die Brandenburger Kriminalstatistik für 2014 wurde noch einmal neu gezählt. "Das waren 21 220 Datensätze", sagt Ines Filohn. Speziell in der Direktion Süd seien erneut 1458 Fälle zu prüfen gewesen. "Bei 54 395 Straftaten insgesamt machen das 2,7 Prozent aus." Die Änderungen, die sich daraus in der Diebstahlstatistik ergeben, sind dreistellig. Die Zahl der Fahrraddiebstähle wurde von 6715 auf 6888 korrigiert. Bei den Kellereinbrüchen ging es von 3192 auf 3735 hoch. Die Einbrüche in Gartenlauben liegen jetzt bei 1683 statt 1437 Fällen.

An der Aufklärungsquote, die auch bei den Manipulationsvorwürfen immer wieder angeführt wird, ändert das bis zu zwei Prozent, da unter dem Zuwachs an Fällen aufgeklärte wie unaufgeklärte sind - konkrete Zahlen nannte Filohn hier aber nicht.

In der Kriminalitätsentwicklung für die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße zum Beispiel fällt zwar ein Sprung von 18 945 Fällen im Jahr 2013 zu 21 992 im Jahr 2014 auf und die Aufklärungsquote sinkt um 2,5 Prozent. Aber tatsächlich haben die Polizisten mehr Fälle aufgeklärt: 10 141 stehen den 9200 aufgeklärten Fällen von 2013 gegenüber.

Zählweisen wurden in der langen Geschichte der Kriminalstatistiken immer mal wieder nachgebessert. So änderte sich in den 80er-Jahren die Zählung der Tatverdächtigen. Wurde bis dahin ein Tatverdächtiger jedes Mal neu erfasst, wenn bei weiteren Taten der Verdacht auf ihn fiel, wird er jetzt nur einmal gezählt.