| 18:00 Uhr

Plumpe Provokation statt Kohletalk

Moderator Jens-Uwe Hoffmann (v.l.), Annalena Baerbock (Grüne), Dr. Helmar Rendez (Leag), Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) und Andreas Kalbitz (AfD)
Moderator Jens-Uwe Hoffmann (v.l.), Annalena Baerbock (Grüne), Dr. Helmar Rendez (Leag), Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) und Andreas Kalbitz (AfD) FOTO: hilscher (LR-MOB-RED-653)
Cottbus. Der Scheunentalk in der Cottbuser Theaterscheune hat Tradition, auch die zwölfte Gesprächsrunde – diesmal zum Thema Kohleausstieg – war ausverkauft. Auf neue Erkenntnisse warteten die Zuhörer allerdings vergeblich. Andrea Hilscher

Jens-Uwe Hoffmann, früher Leistungssportler und Managementberater, schafft es immer wieder, namhafte Gäste in die Cottbuser Theaterscheune zu locken. Matthias Platzeck, Claudia Pechstein, Gregor Gysi - die Liste der Prominenz ließe sich noch verlängern. Frei nach Hoffmanns Motto "Political correct wollen wir nicht sein" haben sich viele Zuschauer inzwischen an provokante Fragen und Plattitüden gewöhnt.

Der zwölfte Scheunentalk stellte allerdings selbst Hoffmann-Fans auf eine harte Probe. Das Thema "Kohleausstieg und die Zukunft der Lausitz" hatte zahlreiche Unternehmer, Politiker und Bergbaumitarbeiter nach Cottbus geführt. Jens-Uwe Hoffmann aber nahm sich zunächst ausgiebig Zeit, seine Talkgäste zu begrüßen. Die Brandenburger Grünen-Abgeordnete Annalena Baerbock sollte erklären, ob sie einen Hausmann habe, der sich um ihre kleinen Kinder kümmert.

Leag-Vorstandschef Helmar Rendez wurde gefragt, wie er seinen aufreibenden Job mit seinem Hobby, dem Triathlon, vereinbaren kann. Petitessen. Dann ein erstes Raunen im Saal: Hoffmann verriet dem Publikum, dass sich Annalena Baerbock "hier quasi in Feindesland befindet, in der schwarzen, der braunen Lausitz". Die Politikerin war, zum ersten Mal an diesem Abend, um eine Antwort verlegen und musste sich gleich darauf für ihr "SED-Wahlergebnis" von 99 Prozent bei der Wahl zur Spitzenkandidatin ihrer Partei rechtfertigen. Fast schon erholsam eine kurze Plauderei mit dem früheren Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) über sein Promotionsthema, die Graugans.

Schließlich stellte Hoffmann seinen Gästen "das enfant terrible" Andreas Kalbitz vor. Der brandenburgische AfD-Abgeordnete gilt selbst innerhalb seiner Partei als Rechtsaußen, in Cottbus ließ er sich von zwei muskelbepackten Bodyguards beschützen. Falls Kalbitz befürchtet hatte, hier mit unliebsamen Details seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden, konnte er schon nach wenigen Minuten aufatmen: Er durfte munter über die landschaftliche Schönheit Brandenburgs parlieren, wurde dann gefragt, was er denn so von der umstrittenen Dresden-Rede seines Parteikollegen Björn Höcke halte. Eine Rede, wegen der dem Thüringer immerhin Ordnungsmaßnahmen seiner Partei drohen.

Kalbitz aber wiegelte lächelnd ab. Die Aufregung sei nur auf eine "Missdeutung der Nachrichtenagentur dpa" zurückzuführen, der Rest sei Wahlkampf. Ein Drittel der anwesenden Besucher klatschte Beifall, Moderator Jens-Uwe Hoffmann schwieg.

Am Ende blieb dann doch noch etwas Zeit, um über Energiewende und Strukturwandel, Zukunftstechnologien der Lausitz und notwendige politische Weichenstellungen zu reden. Über den Austausch bekannter Positionen kamen die Experten auf dem Podium dabei kaum hinaus - die Zeit war zu knapp. Schade um den Abend, schade ums Format.</text>