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Platzverweise, Diebstähle und Prügeleien – auch das ist Stadtfest

FOTO: Andrea Hilscher
Update Cottbus. Mehrere Zehntausend Menschen in der Innenstadt, viel Alkohol und Testosteron – während des Stadtfestes liegt immer auch eine Portion Aggression in der Luft. Vor dem Hintergrund der jüngsten Auseinandersetzungen unterschiedlichen Jugendgruppen in der Innenstadt hatten Polizei, Ordnungsamt und Veranstalter schon im Vorfeld angekündigt, dass sie mit starken Einsatzkräften für Ruhe und Sicherheit sorgen wollen. Vor allem die Abend- und Nachtstunden standen dabei im Fokus. Andrea Hilscher

Freitag, 19.30 Uhr: Das Stadtfest ist seit ein paar Stunden eröffnet, nach heftigen Regenschauern bessert sich das Wetter, die Besucherzahlen steigen. Polizeioberrat Tino Glaser übernimmt persönlich die Einsatzleitung für dieses Wochenende. Er hat rund 50 Kräfte der Bereitschaftspolizei vor Ort, zusätzlich zivile Beamte. Alle Kräfte werden klar definierten Einsatzbereichen zugeordnet. Gemeinsam mit Kriminalhauptkommissar Guido Große trifft sich Glaser mit René Land, der an diesem Abend die Kräfte des Ordnungsamtes koordiniert. Ebenfalls vor Ort: Knapp 40 Wachleute eines Ordnungsdienstes. Sie werden mit Leibchen ausgestattet, die mit Nummern versehen sind, bekommen ebenfalls bestimmte Reviere zugeteilt. Tino Glaser: "Die Nummern helfen uns, den Überblick zu behalten." Sollte es zu Zwischenfällen kommen, sind die Wachschutzleute so auch für Stadtfestbesucher leichter zu identifizieren. Glaser: "Wir haben im Vorfeld alle angemeldeten Wachschützer überprüft und im Zweifelsfall austauschen lassen."

21.10 Uhr: Tino Glaser und Guido Große stehen in engem Funkkontakt mit den Einsatzkräften, pendeln zwischen den Brennpunkten im Innenstadtbereich. In Höhe des Teehäuschens kommt ihnen ein aufgeregter Junge (16) entgegen, bittet um Hilfe: Sein Freund (16) werde gerade zusammengeschlagen. Kaum setzen sich die Polizisten in Bewegung, flüchtet auch der Täter in Richtung Wendisches Viertel. Während Große mit dem Opfer und einigen Zeugen spricht, nimmt Glaser Freunde des mutmaßlichen Täters ins Visier. Kurze Verhöre, Personalien werden aufgenommen, der Sachverhalt als Körperverletzung registriert.

21.40 Uhr: Neben der Stadthalle werden die Männer erneut angesprochen: Einem Mädchen wurde gerade das Handy geklaut, über eine App kann sie es orten. Glaser schickt einen Mannschaftswagen los, der dem Signal in Richtung Berliner Straße folgt. Offenbar läuft der Dieb in ein Wohnhaus. Kurze Funkabsprache: Die Polizisten kontrollieren alle Klingelschilder, suchen nach einschlägig bekannten Namen. Dann zeigt sich: Das Handy wurde einfach auf dem Hausflur abgelegt, vom Täter keine Spur. Das Telefon wird auf Fingerabdrücke untersucht. Die Besitzerin ist glücklich.

22 Uhr: Bei Senftenberg wird ein Schusswaffengebrauch gemeldet, die Lage ist unklar. Glaser überlegt kurz. "Hier bei uns ist es ruhig, wir schicken ein paar Spezialkräfte nach Senftenberg."

22.30 Uhr: Der Alkoholpegel auf dem Festgelände steigt. Inzwischen haben die Beamten die ersten Platzverweise ausgesprochen - das Alkoholverbot in der City ist zwar während des Stadtfestes aufgehoben, wer aber zu viel getankt hat, eventuell auch noch rumpöbelt, muss gehen.

22.40 Uhr: Bereitschaftspolizisten durchkämmen den Puschkinpark. Kurzes Gespräch mit drei zivilen Beamten: Zwar sind viele einschlägig bekannte Gesicherter in der Menge aufgetaucht, die Lage bleibt dennoch ruhig.

22.50 Uhr: In einer Gruppe von Jugendlichen entdecken Polizisten einen jungen Mann, der ihnen schon im Zusammenhang mit einem Zwischenfall auf der jüngsten Demonstration der Rechten in Cottbus aufgefallen war. Sie nehmen seine Personalien auf, werden sich später intensiv mit ihm beschäftigen.

23 Uhr: Besprechung im Rathaus. René Land und seine Mitarbeiter bestätigen den Eindruck eines ruhigen Stadtfestes. Auch der Wachschutz funktioniert. Einzig auf dem Postparkplatz sei die Stimmung etwas aufgeheizt.

23.30 Uhr: Langsam leeren sich die Straßen. Zurück bleiben Jugendliche - Deutsche und Flüchtlinge - die zum Teil kräftig getrunken haben. Bei Glaser und Große steigt die Wachsamkeit. "Viele Leute sind jetzt nicht mehr wirklich offen für unsere Ansprache", sagt Guido Große. Betrunkene mit Glasflaschen werden ermahnt, ein junger Mann wird mit einer offensichtlich geklauten Warnlampe ertappt.

0.10 Uhr: Auf der Sprem kommt es zu einem massiven Handgemenge. Ein Mann (29) wird von zwei anderen angepöbelt, es kommt zu Streit. Am Ende geht der 29-Jährige zu Boden, wird getreten und geschlagen. Die Täter fliehen, der Verletzte muss ins Krankenhaus.
Wenig später sind Glaser und Große mit dem Mannschaftswagen in der Karl-Marx-Straße unterwegs, bemerken eine Rangelei zwischen zehn Männern. Sie gehen dazwischen, beruhigen die Lage.

Die zweite Stadtfestnacht verläuft ruhig. In einer Einkaufspassage wird eine ausländische Familie angegriffen, die mutmaßlichen Täter kurz darauf gestellt - einer von ihnen war vermutlich auch in die Freitags-Schlägerei am Teehäuschen verwickelt. Ein paar pöbelnde Fußballfans erhalten Platzverweise, ein vorgetäuschter Notruf lockt die Polizei zu einer vermeintlichen Messerstecherei an der Synagoge. "Fake news", sagt Tino Glaser achselzuckend. "Bindet unnötig Kräfte, muss aber verfolgt werden."