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Von Görlitz bis zur Ostsee
Polizeikontrolle gegen Diebe und Autoschieber

Kontrolle vor dem Kraftwerk Jänschwalde: Polizisten halten Autos, Transporter und Lkw an, um Einbrecher, Schmuggler und Autodiebe aus dem verkehr zu ziehen.
Kontrolle vor dem Kraftwerk Jänschwalde: Polizisten halten Autos, Transporter und Lkw an, um Einbrecher, Schmuggler und Autodiebe aus dem verkehr zu ziehen. FOTO: Bodo Baumert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Jänschwalde/Potsdam. Mit Großkontrollen hat die Polizei Jagd auf Diebe und Autoschieber gemacht. Von Görlitz bis zur Ostsee waren die Beamten verdeckt und offen im Einsatz. Von Bodo Baumert

Donnerstagmorgen vor dem Kraftwerk Jänschwalde. Auf der B97 rollt der Verkehr in Richtung Guben und Grenze. Auf Höhe des Kraftwerks müssen die Fahrer bremsen. Die Polizei hat eine Kontrollstelle aufgebaut, drei Beamte stehen auf der Straße und winken einzelne Fahrzeuge raus. Die Fahrzeuge müssen auf 20 Stundenkilometer runterbremsen und die Beamten langsam passieren. Der Blick der Polizisten geht auf die Automarke, auf auffällige Aufbruchsspuren, auf die Fahrer. Wer verdächtig ist, wird angehalten und kontrolliert. Ein Beamter spricht den Fahrer an, ein weiterer wirft einen Blick ins Innere des Autos. „Die Kontrolle läuft seit 3 Uhr“, berichtet Polizei-Oberkommissar Rico Jensch. Viel gefunden haben er und seine Kollegen hier noch nicht. Dafür an anderen Orten. 15 mutmaßliche Straftäter sind bei den Kontrollen von Dienstag bis Donnerstag festgenommen worden. In den meisten Fällen wurden sie auf frischer Tat mit Diebesgut auf den Ladeflächen von Transportern oder in Autos erwischt, berichtete der Sprecher des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, bei einer Kontrolle an der A12. So wurde am Dienstag ein 29-Jähriger erwischt, der 170 Fernsehgeräte auf der Ladefläche hatte.

Die Kontrollen finden nicht nur in Brandenburg statt, sondern entlang der gesamten deutsch-polnischen Grenze von Görlitz bis zur Ostsee. Drei Bundesländer sind beteiligt, dazu die Bundespolizei, der Zoll, die polnische Polizei und Justiz. Solche Großkontrollen sind ein personeller Kraftakt, aber auch ein Signal. „Nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Täter“, sagt Ines Filohn, Sprecherin der Polizei-Direktion Süd in Cottbus. Brandenburg sei Transitland für Diebesgut aus ganz Europa. Kontrollen wie diese würden den Tätern zeigen, dass sie nicht so leicht mit ihren Verbrechen durchkommen.

Am Kraftwerk Jänschwalde hat die Polizei mittlerweile einen polnischen Lkw rausgewunken. Er wird auf dem Parkplatz kontrolliert. Gemeinsam mit dem Zoll gehen die Polizeibeamten zum Fahrer, lassen sich die Papiere zeigen.Dann werfen sie einen Blick in Hohlräume und Kästen am Fahrzeug, in denen illegale Waren geschmuggelt werden könnten. „Wir schauen natürlich nicht nur auf Eigentumsdelikte“, erklärt Oberkommissar Jensch vom Kontrollteam. Auch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung und Ähnliches werden geahndet. Einen VW mit illegalen Aufbauten haben die Beamten schon stillgelegt.

Parallel findet eine ähnliche Kontrolle bei Forst statt. Weitere Polizisten lauern in Zivil auf Fahrzeuge, die versuchen, Kontrollstellen zu umfahren. „Wir kennen die Klientel“, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn. Zum Teil werde die Kontrolle auch genutzt, um Verkehrsflüsse zu beobachten, sich verdeckt an die Fersen bekannter Verdächtiger zu hängen und Routen der Täter zu erkunden. „Die öffentlichen Kontrollpunkte sind nur ein Teil unserer Arbeit“, erklärt Ines Filohn.

Derzeit beobachtet die Polizei in Cottbus und Spree-Neiße, dass Autodiebe gezielt Fahrzeuge der Marke Audi ins Visier nehmen. Entsprechend schauen die Polizisten an der Kontrollstelle am Kraftwerk hin. Doch was passiert, wenn ein Autoschieber im geklauten Audi nicht halten will, wenn er aufs Gaspedal tritt und durchbrechen will? 2014 hatte es einen solchen Fall bei einer ähnlichen Kontrolle an der A15 gegeben. Polizei-Autos waren dabei von der Straße gerammt worden. „Wir sind vorbereitet“, sagt Polizei-Oberkommissar Rico Jensch. Während ein Kollege den Fahrer anspricht, steht ein zweiter mit einem Stopstick bereit, der das Fahrzeug ausbremsen kann. Ein dritter Polizist sichert im Hintergrund mit der Hand in der Nähe der Dienstwaffe. Eine Kurve weiter steht zudem ein Polizeifahrzeug mit laufendem Motor bereit, zur Nacheile, wie das im Polizei-Deutsch heißt.

1200 Personen sind seit Dienstag allein in der Lausitz kontrolliert worden, rund 900 Fahrzeuge wurden angehalten. Der große Fisch war hier nicht dabei.

Einen vermeintlichen Treffer haben die Polizisten in Forst am Mittwochmorgen. Gegen 3 Uhr wird ein Tieflader gestoppt, der mit einem Traktor Richtung Grenze fährt. „Da schauen wir natürlich hin“, sagt Ines Filohn. Geklaute Landmaschinen sind ein Ärgernis für Lausitzer Landwirte, ebenso wie der Rinderdiebstahl. Drei Stunden dauert es, bis alle Papiere geklärt sind. Dann stellt sich raus: Der Traktor gehört tatsächlich dem Fahrer. Er darf seinen Transport fortsetzen.

Wenig später dann ein tatsächlicher Treffer an der A12. Ein 25-Jähriger wird vorläufig festgenommen, nachdem auf der Ladefläche seines Transporters 64 Kartons mit originalverpackter Ware gefunden wurden. Sie wurden zuvor in Braunschweig entwendet. Insgesamt waren in Brandenburg 600 Polizisten im Einsatz. 35 Straftaten wurden festgestellt, 20 Personen vorläufig festgenommen.

Bei einem Polizeieinsatz an der Neiße im Kreis Görlitz ist am Morgen ein gestohlenes Auto sichergestellt worden. Außerdem wurde ein mit Haftbefehl gesuchter Mann festgenommen.