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| 17:46 Uhr

Pfusch am Bau
Das lange Warten auf Gerechtigkeit

Bernd und Barbara Franz trauen sich kaum noch, ihr Grundstück für längere Zeit zu verlassen.
Bernd und Barbara Franz trauen sich kaum noch, ihr Grundstück für längere Zeit zu verlassen. FOTO: Hilscher Andrea / LR
Drehnow. Bernd Franz (70) aus Drehnow muss sein Grundstück seit zehn Jahren vor Überschwemmungen schützen. Von Andrea Hilscher

Es lebt sich nicht schlecht in Drehnow. Ruhig ist es dort, überschaubar, die Einwohner kennen sich seit Jahrzehnten. In den 1990-er Jahren zog auch Bernd Franz (heute 70) in die beschauliche Ortschaft, baute gemeinsam mit Freunden ein solides Einfamilienhaus. Vor zehn Jahren aber wurde die Straße vor seinem Grundstück erneuert. Und für Bernd Franz und seine Frau Barbara begann das Elend.

Über Jahre hinweg wurde ihr Keller bei jedem Starkregen und jedem heftigen Gewitterguss überflutet. Mit Schutzwällen, Sandsäcken und neuen Mauern versucht der frühere Ingenieur, sein Haus vor der Nässe zu schützen. Ein mühsames Unterfangen. Viel anstrengender scheint es jedoch zu sein, herauszufinden, wer eigentlich Schuld an der Misere ist.

Dicke Stapel von Unterlagen hat Bernd Franz in den vergangenen zehn Jahren gesammelt. Gutachten, Schreiben seines Anwaltes, Stellungnahmen von Behörden, Ausschüssen und Politikern. Immer wieder hat der Drehnower seiner Wut Luft gemacht, oft durch heftige verbale Angriffe gegen Vertreter von Parteien und Institutionen. Sogar den Petitionsausschuss des Landes hat Bernd Franz angeschrieben, alles ohne Erfolg.

„Es ist ein schier endloser Kampf, an dem man manchmal verzweifeln kann“, sagt Barbara Franz. Schon früh haben sie und ihr Mann sich entschlossen, auf juristischem Weg ihr Problem zu klären und möglichst einen Schadensersatz erstreiten zu können. „Aber das ist  schwieriger als erwartet.“

Klar ist nur: Seit die Straße vor ihrem Haus grunderneuert wurde und das Straßenniveau leicht abgesenkt wurde, liegt der tiefste Punkt der Straße direkt vor dem Grundstück der Familie.  Dadurch lief das Wasser bei jedem Starkregen ungehindert in Garage und Keller. Zwar ließ das Amt die Straße zwischenzeitlich um sieben Zentimeter anheben, das Grundproblem aber blieb: bis zu 50 Zentimeter hoch stand das Wasser zeitweise in den Kellerräumen der Familie. „Bevor wir aber klagen konnten, musste erst einmal festgestellt werden, wer eigentlich den Auftrag zur Straßenerneuerung erteilt hatte – das Amt oder die Gemeinde.“ Als das Amt schließlich als Auftraggeber identifiziert war, reichte Bernd Franz Klage ein. Und wartete acht Jahre auf ein Urteil.

„Darin hat uns der Richter allerdings nur bescheinigt, dass wir den Falschen verklagt haben“, sagt Bernd Franz. Sein Rechtsanwalt Heinz Weiß bestätigte damals gegenüber der RUNDSCHAU: Gutachter hätten zwar Planungsfehler beim Bau der Straße festgestellt, die Ursache für die Überschwemmungen sein könnten. Diese Planungsfehler aber seien nicht dem Amt anzulasten. Peitz hatte mit der Planung für die neue Straße in Drehnow ein Büro beauftragt, auf dessen Arbeit es sich – juristisch gesehen – habe verlassen können.

„Ein Versuch, sich außergerichtlich mit dem Planungsbüro zu einigen, ist gescheitert. Also mussten wir wieder Klage einreichen“, erinnert sich Bernd Franz. „Uns sind durch die vielen Überschwemmungen hohe Kosten entstanden“, rechnet der Hausbesitzer vor. Das Auto seiner Frau sei mehrmals in Mitleidenschaft gezogen worden, er habe neue Türen und Werkzeug kaufen müssen, auch das Abpumpen des Wassers habe Geld gekostet..

Inzwischen belaufen sich die Kosten auf rund 25 000 Euro. Ob er dieses Geld jemals zurückbekommt, ist völlig offen. Denn seit der Einreichung der Klage vor zwei Jahren herrscht wieder einmal Funkstille. Wann es zu einer Verhandlung kommt, kann Bernd Franz nur vermuten. Bis es soweit ist, muss er seine Sandsäcke parat halten und stets die Wettervorhersage im Auge behalten. „Wenn Starkregen angesagt ist, muss ich die Säcke vor meine Einfahrt schleppen.“

„Die halten das meiste Wasser ab“, sagt seine Frau Barbara Franz. „Trotzdem bleibt die Unsicherheit. Wir trauen uns kaum noch, längere Zeit wegzufahren.“ Denn oft ändert sich das Wetter überraschend. Und ohne Schutzwall heißt es schnell wieder: Land unter im Keller von Familie Franz.

Nur mit kleinen Dämmen kann Bernd Franz sein Grundstück vor dem Wasser schützen, dass sich vor seiner Einfahrt sammelt.
Nur mit kleinen Dämmen kann Bernd Franz sein Grundstück vor dem Wasser schützen, dass sich vor seiner Einfahrt sammelt. FOTO: Hilscher Andrea / LR