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Pflanzung historischen Weins schließt Pyramiden-Sanierung ab

Atemberaubend: Blick von der Spitze der Seepyramide.
Atemberaubend: Blick von der Spitze der Seepyramide. FOTO: Elsner
Cottbus. 20 Jahre nach der Eröffnung der Bundesgartenschau bestätigt Cottbus seinen Ruf als Gartenstadt. Pücklers Pyramide reckt sich so schön wie seit 100 Jahren nicht mehr in den Himmel über Branitz. Ein Drittel von insgesamt 1800 genetisch identischen Nachkommen der historischen Bepflanzung aus Wildem Wein und Uferreben ist im Boden. Nächste Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Ulrike Elsner

Das Cottbuser Wahrzeichen verlangt Landschaftsbauern und Gärtnern alles ab. 70 Kubikmeter Füllboden und 80 Kubikmeter Mutterboden mussten per Lastkahn zu Pücklers Begräbnisstätte gebracht werden, um der Pyramide die historische Kontur wiederzugeben, berichtet Sven Thierfelder, Niederlassungsleiter der alpina ag in Cottbus. Das entspricht jeweils fünf bis sechs Sattel-Lkw-Ladungen. Mithilfe von Seilen über Holzbohlen, wie bei den alten Ägyptern also, wurde der 250 Kilogramm schwere Schlussstein zur Spitze gebracht. Auch das Pflanzen auf den um 40 Grad geneigten Seitenflächen ist ein Knochenjob. "Es ist eine absolute Herausforderung und gleichzeitig eine Aufgabe, die man im Berufsleben nur einmal bekommt", schwärmt Sven Thierfelder von dem Auftrag.

Neben den schärferen Konturen hat der Erdkörper auch an Höhe gewonnen. Die liegt jetzt bei 13,20 Metern. Exakt beträgt der Zuwachs gegenüber der Messung vom Juni letzten Jahres 70 Zentimeter. Im Gegensatz zu den klaren Seitenkanten zeigen die Flächen jedoch eine gewisse Rauigkeit. "Wir wollten keine Kopie schaffen, sondern möglichst viel vom Original erhalten", erklärt Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann.

So sehen es die Gärtner auch mit Freude, dass die zur Pücklerzeit gepflanzten Weinstöcke neu austreiben. Doch der erwünschte dichte Bewuchs mit der beliebten Herbstfärbung wird nur durch die Vielzahl der aus Originalstecklingen in der Hoyerswerdaer Baumschule Kmetsch gezogenen neuen Pflanzen möglich. Gepflanzt werden neben gewöhnlicher Jungfernrebe, die nach den Worten von Claudius Wecke für "das typische Branitzer Farbfeuer" sorgt, Duft-Weinrebe und Uferrebe.

Möglich gemacht hat die Sanierung der Seepyramide und ihres Umfeldes das grenzüberschreitende EU-Förderprogramm Interreg IVa. Das 1,7-Millionen-Euro-Projekt sei zu 84 Prozent gefördert worden, erklärt Mandy Hackel von der Stadtverwaltung. Allein für die Sanierung der Seepyramide standen insgesamt 400 000 Euro zur Verfügung.

Nicht nur bei der Parkpflege setzen die Verantwortlichen der Pückler-Stiftung ganz auf das historische Original. Sie verstehen sich genauso wie der Grüne Fürst aufs Inszenieren. Claudius Wecke: "Zur Spielplanpräsentation des Staatstheaters am 30. August wird die restaurierte Pyramide festlich enthüllt."