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Peitzer Schule war zu Kriegsende Hauptverbandsplatz

Peitz. Der dritte und letzte Vortrag der diesjährigen Vortragsreihe des Historischen Vereins zu Peitz beschäftigte sich mit dem Kriegsende an der Lausitzer Neiße und im Amt Peitz. Der Vorsitzende des Vereins Christoph Malcherowitz und weitere Mitglieder haben im Vorfeld 68 Zeitzeugen befragt, tausende Kriegsgräberkarteikarten ausgewertet, Bodendenkmale an der Neiße und im Amt Peitz aufgespürt und dokumentiert sowie hunderte Stunden in Archiven zugebracht. Marion Hirche/jul1

Ergebnis war ein fundierter zweistündiger Vortrag mit großer Materialfülle. Knapp 100 Zuhörer erlebten den Abend am Wochenende im Zbaszynek-Saal der Peitzer Amtsbibliothek.

Christoph Malcherowitz ordnete zum Auftakt die Ereignisse ab Februar 1945 im Amt Peitz in die Regionalgeschichte ein. Genaue Informationen über Frontverläufe überzeugten auch Gerhard Gunia aus Guben. Der Mann vom Gubener Heimatkalenderverein lobte: "Diese Genauigkeit, diese Fülle an Dokumenten und die vielen Zahlen, das ist schon beeindruckend."

Im zweiten Teil ging es um die Ereignisse in und um Peitz. Der Referent wusste von zahlreichen Hinrichtungen Fahnenflüchtiger, die in den Peitzer Amtsgemeinden stattgefunden haben, zu berichten, unter anderem in Jänsch walde, Drehnow und Peitz. Dabei hätten Ottendorfer die Toten mit Blumen geehrt.

Geschildert wurden zudem die Verteidigungsmaßnahmen der Deutschen: Panzersperren in Drachhausen, Minenfelder unter anderem in Grabko, Bärenklau und auch auf dem Sommerfahrweg entlang der Alten Bahnhofstraße in Peitz. Genau beschrieben wurden die Vorkehrungen für den Widerstand gegen die vorrückende sowjetische Armee in Peitz. Es wurden Schützengräben angelegt, unter anderem 300 Meter am Festungsgraben. Es gab Gefechtsstände, so in der Gaststätte Lehmann. In der Gaube des Festungsturmes sammelten Luftbeobachter Informationen. Der Volkssturm wurde mobilisiert. "Auch der damalige Bürgermeister wurde zum Volkssturm geholt und fiel", erzählte Malcherowitz. "Hitlerjungen" kümmerten sich um die Feldbäckerei und sorgten dafür, dass weiße Tücher, die ein älterer Peitzer immer wieder am Festungsturm aufhängen wollte, wieder herunter geholt wurden.

Die Peitzer Schule war ein Hauptverbandsplatz. Hier wurden im Stundentakt Operationen durchgeführt, es gab einen Raum für abgetrennte Extremitäten.

Außerdem erfuhren die Zuhörer von Selbstmorden und Flucht, sowie davon, dass sowjetische Soldaten bei ihrem Einmarsch in Peitz auf dem Weg neben der Alten Bahnhofstraße durch Minen starben und dass Peitzer Zivilisten, weil sie von Militärfahrzeugen mitgenommen wurden, zu hunderten im Kessel von Halbe umkamen.

Joachim Schmidt gehörte zu den Zeitzeugen, bei denen sich Christoph Malcherowitz bedankte: " Es ist beeindruckend, wieviel Material zusammengetragen wurde". Und Susanne Liebsch meinte: "Ich habe von meinen Großeltern so viel über diese Zeit gehört, deshalb wollte ich es noch genauer wissen. Ich habe heute Abend viel gelernt".