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| 18:54 Uhr

Große Ehre für kleines Cottbuser Theater
Große Ehre für das Kleine

 Das Cottbuser Piccolo Theater erhält den Bundestheaterpreis.
Das Cottbuser Piccolo Theater erhält den Bundestheaterpreis. FOTO: Piccolo / Michael Helbig
Cottbus. Das Piccolo erhält den Theaterpreis des Bundes. Das Haus versteht dies als Würdigung seiner jahrelangen Arbeit. Eine wichtige Stütze war dabei eine Entscheidung der Stadt. Von Peggy Kompalla

Klein ist das Piccolo schon lange nicht mehr. Derzeit erforschen 180 Kinder und Jugendliche sich und ihre Welt in dem Theater. Es ist längst Brandenburgs größtes Kinder- und Jugendtheater. Seine Unabhängigkeit hat es sich immer wieder erstritten – sowohl in seiner Kunst, als auch in seinem Dasein.

Nun ist das „Kleine“ mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet worden. Das Haus versteht dies als Würdigung der Arbeit vieler Jahre.

Neuer Ort für das Piccolo-Theater in Cottbus

Quietsch-orange steht es mitten in der Stadt. Es ist unübersehbar und fügt sich doch ins Ensemble von Stadthaus und Stadtpromenade. Theaterchef und -gründer Reinhard Drogla sagt: „Es war damals ein ganz starkes Signal der Stadt, dass wir das Gebäude bekommen haben.“

2011 zog das Piccolo aus dem beengten „Töpferturm“ in der Klosterstraße in den Neubau – und wuchs mit dem Haus. „Es war der richtige Weg“, resümiert Drogla. Heute schwingt Sicherheit in der Stimme mit. Damals gab es Zweifel – auch im eigenen Haus. Denn am neuen Ort wurden Schauspiel, Tanz und Puppenbühne zusammengeworfen.

Heute sind die Übergänge fließend. „Es gibt keine Trennung der Sparten“, sagt Drogla. „Bei uns ist eine Kinderspielgruppe genauso wichtig, wie eine Schauspielaufführung. Das setzt voraus, dass das auch alle leben. Da muss man natürlich auch Eitelkeiten aufgeben.“

Cottbuser Piccolo-Theater rief AfD auf den Plan

Das Foyer des Piccolo ist hoch und offen und hell und einladend. Zwei Teenagerinnen lümmeln auf den roten Ledersofas. Springen wenig später in die nächste Ecke, flätzen über die Lehnen, lassen die Beine baumeln. Dabei daddeln sie auf ihren Handys.

Sie benehmen und bewegen sich so, als ob dies ihr Haus ist. Und das ist es auch. Der Blick ist frei nach draußen und umgekehrt. Das ist ausschlaggebend für Theaterpädagogin Maria Schneider. „Das, was gesellschaftlich und politisch passiert – die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen – die müssen wir reinlassen.“

Das gelingt dem Theaterteam immer wieder aufs Neue. Das haben sie etwa mit der preisgekrönten Inszenierung von „KRG“ bewiesen, die das Thema Flucht und Krieg thematisierte und damit vor den Gefahren des Faschismus warnt. Das rief die Brandenburger AfD auf den Plan, die die Finanzierung und politische Themensetzung des Theaters offen hinterfragte.

Wohlgemerkt: Dabei handelt es sich um ein Stück des Jugendklubs. Die Jury des Bundestheaterpreises führt dies in ihrer Begründung an. Dort heißt es mit Überzeugung: „Wer die Geschichte des Piccolo Theaters kennt, weiß ... in Anbetracht der politischen Lage werden noch weitere Stücke folgen: für ein demokratisches, offenes und buntes Cottbus, für die Freiheit der Kunst: denn dafür steht das Piccolo Theater und dafür zeichnet die Jury das Team aus.“

Jugendliche entwickeln im Cottbuser Piccolo-Theater die Stücke

Jugendklubleiter Matthias Heine versichert, dass die jungen Menschen ihre Themen selbst mitbringen. Sie entwickeln ein Stück gemeinsam über ein Jahr. Dabei erlebt er die Begeisterungsfähigkeit, Mut und Kraft seiner jungen Schauspieler.

Für Theaterpädagogin Maria Schneider sind die Kinder und Jugendlichen noch ganz roh – im Sinne von ungeschliffen. Theaterchef Drogla ergänzt: „Das ist eine unglaubliche Qualität, von der wir profitieren.“

Dabei zeigt er auf sich und meint die Erwachsenen, die Alten, die Geschliffenen, Eingeschliffenen. „Je mehr wir die Kinder und Jugendlichen als Persönlichkeiten akzeptieren, um so besser geht es einer Gesellschaft.“ Um nicht weniger geht es im Kleinen.

Der Piccolo Jugendklub bringt am Samstag sein neues Stück zur Premiere. „Boys don’t cry“ – Jungs heulen nicht. Darin geht es um Rollenbilder und Sexualität, die damit verbundenen Erwartungen und die Unterschiede zwischen Online und Offline. 19 Uhr geht es los.

 Das Cottbuser Piccolo Theater erhält den Bundestheaterpreis.
Das Cottbuser Piccolo Theater erhält den Bundestheaterpreis. FOTO: Piccolo / Michael Helbig