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44. Cottbuser Musikherbst
Pfälzer Blech erfüllt die Lutherkirche und begeistert

BRASSerie brachten frischen Wind in die Lutherkirche.
BRASSerie brachten frischen Wind in die Lutherkirche. FOTO: Jannis Ufer/jur1
Cottbus. Edith Piaf oder Simon and Garfunkel von einem Blechbläserquintett? Was bei manch einem Musikfreund für Stirnrunzeln sorgt, entpuppte sich am Sonntag bei der Eröffnung des 44. Cottbuser Musikherbstes in der Lutherkirche als erfrischendes Erlebnis. jur1

Martin Luther ist derzeit in aller Munde, jährt sich doch sein Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal - womit er eine Kirchenrevolution startete. Deshalb war es naheliegend, dass der Musikherbst in diesem Jahr in der Lutherkirche die Konzertreihe eröffnet. Dabei gab es, Martin Luther zur Ehre, Musik für Bläser, vorgetragen vom Blechbläserquintett BRASSerie. Das Ensemble mit Manuel Viehmann, Björn Bein (beide Trompete), Matthias Berkel (Horn), Konstantin Päßler (Posaune) und Karl Berkel (Tuba), wurde im Jahr 1999 in der Pfalz gegründet und feiert damit in diesem Jahr seine "künstlerische Volljährigkeit". Die fünf Musiker sind in ganz Deutschland unterwegs.

In Cottbus begeisterte BRASSerie das Publikum mit viel Witz, Charme und einem bunten Programm für Jedermann. Die Künstler brachten dazu unter anderem gekonnte Eigenbearbeitungen von bekannten Musikstücken unterschiedlichster Epochen und Genres auf die Bühne. Zu ihrem musikalischen Fundus zählen beliebte Stücke des klassischen Repertoires wie Johann Sebastian Bachs "Air" aus der 3. Orchestersuite, Nikolai Rimski-Korsakoffs "Hummelflug", Irving Berlins Jazzstandard "Putting on the Ritz", Edith Piafs berühmter Chanson-Klassiker "Non, je ne regrette rien" und "Bridge over troubled Water" der Folk-Rock-Legenden Simon and Garfunkel. Beim Cottbuser Musikherbst durften Werke Lausitzer Komponisten nicht fehlen. Hans Hüttens schwungvolles "Granulat", Jan Cyzs humorvoller S(ch)wing-Schleifer sowie die vielseitige Jazz-Suite "Play" von Frank Petzold, die an diesem Abend Premiere feierte, sorgten dabei für die perfekte musikalische Ergänzung. Mit "Studie Fantastique" von Karl Berkel, der als Solo-Tubist am Cottbuser Staatstheater aktiv ist, erklang außerdem zum ersten Mal eine sehr hörenswerte Eigenkomposition eines Mitglieds der BRASSerie.

Egal welches musikalische Gewand gerade übergestreift wurde - die Musiker überzeugten nicht nur musikalisch, sondern erwiesen sich als gewitzte Unterhalter, die aus den Zuhörern kurzerhand einen Chor machten oder zu Sounddesignern, um das Rascheln mit Bonbon-Papier oder das Knacken einer Schallplatte zu simulieren. Das war ein Konzertabend, wie er nur selten zu erleben ist.