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| 08:35 Uhr

Naturspektakel am Himmel
100 Wünsche in der Stunde: Perseiden erleuchten den Himmel über der Lausitz

FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Cottbus. Am Wochenende erwartet die Cottbuser ein Sternschnuppenregen. Von Daniel Schauff

Man sagt, mit jeder Sternschnuppe, die man erblickt, habe man einen Wunsch frei. „Nur für die Erfüllung des Wunsches muss man selbst sorgen“, sagt Gerd Thiele, Leiter des Cottbuser Planetariums, „denn die Sternschnuppe ist ja verglüht.“

Auf bis zu 100 von ihnen pro Stunde dürfen sich In-den-Himmel-Schauer in der Nacht zu Montag freuen. Perseiden heißen die unzähligen leuchtenden Streifen am Nachhimmel. „Astronomen nennen sie so, weil sie aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen“, erklärt Thiele. In Wirklichkeit aber entstehe das Leuchten in unserer Atmosphäre. „Die Erde durchquert in diesen Tagen die Bahn des Komenten Swift Turtle“, sagt der Experte. „Seit langer Zeit sammelt dieser Komet kleine Materieteilchen in den sonnenfernen Gegenden des Planetensystems ein und verteilt diese in seiner Bahn“, so Thiele weiter. Kreuze die Erde diese Bahn, dann drängen diese kleinen Teilchen in die Atmosphäre ein und brächten durch ihre hohe Geschwindigkeit die Luft zum glühen. Das Ergebnis: ein Feuerwerk am Himmel – so zumindest nennt die US-Raumfahrtorganisation Nasa den Sternschnuppenregen, der bereits jetzt zu sehen ist und sich bis zum Wochenende noch verstärkt.

Von einem Teleskop oder einem Fernglas rät Gerd Thiele ab. „Dann fällt die Sternschnuppe nämlich wahrscheinlich dort, wo man gerade nicht hinschaut.“ Sein Tipp: Nicht versuchen, den ganzen Himmel im Auge zu behalten, sondern sich ein Stück vom Himmel aussuchen und im Auge behalten. „Die Chance, nach spätestens zehn Minuten eine Sternschnuppe zu sehen, ist ziemlich hoch“, sagt Gerd Thiele.

Im Volksmund heißen die Perseiden auch „Tränen des Laurentius“. Der Märtyrer starb, weil er den Armen den Schatz der Kirche gab.
Im Volksmund heißen die Perseiden auch „Tränen des Laurentius“. Der Märtyrer starb, weil er den Armen den Schatz der Kirche gab. FOTO: ZVG

Einen Ort in und um Cottbus, an dem der Sternschnuppenregen besonders gut zu sehen ist, gibt es dem Planetariumsleiter zufolge nicht – nicht allzu viel künstliches Licht sollte die Nacht erhellen, es reiche aber schon der Balkon in den oberen Stockwerken einer Wohnscheibe, um besten Blick auf das Schauspiel am Himmel zu haben. Wenn möglich, rät Thiele weiter, solle man nicht unbedingt in Richtung Norden blicken. Dann nämlich kämen die Sternschnuppen genau auf den Betrachter zu, die Sternenschweife würden damit weniger gut sichtbar.

Ziemlich verlässlich einmal im Jahr im August sorgen die so genannten Tränen des Laurentius für das Spektakel am Himmel. Seinen Namen hat das Schauspiel von dem Diakon Laurentius. Dem hatte Papst Sixtus II. kurz vor dessen Ermordung durch den römischen Kaiser Valerian im Jahr 258 den Schatz der Kirche anvertraut. Valerian verlangte den Schatz, Laurentius aber verteilte ihn an die Armen und führte die Beschenken zum Palast. Sie seien der wahre Schatz des Reiches, rief er dem Kaiser zu. Valerian ließ den gutmütigen Diakon daraufhin hinrichten. Auf Grundlage dieser grausamen Geschichte werden die Perseiden im Volksmund als die Tränen des hingerichteten Wohltäters bezeichnet, zumal das Naturschauspiel jährlich um den Gedenktag des Heiligen vonstatten geht.