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| 19:06 Uhr

Kultur
Auf Zeitreise ins Planetarium

 Gerd und Sebastian Thiele laden herzlich ein …
Gerd und Sebastian Thiele laden herzlich ein … FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Ab Mittwoch läuft unter der Cottbuser Sternenkuppel die Jahresendshow unter dem Titel „Relativ viel Zeit“. Von Georg Zielonkowski

Für ihre 22. populärwissenschaftliche Show haben Gerd und Sebastian Thiele diesen Titel gewählt. Wohl wissend, dass er von einer Doppeldeutigkeit getragen wird. Ist es doch das Ziel, nach einer halbjährigen Vorbereitung möglichst vielen Gästen die für die Veranstalter wichtigste Show des Jahres nahezubringen – in einer Jahreszeit, in man tatsächlich „Relativ viel Zeit“ hat.

Aufgrund seit vielen Jahren nutzbarer digitaler Möglichkeiten können die Veranstalter in visueller Vielfalt auch in diesem Jahr dem übergreifenden Motto „Interessantes, Erstaunliches und Kurioses vor der Haustür“ dienen. Denn mit dem Thema Zeit eng verbunden sind freilich Uhren in jeglicher Bauart und Form. Dies nutzte Thiele Junior zu einem Besuch beim Cottbuser Uhrmachermeister Weschke, um von ihm ausführliche Informationen zur Entwicklung der Zeitzählwerke, beginnend bei den Sonnen- und Kerzenuhren bis hin zu heutigen hochmodernen Quarzuhren, zu bekommen. Während einer praktischen Vorführung am Metronom dürfen anschließend während der Show die Gäste schätzen, welches die „echte“ Länge einer Sekunde ist. Leicht von der Echtzeit abweichende Takte stehen dabei zur Auswahl. Erstaunlich war bei der Generalprobe der Show, wie wenige Menschen mit der richtigen Antwort aufwarten konnten. „Es mag an der Hektik unserer heutigen Zeit liegen, dass man den Sekundentakt gar nicht mehr zu bewerten vermag“, nimmt Gerd Thiele die „Falsch-Schätzer“ in Schutz.

Interessant auch die Ausführungen des Cottbuser Bahnradsportlers Eric Engler, den Sebastian Thiele auf der Cottbuser Radrennbahn besuchte. Der mehrfache Deutsche Zeitfahrmeister, dessen Leistungen im Bereich von Hundertstel-Sekunden verglichen werden, erzählte, dass er in Training und Wettkampf schon ein Gespür dafür hat, ob die gefahrene Zeit optimal war: „Wenn man mit mehreren Fahrern auf der Bahn ist, erkennt man ja sofort, wer schneller ist. Beim Solo schaut man immer ganz gespannt auf die Zeitnahme, die aber zumeist den eigenen Eindruck bestätigt.“

Mag sein, dass die Fülle der Entfernungsangaben, die während der Vorführung zum Thema Sonnensystem und Galaxien fallen, geradezu erdrückend sind, wenn beispielsweise von Millionen und Milliarden von Licht(!)-Jahren gesprochen wird. Weil es sich der Mensch einfach nicht vorstellen kann, zumal solche Angaben im Alltag bestenfalls bei Astronomen und Forschern eine Rolle spielen. Unglaubliches Kopfschütteln deshalb unter den Vor-Premieren-Gästen, als diese erfuhren, dass das Licht der Orion-Schultersterns 640 Jahre benötigt, bis es auf der Erde sichtbar ist.

Viel anschaulicher da schon der Vergleich, den Sebastian Thiele vor dem Planetarium im Rahmen einer Dokumentation filmisch darstellte. Stellte der doch den Vergleich der Größenordnungen Million und Milliarde bildlich dar. Ein Koffer war (fiktiv) mit 200-Euro-Geldscheinen gefüllt, die den Wert von genau einer Million ergaben. Weitere 999 Koffer würden demnach Platz für eine Milliarde Euro hergeben. Der dafür nötige riesige Haufen, dargestellt in einer nachvollziehbaren Animation, stellte die beinahe unglaubliche Dimension dieser Umrechnung dar.

Man darf getrost von einem allseits erstaunlich und mit vielen Überraschungen daherkommenden Vortrag ausgehen, der die Besucher des Planetariums erwartet. Wohl sind einige Veranstaltungen schon ausverkauft, doch zu den anderen Terminen laden die Veranstalter herzlich ein. Zumal die davon überzeugt sind, dass die Menschen „Relativ viel Zeit“ rund um die Festtage haben …