| 02:33 Uhr

Politiker appellieren für Erhalt von Bolzplatz

Cottbus. Die Vorgänge um den Rückbau eines Ströbitzer Bolzplatzes erhitzt die Gemüter. Politiker plädieren leidenschaftlich für den Erhalt der Sportanlage. Derweil verspricht die Stadt, nach einer Lösung zu suchen, die Jugendlichen und Anwohnern gerecht wird. Peggy Kompalla

Der Bauausschuss ist für nüchterne Debatten, nicht aber für Gefühlsausbrüche bekannt. Mittwochabend ist insofern eine Ausnahme. Da kochen die Emotionen im Stadthaus hoch. Auslöser sind die Vorgänge um den voreiligen Rückbau des Bolzplatzes am Brunschwigpark. Die Tore der Sportstätte sind bereits verschwunden, genauso wie Teile des Zauns. Im Ausschuss gibt es eine Entschuldigung von Alice Kunze, der Chefin des verantwortlichen Fachbereichs Grün- und Verkehrsflächen. Baubürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) ergänzt: "Jemand in der Verwaltung hat voreilig gehandelt, der nur einen Prüfauftrag hatte."

Der Bolzplatz wurde 1997 am Park errichtet. Seither sind neue Wohnhäuser in direkter Nachbarschaft entstanden und es hagelt Beschwerden wegen des Lärms, da die eingeschränkten Nutzungszeiten auf der Sportanlage kaum eingehalten werden.

Der Einbau eines verschließbaren Tores kostet laut Alice Kunze mehr als 2000 Euro. Hinzu kämen jährliche Ausgaben von rund 8000 Euro für den Schließdienst. Kosten, die die überschuldete Stadt nicht stemmen kann. Der Rückbau der Anlage schlägt dagegen mit einem einmaligen Preis von 7500 Euro zu Buche.

Trotz all der Argumente ist die Sympathie klar verteilt. Marion Hadzik (CDU) wirft in den Raum: "Wollen wir die Kinder und Jugendlichen an den Stadtrand verbannen? Ich bin froh über jeden Jugendlichen, der vom Computer wegkommt. Bolzplätze gehören in die Wohngebiete."

Steffen Picl (Linke) erinnert: "Cottbus hat erst kürzlich einen Preis als familienfreundliche Kommune erhalten - dieser Vorgang karikiert diese Auszeichnung." Dietmar Micklich (AfD) wirft dazu ein: "Außerdem ist Cottbus gerade Sporlichste Stadt Brandenburgs geworden!" Er ergänzt: "Man sollte unbedingt den Dialog suchen mit den Jugendlichen und der Eigentümergemeinschaft. Ich finde, bei einer Lösung sollte auch eine Kostenbeteiligung in Betracht gezogen werden." Hans-Joachim Weißflog (Grüne) hält es für ein Unding, einen 20 Jahre alten Bolzplatz abzubauen. "Die Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche müssen erhalten bleiben." Claudia Eckert von der Fraktion AUB/SUB ergänzt: "Auch Jugendliche können gegenseitige Rücksichtnahme lernen." Den Rückbau hält aber auch sie für die Ultima Ratio. "Reißen wir auch das Teehäuschen ab, weil es dort regelmäßig Beschwerden gibt?", fragt sie.

Der Rückbau des Bolzplatzes ist zunächst gestoppt. Bürgermeisterin Tzschoppe wirft angesichts der Debatte neue Gedanken ins Spiel: "Wir sollten auch den Einbau neuer Schutzmaterialien prüfen, die den Lärm mindern." Denn seit der Errichtung der Sportanlage im Jahr 1997 gebe es sicherlich neue Möglichkeiten. Zudem wolle sich die Stadt um einen Dialog der Beteiligten bemühen.

Rüdiger Galle (CDU) vom Bürgerverein Ströbitz hält sich in der Debatte im Ausschuss zurück. Seine Meinung hat er beim Stadtteilrundgang in der vergangenen Woche deutlich gemacht. "Auf dem Sportplatz am Ernst-Barlach-Platz haben wir das Problem in den Griff bekommen." Es gibt Öffnungszeiten, ein Ordnungsdienst schließt ab. Der Weg zum Brunschwigpark dürfte da kein Zusatz-Aufwand sein.