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Politisch, friedlich und fantasievoll

Unbeschwertes Feiern, Tanzen und Lachen: Der Zug der fröhlichen Leute war für den Karnevalclub Blau-Weiß Sergen wieder ein Höhepunkt der Session.
Unbeschwertes Feiern, Tanzen und Lachen: Der Zug der fröhlichen Leute war für den Karnevalclub Blau-Weiß Sergen wieder ein Höhepunkt der Session. FOTO: mih
Cottbus. Der 26. Zug der fröhlichen Leute in Cottbus lockte rund 90 000 Besucher in die Innenstadt. Belohnt wurden sie mit viel Witz und Fantasie. Andrea Hilscher

Musik dröhnt aus den Lautsprecherboxen der Motivwagen, die Funkengarden schwingen die Beine bis zum Himmel und die Ehrensenatoren rufen mit heiseren Stimmen: "Cottbus, helau! Lausitz, helau". Pünktlich zu Beginn des 26. Zugs der fröhlichen Leute reißt der Himmel über Cottbus auf, der Regen verschwindet und die rund 90 000 Besucher aus Sachsen und Brandenburg können ihre Regenschirme umklappen: Kamellealarm!

Zwischen Bonbons sammeln, Schnaps trinken und Pfannkuchen verdrücken bleibt kaum noch Zeit, die fantasievoll geschmückten Motivwagen zu bewundern. Dabei haben sich die 66 teilnehmenden Vereine in diesem Jahr besonders viel Mühe gegeben, nehmen alles aufs Korn, was ihnen in den vergangenen Monaten sauer aufgestoßen ist. Ganz vorne weg: die Cottbuser Narrenweiber. Sie wettern gegen Rechtspopulisten, Donald Trump und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

Der bekommt von vielen Karnevalisten wegen der geplanten Kreisreform sein Fett weg, und auch OB Holger Kelch (CDU) muss sich auf der Ehrentribüne vor dem Staatstheater manchen Spott gefallen lassen. Vom Wagen des Gaglower Carneval Vereins schallt es ihm entgegen: "Lieber Holger, wir wurden auch eingemeindet, wir wissen, wie sich das anfühlt." Kelch nimmt es mit Humor, schunkelte nach Kräften und lässt sich die Ehrengaben der Vereine schmecken: Pfannkuchen und Fischbrötchen.

Trotz massiver Polizeipräsenz und kreisender Hubschrauber über den Köpfen der Narren bleibt die Stimmung, nun ja, angemessen: Da wird geküsst und gelacht, getrunken, na klar. Und ab und an auch gestritten, wenn Ehegatten einen Blick zu viel auf die hübschen Beine der Funkengarde werfen. Friedlich bleibt es dennoch. Polizeisprecherin Ines Filohn: "Nicht einmal vermisste Kinder werden an unseren mobilen Polizeiwachen gemeldet." Einzig ein Streit zwischen fünf syrischen und vier deutschen Jugendlichen sorgt kurz für Unruhe. Ein Cottbuser wird dabei im Gesicht verletzt, die Urheber des Konfliktes in Gewahrsam genommen. Ein Mann darf seinen Rausch bei der Polizei ausschlafen, die übrigen Karnevalisten schaffen den Heimweg aus eigener Kraft.

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Zum Thema:
Der Cottbuser Kinder-Karnevalsumzug setzt sich morgen, 28. Februar, um 9 Uhr auf dem Altmarkt in Bewegung. Bis 10.30 Uhr kann es entlang der Umzugsstrecke zwischen Altmarkt, Berliner Straße und Viehmarkt kurz zu Beeinträchtigungen des Straßenbahn- und Busverkehrs kommen, bittet Cottbusverkehr um Verständnis. Der Zug der fröhlichen Kinder steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Holger Kelch. Zum Abschluss steigt im Festzelt auf dem Viehmarkt eine Faschingsparty.

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