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| 19:47 Uhr

Plastikmüll
Leben auf hohem Niveau

Plastikmüll: Einkaufswagen
Plastikmüll: Einkaufswagen FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Oder: Wie tief sind wir eingeschlafen? Beobachtungen, Erlebnisse und Gedanken einer Drebkauerin.

Ich bin wirklich überrascht, schon wieder voll . . . Mein kleines Eimerchen (fünf Liter), läuft immer häufiger mit dem Verpackungsmüll aus Plastik über. Im Fernsehen flimmern Bilder von mit Plastikmüll verschmutzten Meeren. Ich sehe Bilder von Tieren, die an Plastikmüll elend verenden. Ich sehe Bilder von riesigen Müllbergen, in denen Kinder nach Essbarem suchen . . .

Ich schaue hin und dann ist es auch schon wieder weg, das Entsetzen, weggespült von bunter Werbung für Lebensmittel in aufwendig und schick gestylter Plastikverpackung. Ich überlegte mir, was ich selbst tun kann, um unsere Welt ein kleines bisschen sauberer und schöner zu machen. Mein nächster Einkauf sollte deshalb etwas ganz Besonderes werden.

Mit Stoffbeuteln und eigenen, sauberen Bechern machte ich mich auf den Weg in einen großen Supermarkt am Rande von Cottbus. Wacher als sonst, wurde mir bewusst, das mindestens 90 Prozent aller Produkte in Plastik verpackt sind bzw. etwas aus Plastik an sich tragen, zum Beispiel Etikettenhalter.

An der Käsetheke angekommen, reichte ich der Verkäuferin meine sauberen Behälter und bat sie, mir Frischkäse und Eiersalat abzuwiegen. Entsetzt wies sie meine Becher zurück und sagte mir, dass sie die Produkte nicht in meine mitgebrachten Gefäße tun darf. Auf meine Frage, warum nicht, bekam ich kurz zur Antwort: „Aus hygienischen Gründen.“ Als ich ihr meine Behältnisse zeigte und ihr erklären wollte, dass sie sauber sind, wehrte sie unfreundlich ab und wendete sich anderen Kunden zu.

Aus hygienischen Gründen? Das verstehe ich nicht. Als Kind holte ich die Milch mit einer Milchkanne aus der Molkerei und das Brot im Körbchen vom Bäcker. Zum Beispiel in Hamburg, Berlin oder Dresden ist es heute wieder möglich, umweltbewusst und plastikfrei einzukaufen. Doch in Cottbus war ich gezwungen, die Plastikbecher vom Supermarkt zu nehmen, um den Frischkäse mitnehmen zu können.

Dabei fiel mir auf, dass für mich in keiner Weise sichtbar wurde, was solch ein Becher eigentlich kostet. Auf der Waage wurde der Becher mit dem Inhalt zusammen gewogen Bestes Beispiel dafür ist die Salatbar: Du hast keine Chance, die Waage auf den Becher einzustellen. Darüber hinaus wurden im Verkaufspreis meines Frischkäses die Kosten für diesen Becher genauso einkalkuliert wie die Arbeitskraft hinter der Theke, der Strom für die Kühlung usw.

Uns Verbrauchern wird nichts geschenkt! Weil es so schön einfach und bequem ist, denken wir gar nicht mehr darüber nach, was uns der ganze Verpackungswahn wirklich kostet. Wir sind tief und fest eingeschlafen und merken nicht, wie uns Verbrauchern durch sehr bewusste Manipulation das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Ich war am Boden zerstört. Mein guter Plan, plastikfrei einzukaufen, scheiterte mit Pauken und Trompeten. Ich packte meine Gefäße unter neugierigen Blicken anderer Kunden ein und bezahlte – auch den Plastikmüll – an der Kasse. In meinem Einkaufswagen lagen 23 Produkte. Lediglich drei Produkte (eine Gurke, ein Kilo Bananen und eine Avocado) waren plastikfrei. Alles andere befreite ich erst mal – soweit es ging noch im Supermarkt – von der Verpackung, die im Container für Plastikmüll landete. Der Inhalt meines Einkaufswagens wurde plötzlich sehr viel übersichtlicher.

Wieder zog ich mit meinem Tun Neugierige an wie das Licht die Motten. Dabei kam mir in den Sinn, dass Neuseeland das erste Land weltweit war, das letztes Jahr Mikroplastik verboten hat. Diesem Beispiel folgte kürzlich auch England. In vielen Ländern Afrikas wird das Benutzen von Plastiktüten hart bestraft. Oder in einigen Großstädten unseres Landes finden sich Menschen zusammen, um aktiv Sport zu treiben. Sie tun dabei Großartiges für die Umwelt. Sie sammeln schlicht weg den Müll von der Straße, nach dem Motto: „Jedes Bücken erhält die Gesundheit.“ Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach meinem gescheiterten Versuch, plastikfrei im Supermarkt in Cottbus einzukaufen, bin ich neugierig geworden und suche Ideen, wie ein plastikfreies Leben verwirklicht werden kann. Wie wach sind wir wirklich, um dem Plastikwahn zu begegnen? Wie kann ich als Verbraucherin frei entscheiden, ob ich die Verpackung haben und auch bezahlen will? Wir leben mit unserem Plastikkonsum heute auf sehr hohem Niveau. Doch es macht Mut zu erleben, wie überall weltweit die Menschen aufwachen und aktiv werden. Was ist mit Dir/Euch? Ich freue mich auf Deine/Eure Ideen.

Gabriele Hofmann ist freiberufliche Projektmanagerin, Coach und Mediatorin.

(Gabriele Hofmann)