ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:35 Uhr

Peitz bekommt eine Folterkammer

Dieser Tage schaute Vereinsmitglied Andreas Pfennig mit seiner Familie im neuen Vereinshaus des Historischen Vereins zu Peitz vorbei. Begrüßt wurde er vom Vereinsvorsitzenden Christoph Malcherowitz.
Dieser Tage schaute Vereinsmitglied Andreas Pfennig mit seiner Familie im neuen Vereinshaus des Historischen Vereins zu Peitz vorbei. Begrüßt wurde er vom Vereinsvorsitzenden Christoph Malcherowitz. FOTO: Marion Hirche/jul 1
Peitz. Der Historische Verein zu Peitz feiert Anfang April sein 15-jähriges Bestehen. Am 6. April 1999 wurde er als Förderverein für die Museen der Stadt Peitz aus der Taufe gehoben. Die Umbenennung erfolgte 2010. Marion Hirche / jul1

Von den ursprünglichen Mitgliedern haben zwei durchgehalten. Einer davon ist der Vereinsvorsitzende Christoph Malcherowitz. Heute hat der Verein 63 Mitglieder und kann eine stolze Bilanz vorweisen. Mit dem Geburtstag werden Teile des Vereinshaus in der Mauerstraße eröffnet.

2010 konnten Malcherowitz und Co. das alte Gebäude Nr. 14 erwerben und haben es seitdem saniert. "Dort haben wir unsere Mittel eingesetzt, die wir selber durch Vorträge, Stadtführungen und Veröffentlichungen verdient haben", ist von Christoph Malcherowitz zu erfahren. Zu den fleißigen Helfern gehörte auch das langjährige Vereinsmitglied Andreas Pfennig: "Ich wusste sehr wenig über die Geschichte meiner Heimatstadt und deshalb habe ich mich entschieden, mitzumachen. Bei unserem Domizil konnte ich auch meine handwerklichen Fähigkeiten einsetzen."

Ausstellung im Vereinshaus

Das Vereinshaus ist nicht nur saniert, sondern es sind auch Ausstellungsangebote gestaltet worden. Das Erdgeschoss und die 1. Etage geben anschaulich Auskunft über die Peitzer Geschichte. In einer Wachstube sitzt der verletzte schwedische Soldat, der 1641 die Peitzer Festung erobern wollte. Der Betrachter lernt dabei mehr über die Peitzer Festungsgeschichte, so unter anderem über das Leben der Soldaten. In großen Dioramen sind mit Zinnfiguren Schlachten nachgestaltet. Alle Figuren wurden selbst gegossen und bemalt - unter anderem mehr als 300 etwa sieben Zentimeter große Soldaten und Offiziere.

Um auch Wissen über Peitzer Ur- und Frühgeschichte vermitteln zu können, haben einige Vereinsmitglieder eine Ausbildung als Bodendenkmalpfleger durchlaufen. Im Ergebnis dessen, wird auch die Zeit vor dem Entstehen der Stadt in einem Raum beleuchtet und mit Funden untermauert. Noch in diesem Jahr soll eine Folterkammer und ein Mittelalterraum fertig gestellt werden.

Christoph Malcherowitz war schon immer an preußischer Militärgeschichte interessiert. Als der Mitarbeiter beim Zoll dann nach Cottbus versetzt wurde und mit seiner Familie nach Peitz zog, konkretisierte er sein Freizeitinteresse auf die Peitzer Geschichte. Mittlerweile sind auch seine Kinder Mitglied im Verein. Sohn Mathias hat sich der experimentellen Archäologie verschrieben und näht zum Beispiel die Kleidung für die Demofiguren im Vereinshaus nach historischem Vorbild alles mit der Hand.

Großes Interesse

Die Bilanz des Vereins ist umfangreich: Mehr als 5000 Gäste konnten bei den historischen Stadtführungen begrüßt werden. Auch für dieses Jahr liegen schon wieder Anmeldungen von 43 Gruppen vor. Am 11. April gibt es den 61. historischen Vortrag des Vereins, diesmal über den Jagdfliegerabsturz bei Preilack 1943. Unzählige Publikationen der Hobbyhistoriker sind über den Onlineshop des Vereins zu erwerben. Sie haben Museumsnächte in Peitz gestaltet, haben den Anstoß für die Sanierung der Malzhausbastei gegeben und viele Ideen zur Gestaltung der Ausstellungen in der Peitzer Festung beigetragen. Für das große Engagement wurde der Verein mit dem "Goldenen Stadtwappen" von Peitz ausgezeichnet. "Das Vereinshaus ist unser eigenes Geburtstagsgeschenk. Dort wollen wir zukünftig auch Schulklassen begrüßen. Es gibt sogar schon Buchungswünsche für die Folterkammer ", betont der Vereinsvorsitzende.