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Peitzer Betonwerk fit für die Zukunft

Martin und Bernd Lehmann (v.l.) studieren einen Bewehrungsplan für eine Baustelle in Cottbus-Schmellwitz.
Martin und Bernd Lehmann (v.l.) studieren einen Bewehrungsplan für eine Baustelle in Cottbus-Schmellwitz. FOTO: hil
Peitz. Vor mehr als 50 Jahren gegründet, hat sich das Peitzer Betonwerk immer wieder neu erfunden, um am Markt bestehen zu können. Jetzt wollen die Geschäftsführer Bernd und Martin Lehmann ihre Produktpalette erweitern. Andrea Hilscher

"Bis vor Kurzem sah es hier noch so aus wie zu DDR-Zeiten", erzählt Bernd Lehmann (52) schmunzelnd. "Hinter alten Möbeln haben wir sogar noch die original Raufasertapete gefunden." Jetzt sind die Büroräume an der Ziegelstraße frisch renoviert. Und auch die Produktpalette wird modernisiert: Lehmanns Schwiegersohn Martin Lehmann, seit einem Jahr ebenfalls Geschäftsführer des Betonwerkes, sucht nach neuen Märkten. "Wir wollen auch in den witterungsbedingten Pausen im Winter produzieren können, bauen uns daher einen neuen Zweig im Metallbaubereich auf." Sein Schwager hat gerade seinen entsprechenden Meister abgelegt, außerdem ergeben sich in der täglichen Arbeit immer wieder Berührungspunkte mit dem Metallbau.

Zusätzlich arbeiten die Lehmanns an einer Erweiterung ihrer Produktpalette. "Wir wollen ,feinere' Fertigteile anbieten", erklärt Martin Lehmann. Ab dem Sommer soll es maßgenaue Bänke und Tische geben, letztere mit Metallfuß. In Potsdam sind einige Teile für die Altbausanierung in Erprobung. "Mit unseren wenigen Mitarbeitern können wir nur schwer mehr Umsatz generieren", ist Lehmann überzeugt. "Wenn wir bestehen wollen, müssen wir wachsen."

Martin Lehmann hat als Kfz-Meister mehrere Jahre eine große Autowerkstatt in Baden-Württemberg geleitet, bevor er sich für eine berufliche Zukunft in der alten Heimat entschied. Sein Schwiegervater, einst gelernter Maurer, hat 2012 die Anteile am Peitzer Betonwerk von seinem Vorgänger übernommen. "Seitdem musste ich noch keinen einzigen Mitarbeiter zum Arbeitsamt schicken", sagt der Geschäftsführer stolz. Winterpausen können seine Leute durch Mehrarbeit im Sommer und Herbst ausgleichen. "Durch gute Planung ist für sie sogar ein Urlaub in der schönen Jahreszeit drin." Im vergangenen Jahr konnte Lehmann die Belegschaft von acht auf neun Mann erhöhen. "Dank einer Initiativbewerbung konnten wir einen älteren Arbeitssuchenden zu uns ins Team holen, der jetzt prima Arbeit leistet", sagt der Seniorchef. Dank der guten Baukonjunktur sind die Geschäfte in den vergangenen Jahren gut gelaufen. 2015 machte das Betonwerk 550 000 Euro Umsatz.

Die Peitzer liefern Frischbeton auf Baustellen in einem Umkreis von 50 Kilometern. Probleme bereitet ihnen die seit einem Jahr gültige Maut auf der B168 zwischen Peitz und Cottbus. Ihr Lkw ist zu alt, um ihn noch mit einem modernen Mautlesegerät auszustatten. Aber da es in Peitz keine eigene Mautstation gibt, kann Bernd Lehmann sich auch keine Vignetten kaufen. "Also fahren wir große Umwege über Heinersbrück oder Fehrow." Sollte eine Maut auf Landstraßen eingeführt werden, würde Bernd Lehmann das Geschäft mit dem Transportbeton aufgeben: "Es würde sich nicht mehr lohnen."

Wichtigstes Standbein der Peitzer ist die Produktion von Betonfertigteilen nach Maß.

Die "Peitzer Decke" wird individuell nach den Wünschen des Bauherren hergestellt. Betondecken ermöglichen aufgrund ihrer hohen Tragfähigkeit große Spannweiten. Fertigdecken sind schnell auf den vorgesehenen Trägern abgelegt und nach der Montage sofort belastbar.

Rammpfähle aus Stahlbeton kommen überall dort zum Einsatz, wo Traglasten ins Erdreich abgeleitet werden sollen. Rammpfähle werden im Hallen- und Gebäudebau oder beim Brückenbau eingesetzt.

Teichmönche zur Regulierung von Wasserständen in Teichen, Wurzelbrücken und Balkone werden je nach individuellem Bedarf gegossen.

Straßenplatten für die Schaffung von Baustellenzufahrten nehmen großen Raum in der Produktion ein. Da sie wiederverwertbar sind, haben sie deutliche Vorteile gegenüber herkömmlich angelegten Baustellenstraßen.

Martin Lehmann hat sich rasch eingearbeitet in die Besonderheiten von Betonherstellung und -handel. "Schon in der Meisterschule habe ich gemerkt, dass mir vor allem das Betriebswirtschaftliche liegt." Daher sei ihm die Umstellung vom Kfz- auf den Baubereich leichtgefallen. "Ich bin überzeugt, dass Menschen sehr vieles können - wenn sie wollen und wenn man sie lässt."