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Selbsthilfe
Per App zur Selbsthilfe

Zusammen mit dem App-Entwickler Uwe Große-Wortmann präsentierten gestern Vertreter Lausitzer Selbsthilfekontaktstellen die erste Selbsthilfe-App für die Region. Mit dabei waren unter anderem Andrea Forberg (Selbsthilfekontaktstelle Forst, Guben, Spremberg, l.) und Angelika Koal (Selbsthilfekontaktstelle REKIS Cottbus, r.).
Zusammen mit dem App-Entwickler Uwe Große-Wortmann präsentierten gestern Vertreter Lausitzer Selbsthilfekontaktstellen die erste Selbsthilfe-App für die Region. Mit dabei waren unter anderem Andrea Forberg (Selbsthilfekontaktstelle Forst, Guben, Spremberg, l.) und Angelika Koal (Selbsthilfekontaktstelle REKIS Cottbus, r.). FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Eine neue mobile Anwendung für Smartphone und Tablet soll den Kontakt zu Lausitzer Selbsthilfegruppen erleichtern. Von Stephan Meyer

Selbsthilfe ist mehr als nur gemeinsames Kaffeetrinken. Davon muss Angelika Koal von der Selbsthilfekontaktstelle Cottbus viele Unbeteiligte oft erst einmal überzeugen. Die klischeehafte Darstellung aus Filmen stimme keinesfalls: „Wir sitzen nicht nur im Kreis. Und in unseren Gruppen ist auch keiner gezwungen, seine Geschichte zu erzählen.“ Um die Vielfalt von Selbsthilfeangeboten aufzuzeigen und einen einfachen Zugang zu diesen zu ermöglichen,wurde nun eine App entwickelt, die am Mittwochnachmittag im Carl-Thiem-Klinikum vorgestellt wurde.

Die Themenbereiche der über 130 Lausitzer Selbsthilfegruppen sind dabei sehr vielfältig. Das Angebot reicht von ADS bis Zöliakie (eine Glutenunverträglichkeit). Neben dem Erfahrungsaustausch gäbe es auch ein aktives Gruppenleben. Durch die mobile Anwendung für Smartphone und Tablet erhofft sich Angelika Koal, auch jüngere Menschen zu erreichen. Viele Gruppen würden beklagen, dass sie überaltern.

Dass so eine App Erfolg haben kann, hat bereits Potsdam vorgemacht. Seit der vergangenen Sommer gibt es dort eine vergleichbare Anwendung. Dort sei die App inzwischen mit Leben gefüllt, wie Entwickler Uwe Große-Wortmann erzählt. Denn genau darauf käme es an. Sein Unternehmen Media Foundation war sowohl für die Programmierung der Potsdamer, als auch der Lausitzer App zuständig. Gefördert wurde das Projekt von der Techniker Krankenkasse.

Die Nutzeroberfläche der Software kommt mit lediglich fünf Buttons aus. Neben einem leichten Zugang zu den Homepages der Kontaktstellen gibt es eine Navigationsfunktion zu den jeweiligen Gruppen. Auch ein Zugang zu Gruppen außerhalb der Lausitz ist möglich. Bis jetzt gibt es jedoch nur eine Vernetzung nach Potsdam. Das langfristige Ziel sei laut Große-Wortmann, vergleichbare Apps bundesweit anzubieten. In Arbeit sind bereits Anwendungen für die Regionen Frankfurt (Oder), Prignitz und Potsdam-Mittelmark.

„Die App ist nicht starr“, darauf legt der Entwickler besonderen Wert. Diese lebe von den Ideen der Nutzer. Dafür gibt es die Video- und Audio-Buttons. Die Selbsthilfegruppen können besondere Momente als Video- oder Tonaufnahme festhalten und in der App veröffentlichen lassen. Die Audiodateien können darüber hinaus an Help FM, einem Selbsthilfe-Radioprogramm, geschickt werden, das jeden Donnerstag zwischen 18 und 20 Uhr online empfangen werden kann.

Auch wenn langfristig über die App vor allem jüngere Menschen angesprochen werden sollen, sei die App für jeden da. Doch einige anwesende Mitglieder von Selbsthilfegruppen äußerten Zweifel, ob genügend ältere Gruppenangehörige überhaupt mit dem Tablet oder Smartphone ausreichend umgehen könnten. Eine ähnliche Situation habe es in Potsdam auch gegeben, wusste Große-Wortmann zu berichten. Die hätten einfach ein Projekt daraus gemacht. Ähnliche Bestrebungen gibt auch schon in Cottbus. Vom Frauenzentrum kam die Idee, Mitglieder von Selbsthilfegruppen an mobilen Endgeräten so fit zu machen, dass sie wiederum andere Mitglieder ausbilden können. Ein solche Weiterbildung wird es voraussichtlich schon im März geben.