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| 12:49 Uhr

Cottbus
Stimmungsmache in Branitz

Der neue Eigentümer der alten Gärtnerei an der Forster Straße hat Plakate aufgehängt und seiner Meinung Luft gemacht. Demnach verhindert die Stadt eine Entwicklung. Auf dem Gelände sollen Eigenheime entstehen. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Gesamtensembles Branitzer Park.
Der neue Eigentümer der alten Gärtnerei an der Forster Straße hat Plakate aufgehängt und seiner Meinung Luft gemacht. Demnach verhindert die Stadt eine Entwicklung. Auf dem Gelände sollen Eigenheime entstehen. Kritiker des Vorhabens befürchten die Zerstörung des Gesamtensembles Branitzer Park. FOTO: LR / Daniel Steiger
Cottbus. Die angesprochenen Abgeordneten reagieren mit Empörung und Verständnis. Von Peggy Kompalla

Vor gut zwei Wochen sind die Bäume entlang der Forster Straße gefällt worden. Seither blicken die bis dato gut versteckten Gewächshausruinen der ehemaligen Gärtnerei direkt in Richtung Branitzer Park. Die neuen Grundstückseigentümer verstießen damit laut Stadt gegen Denkmalauflagen. Nun hängen dort Plakate. Darauf steht: „So soll es bleiben, sagt die Stadtverwaltung Cottbus. Was sagen die Abgeordneten? Was wollen die Cottbuser? Wir wollen Wohnraum für junge Familien. Wir wollen Spielplätze für unsere Kinder! Wir wollen Cottbus stärken!“ Die Fraktionen reagieren auf diese Provokation höchst unterschiedlich. 

Torsten Kaps, Chef der Bürgerfraktion AUB/SUB, sagt. „Hier wird mit unfairen Mitteln gearbeitet. Das ist keine sachliche Auseinandersetzung.“ Den Bürgern werde suggeriert, dass von der Stadt und der Politik ein tolles Vorhaben blockiert werde. Dabei sei dem Eigentümer bereits beim Kauf klar gewesen, welche Hürden mit dem Grundstück verbunden sind. Nun wolle der Privatinvestor seine Interessen durchbringen, indem er „moralischen Druck“ ausübe. „Ich bin guten Mutes, dass sich die Mehrheit der Abgeordneten dem nicht beugen wird.“ Zudem sei die Aussicht auf den Weltkulturerbestatus weitaus bedeutender als eine weitere Baufläche, zumal es genügend Bauland gebe.

Für CDU-Fraktionschef Hagen Strese ist es Zeit, dass Stadt und Investor eine Lösung finden. Ein möglicher Kompromiss ist aus seiner Sicht, die Bebauung entlang der Liebermannstraße. Sie wird bislang nur auf einer Seite von Eigenheimen geziert. „Im Gegenzug könnte der ganze Schmutz im hinteren Teil verschwinden. Die Straße selbst ist auch nicht im besten Zustand. So wäre allen geholfen.“ 

Die AfD-Fraktion ist noch im Findungsprozess, erklärt die Vorsitzende Marianne Spring-Räumschüssel. Sie erinnert an den Cottbuser Schuldenberg. „Wir haben für nichts Geld und träumen groß vom Weltkulturerbe“, sagt sie und fügt an: „Es sollte sachlich geprüft werden, ob es überhaupt realistisch ist, diesen Teil des Außenparks wiederherzustellen.“ Die Plakataktion hält sie nicht für anstößig. Im Gegenteil: „Jeder kämpft mit seinen Mitteln.“ Sie selbst stehe für eine pragmatische Lösung und werde deshalb den Kontakt zur Fraktion Unser Cottbus/FDP suchen.

Jürgen Maresch betont als Chef der Fraktion Unser Cottbus/FDP, dass die Abgeordneten von der Stadtverwaltung getäuscht werden. „Hier wird rechtswidrig gehandelt und zwar in einem Ausmaß, das unfassbar ist.“ Die finanziellen Auswirkungen dieses rechtswidrigen Handelns sei nicht absehbar. So betont Maresch auch, dass er die Stadt vor Schaden bewahren wolle. Demnach handele es sich bei dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei nicht um ein Denkmal. Schließlich könne nur historische Substanz unter diesen besonderen Schutz gestellt werden. „Historische Substanz bedeutet aber auch, dass etwas da ist und historisch ist. Gemeint sind also nicht die Gewächshäuser, Gebäude oder Anpflanzungen.“ Darüber hinaus habe Fürst Pücklers ornamental farm in diesem Bereich des Branitzer Außenparks nie bestanden.

Der Linke-Fraktionschef André Kaun ist von der Plakataktion in der Branitzer Siedlung empört. „Wenn sich Politik erpressen lässt, dann hat sie verloren.“ Genau dies versuche der Grundstückseigentümer. „Das ist eine Schweinerei, die ihresgleichen sucht.“ Der Eigentümer habe von Anfang an gewusst, dass es sich bei dem Grundstück nicht um Bauland handele und schiebe nun der Politik dafür die Schuld in die Schuhe. „Das geht nicht.“ Darüber hinaus sei genügend Bauland in der Stadt vorhanden.

Ähnlich argumentiert Grünen-Fraktionschefs Hans-Joachim Weißflog. „Dem Privatinvestor war von Anfang klar, dass die Verwaltung einer Bebauung nicht zustimmen wird.“ Für die Fraktion habe – genauso wie für die Stadt – das Weltkulturerbe Priorität. Dieser Status würde durch die Eigenheimsiedlung im Außenpark verbaut. „Wer die Stadt so unter Druck setzt, dem geht es vermutlich nicht um junge Familien, sonder um schnellen Gewinn.“

Auch für die SPD hat die Entwicklung hin zum Weltkulturerbe Vorrang. „Es ist eine Frechheit, so öffentlichen Druck zu erzeugen“, sagt Fraktionschefin Lena Kostrewa. Bauland gebe es ausreichend in Cottbus. „Der Eigentümer ist ja gerade sehr aktiv. Da könnte er ja endlich die alten Gewächshäuser abreißen.“

Branitzer Gärtnerei
Branitzer Gärtnerei FOTO: LR