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| 17:14 Uhr

Neues Konzept für mehr Beteiligung geplant
Politik für Kinder

 Die Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg im Gespräch mit einem Mitglied des Kinderparlamentes an der Nevoigt-Grundschule.
Die Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg im Gespräch mit einem Mitglied des Kinderparlamentes an der Nevoigt-Grundschule. FOTO: Die Linke
Cottbus. Die Stadt Cottbus setzt auf eine stärkere Beteiligung der jungen Generation. Von Silke Halpick

Die Stadt will kinderfreundlicher werden. Mit einem Konzept zur Beteiligung der jungen Generation soll der Ist-Zustand analysiert und Handlungsempfehlungen gegeben werden. Die Stadtverordneten haben auf ihrer gestrigen Sitzung grünes Licht für das Projekt gegeben. Zu den Vorreitern in Sachen Mitbestimmung gehört die Wilhelm-Nevoigt-Grundschule mit ihrem Kinderparlament.

 „Das ist Demokratie im Kleinen und geht weit über die herkömmliche Arbeit eines Klassensprechers hinaus“, sagt Marianne Materna, ehrenamtliche Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Cottbus. Mittlerweile haben auch andere Schulen das Potenzial erkannt und ein solches Gremium an ihrer Einrichtung ins Leben gerufen. „Wenn es uns gelingt, Kinder und Jugendliche für Politik zu begeistern, haben wir schon viel erreicht“, betont Materna.

Für sie selbst ist Politik ein spannendes und weites Feld. „Politik ist alles, was uns täglich umgibt“, sagt die Diplom-Pädagogin. Das reiche von den Schulen und Kitas bis hin zum Theater, Sport und der Infrastruktur einer Stadt. Ein Mitspracherecht für Kinder und Jugendliche in allen kommunal-politischen Belangen hält sie für unverzichtbar. Schließlich betreffen die Entscheidungen von heute auch die Generation von morgen, wie sie begründet.

 Marianne Materna ist die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt
Marianne Materna ist die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt FOTO: LR / Silke Halpick

Auch in der Brandenburger Kommunalverfassung wird Kindern und Jugendlichen jetzt ausdrücklich ein Mitwirkungsrecht „in allen sie berührenden Gemeindeangelegenheiten“ eingeräumt. Das soll sich künftig auch  in den Hauptsatzungen der Kommunen widerspiegeln. „Die Änderung der Kommunalverfassung hatten wir im Sommer beschlossen“, sagt Kathrin Dannenberg von der Linken-Landtagsfraktion. Die Initiative ging von den Linken und der SPD aus. „Für die Kommunen ist das eine große Herausforderung“, sagt sie.

Dannenberg war vor Kurzem gemeinsam mit den Fraktionskolleginnen Gerrit Große und Isabelle Vandre auf Arbeitsbesuch in Cottbus, schaute sich in Schulen und Kitas um, kam mit den Mitgliedern des Kinderparlaments an der Nevoigt-Grundschule ins Gespräch und war „begeistert“, wie sie sagt, von der Offenheit und dem Engagement der Menschen. „Wir hatten ein anderes Bild von Cottbus im Kopf“, räumt sie ein.

Bis zum Herbst soll das neue Beteiligungskonzept vorliegen, wie Marianne Materna ankündigt. Die Legitimation der Stadtverordneten ist ihr wichtig, weil es sich bei dem Projekt um „Schwerstarbeit“ und „nicht nur ein Steckenpferd für Sozialarbeiter und Pädagogen“ handelt, wie sie sagt. Grundsätzlich notwendig ist ein Stadtverordnetenbeschluss allerdings nicht.

Mit dem Projekt betreten Materna und ihre Mitstreiter Neuland. Erfahrungen, auf die sie zurückgreifen können, gibt es noch nicht. Erhofft wird ein Dokument, mit dem sowohl Stadtpolitik als auch -verwaltung  künftig arbeiten können. „Kinder- und Jugendbeteiligung soll selbstverständlich im Verwaltungshandeln werden“, sagt Materna.

Möglicherweise  ist das für Cottbus der erste Schritt in Richtung „Kinderfreundliche Kommune“. Diesen Titel hat Unicef bislang an 21 Städte und Gemeinden in Deutschland vergeben. Voraussetzung ist, dass die Kommunen die UN-Kinderrechtskonventionen konsequent umsetzen und an einem vierjährigen Verfahren teilnehmen. Senftenberg und Potsdam tragen den Titel bereits.