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| 20:01 Uhr

Polizei greift in Cottbuser Innenstadt durch

Cottbus. Strahlender Sonnenschein, die Cottbuser flanieren durch die Innenstadt, sitzen im Straßencafé, erledigen ihre Einkäufe. Das friedliche Bild trügt: Fast täglich kommt es zwischen Stadthalle und Puschkinpark zu Auseinandersetzungen. Andrea Hilscher

Nachdem die Revierpolizei schon seit einigen Wochen verstärkt Streife geht, hat die Polizeiführung jetzt mit einem Großeinsatz reagiert: Donnerstag und Freitag wurden bis in die Nachtstunden hinein alle auffälligen Gruppen kontrolliert.

Allein am Donnerstag sprachen die Beamten 51 Platzverweise aus. Drei Männer, ein Deutscher und zwei Flüchtlinge, landeten in Gewahrsam. Ein vermisstes Mädchen (12) wurde ebenfalls aufgegriffen. Am Freitag wurden ebenfalls mehrere Dutzend Platzverweise ausgesprochen.

Polizeioberrat Tino Glaser: "Bei den deutschen Jugendlichen handelt es sich oft um Gestrauchelte, die Halt in der Gruppe suchen." Fast immer ist Alkohol mit im Spiel, manchmal Kriminalität, häufig ein Hang zur Aggressivität. "Wenn dann auch noch eine Gruppe junger Flüchtlinge hier sitzt, vielleicht ebenfalls trinkt, entwickeln sich hochexplosive Konflikte", so Glaser. Und um diese möglichst schon im Keim zu ersticken, setzt die Polizei jetzt auf konsequente Kontrollen. Nach dem Großeinsatz am Donnerstag war Tino Glaser am Freitag mit 30 Bereitschaftspolizisten vor Ort. "Nachkontrollen", sagt er. "Wir wollen sehen, ob unsere Ansage verstanden wurde."

Zumindest auf den ersten Blick scheint sich die Lage etwas entspannt zu haben. Deutlich weniger Jugendliche halten sich vor der Stadthalle auf, lediglich ein kleiner Trupp sucht im Schatten des Lindner Congress Hotels Schutz vor der Sonne. Zwei Mannschaftswagen der Polizei fahren vor, kontrollieren die Papiere der Jugendlichen - und ernten bissige Kommentare. Alle Elf hatten auch am Donnerstag schon einen Platzverweis kassiert, einige von ihnen sind als notorisch aggressiv bekannt. Tino Glaser: "Sie nutzen hier das freie Wlan, holen sich in der Spree-Galerie ihren Bier-Nachschub." Einige von ihnen haben bereits gegen 17 Uhr über 1,5 Promille intus. Aus der geplanten langen Nacht wird für sie nichts: Bis zum Morgen dürfen sie den Bereich zwischen Stadthalle, Klosterplatz, Heronbrunnen und Blechen Carré nicht mehr betreten. Auch ein stadtbekannter Rollstuhlfahrer und seine schwer angetrunkene Begleitung werden überprüft, müssen den Platz verlassen. "Gefahrenabwehr", sagt Kriminalkommissar Tim Richter. "Wir müssen zeigen, dass das hier kein Ort ist, an dem man sich betrinken und rumpöbeln kann."

Zeitgleich sind die Beamten auch im Puschkinpark unterwegs, unterstützt von Revierpolizei, Ausländerbehörde und Ordnungsamt. Eine Gruppe junger Flüchtlinge am Teehäuschen wird von den Polizisten angesprochen. Papiere werden kontrolliert, das Ausländerzentralregister abgefragt. Tino Glaser: "Die Jugendlichen sollen verstehen, worum es uns geht." Am Freitag scheint keiner der Syrer und Afghanen getrunken zu haben, vier Platzverweise gibt es trotzdem: Die Männer waren schon am Vortag aufgefallen, sollen sich auch jetzt aus der "Gefahrenzone" fernhalten. Vorerst bleibt es ruhig. Jetzt ist die Stadt am Zug: Sie will der Ursache des Problems mit Sozialarbeitern begegnen.