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| 15:58 Uhr

Peitz 1945
Gewaltsamer Tod des Peitzers Hans Rabe bleibt rätselhaft

 Christoph Malcheriwtz beleuchtet in der Festungsscheune den mutmaßlichen Mord an Hans Rabe am 24. April 1945, dem Tag des Einmarsches der Sowjetarmee in Peitz.
Christoph Malcheriwtz beleuchtet in der Festungsscheune den mutmaßlichen Mord an Hans Rabe am 24. April 1945, dem Tag des Einmarsches der Sowjetarmee in Peitz. FOTO: Marion Hirche
Peitz. Um den Tod des Peitzer Kaufmanns Hans Rabe ranken sich viele Geschichten. Ein Lausitzer Forscher zweifelt an dem Bericht eines desertierten Unteroffiziers der Wehrmacht. Was geschah im April 1945 wirklich im Peitzer Festungsturm? Von Marion Hirche

Einem Mord im Peitzer Festungsturm geht Christoph Malcherowitz, der Vorsitzende des Historischen Vereins zu Peitz, nach: Am 24. April 1945 soll die Tat geschehen sein. Material über die letzten Kriegsereignisse in und um Peitz hat der Forscher zusammengetragen, Archive durchforstet, Zeitzeugen befragt.

Hans Rabe mit einem Bauchschuss gefunden

Der Peitzer Hans Rabe ist an diesem Tag in der Festung ums Leben gekommen. „Ich habe eine Zeugenaussage, dass Rabe an jenem 24. April am späten Nachmittag unterhalb der Holztreppe zum Reiter des Festungsturmes tot mit einer Bauchschussverletzung gefunden wurde“, berichtete Christoph Malcherowitz. Daraus leitet er ab, dass die Aussagen eines Johann Messner, österreichischer Unteroffizier in den Reihen der deutschen Armee, nicht stimmen könne.

Weiße Bettlaken an der Festung als Zeichen der Kapitulation

Messner berichtet 1961 in einem Schreiben an den Rat der Stadt Peitz, dass die Wehrmacht Peitz verlassen hatte, er aber weiße Bettlaken auf dem Festungsturm hissen wollte. Zu diesem Zeitpunkt sei er desertiert gewesen.

Der Peitzer Hans Rabe sei in diesem Augenblick ebenfalls mit weißen Tüchern gekommen und habe ihn gefragt, ob er helfen könne. Dann sei ein Schuss gefallen, und Rabe sei tot zu Boden gegangen. Das tödliche Geschoss soll aus der alten Bäckerei Vorwerk, etwa hundert Meter entfernt, gekommen sein.

Peitzer Forscher hat seine eigene These

Mit kriminalistischem Spürsinn nimmt Malcherowitz diese Beschreibung auseinander: Die geschilderten Bravo-Rufe beim Flaggehissen seien unwahrscheinlich, weil alle Leute in den Kellern gewesen seien. Aus der Entfernung könne kein einzelner Schuss so genau getroffen haben.

Der Peitzer Forscher  entwickelt eine eigene These der Geschehnisse: „Für mich liegt nah, dass Messner sich im Reiter des Turmes versteckt hatte, weil er als Deserteur als vogelfrei galt. Als Rabe dann hochkletterte und die Klappe öffnete, fühlte sich der Unteroffizier bedroht und hat geschossen. Rabe taumelte zurück, fiel  auf den Boden am Leiterende und verblutete“, mutmaßt er.

Zwei weitere Männer, die dort gewesen sein sollen, seien nie aufgetaucht. „So könnte es aus meiner Sicht gewesen sein. Aber jeder hier sollte sich sein eigenes Bild machen, sein eigenes Urteil fällen“, so der Historiker beim jüngsten Vortrag des Vereins.

Zweifel an der Schilderung eines Augenzeugen

Zuschauer zweifeln: Messner habe sich sicher nicht im Reiter des Festungsturms versteckt. Denn dann hätte er keinen Fluchtweg gehabt. Und er kannte den Ort aus seinem Dienst im Festungsstab genau.

Das wahre Geschehen um den Tod des Hans Rabe wird dem Grauschleier nicht entrissen. Doch zwei Fakten scheinen zweifelsfrei:  Bodo Stecklina bestätigt, dass es weiße Fahnen auf dem Festungsturm am 24. April 1945 gab. „Ich war damals neun Jahre alt, und die weißen Fahnen konnten wir von Turnow aus gut sehen“.

Zeitzeuge bestätigt permanente Bombardierungen nicht

Manfred Ackermann, der  an diesem bewussten Tag bereits 14 Jahre jung war, dementiert Berichte über permanente Bombardierungen von Peitz. Die habe es nicht gegeben.

Manfred Kielow aus Peitz gehört zu den rund 40 Zuhörern und  lobt: „Den Einsatz, mit dem hier geforscht wird, finde ich gut. Das war ein sehr informativer Vortrag.“

Christoph Malcherowitz wird die Reihe im November fortsetzen:  „Wir haben eine Gefechtskarte und ein Kriegstagebuch gefunden. Das werden wir dann vorstellen“, sagt er.