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| 19:34 Uhr

Theater
Was im Körper steckt

 Die Piccolo Jugend-Tanz-Company bringt mit ihrem Tanz das sehr komplexe Thema  „Verhältnis zum eigenen Körper“  auf die Bühne.
Die Piccolo Jugend-Tanz-Company bringt mit ihrem Tanz das sehr komplexe Thema „Verhältnis zum eigenen Körper“ auf die Bühne. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Bejubelte Premiere des Tanztheaterstücks „Unter der Dusche war ich das Wasser“. Von Ingrid Hoberg

Die „Ode an die Freude“, Ludwig van Beethovens kraftvolle Musik aus der 9. Sinfonie ist verklungen – da brandet der Beifall auf, trampelt das Publikum im ausverkauften Haus vor Begeisterung. „Unter der Dusche war ich das Wasser“, das Stück von und mit der Piccolo Jugend-Tanz-Company in der Choreografie von Zaida Ballesteros Parejo setzt sich mit der Körperwahrnehmung junger Menschen auseinander. Es ist das dritte Projekt der Choreografin am Piccolo-Theater mit den 15 bis 18 Jahre alten Tänzerinnen und Tänzern. Manche haben schon als Fünf- oder Sechsjährige in der Tanzgruppe begonnen und sind dabei geblieben. „Zaida verlangt viel“, wissen auch Lennard Gantzer und Dennis Selka.

Die beiden 18-Jährigen haben diesmal im Publikum gesessen und sind begeistert von der Leistung der Tanz-Company.  Sie kennen die Arbeit der Choreografin als Akteure des Piccolo-Jugendclubs.  Sie studiert die Tanzszenen ein, wenn es das Stück erfordert.

„Unglaublich, was die Company geleistet hat“, sagt Lennard. „Eine starke Performance. Es ist extrem hart, die 70 Minuten durchzustehen“, ergänzt Dennis. Beeindruckt hat die beiden auch Thema und Aussage des Stückes: die Körperwahrnehmung, das Annehmen des eigenen Körpers mit all seinen Besonderheiten und vielleicht auch Mängeln. Das ist in Zeiten von geschönten Bildern in allen Medien nicht selbstverständlich. „Und das Singen unter der Dusche – privater geht’s nicht!“, betont Lennard.

„Nach den beiden vorhergegangen Projekten mit schwereren Themen wollte ich ein leichteres Stück erarbeiten“, sagt Zaida Ballesteros Parejo.  Bei der ersten Probe habe sie Fragebögen an die Jugendlichen ausgeteilt. Sie sollten ihr Verhältnis zum eigenen Körper erklären, was jedem an sich gefällt, was nicht. „Der Körper ist der Raum, den wir bewohnen – und der besteht bis zu 80 Prozent aus Wasser“, erklärt sie ihren Beweggrund, Texte über das Wasser zu entwickeln und die Dusche als privaten (Bühnen-)Raum zu wählen. Die Texte haben die jungen Tänzerinnen und Tänzer überwiegend selbst geschrieben und auf beeindruckende Weise szenisch umgesetzt – mit weiteren Talenten, die sie pflegen. Sie spielen, singen, rezitieren und musizieren – beispielsweise auf einer Piano-Tastatur mit lebendem Hocker und Spieltisch. Drei Tänzer bewegen sich durch den Raum und wechseln sich an der Klaviatur ab. Dafür gibt es Szenenapplaus.

„Mir hat das Stück gut gefallen. Die Leistung der jungen Leute ist einfach erstaunlich“, sagt Sabine Noack (58) und bleibt wie mancher nach der Vorstellung noch im Foyer zum Plaudern mit anderen Besuchern. So wie Peggy Bubner und Nina Berger, die auf dem roten Sofa Platz genommen haben. „Es war abwechslungsreich. Ich habe mich nicht gelangweilt!“, sagt Peggy Bubner (40). Ihre beiden 13-Jährigen, mit denen die Mütter ins Theater gekommen sind, finden das Stück wohl nicht so cool. Sie diskutieren nicht mit, sind lieber nach draußen gegangen. Das Tanztheaterstück ist für 12+ empfohlen – das ist für das Verständnis des Stoffes als untere Altersgrenze beachtenswert.

Für die 15 Akteure auf der Bühne und ihre Choreografin gab es bei der Premierenfeier viele Glückwünsche und Mut machende Worte für dieses Projekt, das mit Schweiß und Kreativität erarbeitet worden ist.