| 02:48 Uhr

Poetische Frauenporträts eines Unangepassten

Steffen Krahl im Gespräch mit Hanka Lindner (r.) und der Bauingenieurin Anita Sommer.
Steffen Krahl im Gespräch mit Hanka Lindner (r.) und der Bauingenieurin Anita Sommer. FOTO: Elsner
Cottbus. Steffen Krahl kennt man in Cottbus. Der 51-Jährige, zur Wendezeit politischer Häftling, setzt sich unermüdlich dafür ein, die Erinnerung an das Unrecht wachzuhalten, das Teil der DDR-Geschichte ist. Jetzt zeigt das Cottbuser Frauenzentrum "Lila Villa" in der Ausstellung "Feminine Augenblicke" Frauenporträts des Cottbusers. Ulrike Elsner

Steffen Krahl hat Schlimmes erlitten. Sozialistische Umerziehung im Kinderheim Spremberg und im Jugendwerkhof Dorf Mecklenburg bei Wismar, Inhaftierung wegen Missachtung staatlicher Symbole und Verstößen gegen die aufgezwungenen Maßnahmen zur "Wiedereingliederung". Noch heute kämpft er um Wiedergutmachung - für sich und andere.

Wie kann ein Mensch mit einem solchen Hintergrund mit so freundlichem Blick auf die Welt schauen und diese Porträts machen? "Das ist meine Mentalität", sagt der Fotograf und Mediengestalter ganz unpathetisch. Genau deswegen habe er als Jugendlicher in der DDR Riesenprobleme gehabt.

Zu Krahls Mentalität gehören Offenheit und Unvoreingenommenheit. Auf diese Weise hat sich der Cottbuser auch den porträtierten Frauen genähert. Sie vertrauen ihm, lassen den Fotografen - und nun auch den Ausstellungsbesucher - teilhaben an ihrem Leben.

Die Ausstellung umfasst 16 Porträts von ganz unterschiedlichen Frauen und Mädchen aus verschiedenen Kulturen. Entstanden sind die Fotos, die durch kurze Texte ergänzt werden, an den verschiedensten Orten. Neben einige Cottbuserinnen sind Frauen und Mädchen zu sehen, die Steffen Krahl auf Reisen mit seiner Lebensgefährtin in Kroatien, Griechenland und Tansania kennengelernt hat.

Noch heute schwärmt er von seinem Besuch im Ruaha-Nationalpark. Am Lagerfeuer hat er, unterstützt von einem Dolmetscher, mit einer Gruppe Massai über die Welt philosophiert. Eigentlich sei er ja wegen der Löwen und Giraffen, ein bisschen Grzimek-Romantik also, nach Tansania gefahren. Am Ende waren die Begegnungen mit Menschen wichtiger.

Auch in seiner kurzen Rede zur Ausstellungseröffnung bekennt der Fotograf: "Vor ein paar Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass die Bilder von Menschen im Laufe der Zeit für mich immer wichtiger werden."

Inzwischen ist für den Cottbuser klar: "Ich möchte Geschichten erzählen." Nicht nur in Bildern, auch in Texten. Die Ausstellung in der "Lila Villa" ist ein vielversprechender Anfang. Ein Buchprojekt könnte folgen.

Kaum hat er seine Ansprache beendet, zieht sich der Künstler ins Publikum zurück, wird zum Beobachter und nach dem offiziellen Teil auch zum gefragten Gesprächspartner.

Was er an diesem Abend zu hören bekommen hat, wird Steffen Krahl gefreut und ermutigt haben. "Das hat eine besondere Tiefe und ist wirklich poetisch", schwärmt Künstlerkollegin Inna Perkas und fügt an: "Es ist schwer, Fotografie so poetisch zu machen." Und Hanka Lindner, Geschäftsführerin des Cottbuser Frauenzentrums betont: "Diese Bilder zeigen, dass Frauen stark und selbstbewusst sind."

"Feminine Augenblicke" läuft bis Ende März im Frauenzentrum Cottbus, Thiemstraße 55.