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Politikbegeisterte Jugendliche im Stadthaus

Volles Haus: 120 Teilnehmer der ersten Cottbuser Jugendkonferenz debattieren im Stadthaus.
Volles Haus: 120 Teilnehmer der ersten Cottbuser Jugendkonferenz debattieren im Stadthaus. FOTO: Hilscher
Die erste Cottbuser Jugendkonferenz im Stadthaus hat 120 Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet ins Zentrum der Lokalpolitik gelockt. Mit großem Eifer und viel Kreativität suchten die Jugendlichen nach Antworten auf politische Fragen. Andrea Hilscher

Cottbus. Wo sonst gestandene Damen und Herren über die Geschicke der Stadt verhandeln, saßen am Donnerstag 120 Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren. Im Ratssaal trafen sie sich zur ersten Cottbuser Jugendkonferenz unter dem Motto "Nicht über uns - mit uns!"- und wurden zunächst von Abgesandten der Fraktionen darüber aufgeklärt, was Politik für junge Menschen tun kann - und wo die Grenzen des Machbaren liegen.

Der Termin für die Konferenz ist gut gewählt: Wenige Wochen vor der anstehenden Kommunalwahl macht es Sinn, Schüler über ihre Wahlmöglichkeiten und das Parteienspektrum in Cottbus zu informieren.

Entsprechend neugierig waren die jungen Leute, befragten die Stadtverordneten auf dem Podium nach ihrer Meinung zu maroden Turnhallen und Ungerechtigkeiten bei Hartz IV, zu lustlosen Lehrern und den Berufsaussichten in der Region.

In knapp einem Dutzend Workshops sollte es dann konkret werden. Zusammen mit Stadtpolitikern, Sozialarbeitern und Experten konnten die Schüler sich über den öffentlichen Nahverkehr, Bildung, Wirtschaft, Freizeitmöglichkeiten und Parteien informieren. Nico Kuban etwa, Siebtklässler der Sachsendorfer Oberschule, hatte ganz konkrete Vorstellungen, was die Konferenz ihm bringen könnte. "Wir sollten über bessere Freizeitmöglichkeiten in der Stadt sprechen", schlug er vor und hatte gleich einen konkreten Plan parat: "Das freie Gelände am Blechen Carré wäre dafür ideal." Jonas Hille, 17, vom Niedersorbischen Gymnasium, will sich auf die kommenden Wahlen vorbereiten, bei denen er zum ersten Mal an die Urne darf. "Ich finde die Idee der Konferenz überhaupt total spannend", sagt er. "Sie könnte anderen Städten und Bundesländern als Vorbild dienen, um junge Leute an die politische Arbeit heranzuführen."

Um das Thema Politik auch wirklich greifbar zu machen, konnten die Konferenzteilnehmer während der Mittagspause sogar an einer Testwahl teilnehmen. Auf alten Stimmzetteln der Cottbuser Kommunalwahl von 2008 konnten sie probehalber ihre Kreuze machen. Das Ergebnis: 81 Jugendliche haben ihre Stimme abgegeben, drei Wahlzettel waren ungültig. 28,6 Prozent der Stimmen gingen an die SPD, 20 Prozent an die Linke, CDU 18,8, Bündnis 90/Grüne 12,4, FDP 6, Frauenliste 2,5, SUB 2,5. DSU und NPD blieben unter einem Prozent. Robert Frenzel vom Träger "Miteinander": "Die Leute haben verantwortungsbewusst abgestimmt, keine Protestwahl gemacht."

Von der Konferenz soll nach dem Willen der Organisatoren allerdings mehr bleiben, als nur ein - fiktives - Wahlergebnis. Marianne Materna, Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt, erhofft sich von der Konferenz verschiedene Effekte. So sollen lebendige Strukturen der Jugendbeteiligung geschaffen und verankert werden. Mittelfristig gehe es darum, Erwachsene für das Mitspracherecht bei der Gestaltung der Stadt zu sensibilisieren und ihnen dieses Recht auch zu ermöglichen.

Konkret sollen Ideen, die auf der Konferenz entwickelt werden, in den kommenden Wochen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Tandems aus Jugendlichen und erwachsenen Partnern sollen nach Realisierungsmöglichkeiten suchen. Die nächste Jugendkonferenz soll 2016 stattfinden, 2015 ist die zweite Cottbuser Kinderkonferenz geplant.