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Peitz auf Spuren der Festung neu entdecken

Rund 3800 Besucher ließen sich im vergangenen Jahr von den imposanten Mauern des Festungsturms beeindrucken.
Rund 3800 Besucher ließen sich im vergangenen Jahr von den imposanten Mauern des Festungsturms beeindrucken. FOTO: Hilscher
Peitz. Peitz trägt den Namen "Fischer- und Festungsstadt" mit Stolz. Doch während dem Besucher die Teiche mit Karpfen und Co auf Anhieb ins Auge fallen, bleibt oft verborgen, dass die Festung weit mehr Spuren in der Stadt hinterlassen hat als einen – wenn auch beeindruckenden – Turm. Andrea Hilscher

Historiker und Festungs-Fans müssen eigentlich nur den aktuellen Peitzer Stadtplan anschauen, um 300 Jahre zurück in die Vergangenheit blicken zu können. Bis heute nämlich spiegeln Straßenverläufe wie etwa der "An der Glashütte" und Grundstücksgrenzen in der Altstadt den Verlauf der Festungsmauern wieder.

Nach einer wechselvollen Geschichte, in der Peitz und die Lausitz einmal bayrisch, dann wieder sächsisch oder böhmisch waren, beschloss Markgraf Johann von Küstrin, in Peitz eine Festung zu bauen. Dirk Redies, Mitarbeiter im Kultur- und Tourismusamt Peitz: "Die Altstadt liegt bis heute innerhalb dieser alten Festungsmauern." Und bei einem kleinen Spaziergang lassen sich auch abseits des mächtigen Festungsturmes noch zahlreiche Spuren der alten Burganlagen finden. Redies selbst ist sogar davon überzeugt, dass auch die Peitzer Teiche ins strategische Konzept des Markgrafen gehörten. "Aber darüber streiten sich die Historiker."

Die Festung wurde nach den modernsten Erkenntnissen der Waffentechnik gebaut, galt als uneinnehmbar und verschaffte Peitz eine derartige Bedeutung, dass das kleine Städtchen im Winter 1636/37 sogar für kurze Zeit Landeshauptstadt wurde. Doch irgendwann wurde Peitz von der Geschichte überrollt, die Festung wurde nicht mehr gebraucht - und als Steinbruch für zahlreiche Bürgerhäuser genutzt, die rund um den Marktplatz gebaut wurden. "Ein schönes Beispiel für eine friedliche Umnutzung ist auch der frühere Paradeplatz", sagt Dirk Redies.

Er beheimatet bis heute die 1854 evangelische Kirche mit damals immerhin 1500 Sitzplätzen und das Rathaus der Stadt. "Schwerter zu Pflugscharen - hier wurde es tatsächlich umgesetzt", sagt Redies, der Gästen gern auch das ungewöhnlich Innenleben der Kirche zeigt: Sie wurde zu DDR-Zeiten vor dem Verfall bewahrt, restauriert und umgebaut. Heute beherbergt sie neben dem eigentlichen Raum für Gottesdienste auch die Gemeinderäume - und eine einzigartige Orgel, die aus unterschiedlichsten Elementen aus aller Welt zusammengebaut wurde.

noch etwas mach die Peitzer Kirche zu einem Unikum: Sie wurde bis etwa 1910 gleichzeitig von der städtischen, mehrheitlich deutschen und der sorbischen Landbevölkerung für Gottesdienste genutzt. Nur einen Steinwurf entfernt steht Wilfried Richter vor seinem frisch verputzten Amtshaus - im Volksmund fälschlich als Kommandantenhaus bezeichnet.

In wenigen Wochen ist der Umbau abgeschlossen, mehrere hochwertige Mietswohnungen sind dann bezugsfertig. "Aber was ich mit den historischen Gewölberäumen aus dem 16. Jahrhundert mache, weiß ich noch nicht", gibt Richter zu. Als privater Partykeller sind die Gewölbe zu schade, laute Gastronomie möchte er seinen Mietern nicht zumuten.

Geklärt ist seit einigen Jahren die Nutzung der Malzhausbastei. Ebenfalls ein Relikt aus Festungstagen, erbaut als sogenannter "Hoher Kavalier", finden hier regelmäßig Jazz- oder Kammerkonzerte statt, auch feiern kann man in dem trutzigen Bau.

Wer auf den Spuren der Festung durch Peitz wandern will, kann noch vieles entdecken. Stille Winkel, kleine architektonische Highlights und das älteste Bürgerhaus der Stadt, das am Marktplatz noch auf eine sinnvolle Nutzung wartet.

Zum Thema:
Knapp 4000 Besucher zählte der Festungsturm im vergangenen Jahr, 5000 Gäste schauten sich das Hüttenmuseum an. Dazu kamen zahlreiche Radtouristen aus dem Spreewald, Tagesgäste und Übernachtungsbesucher. Stadtführungen vermitteln das Tourismusamt der Stadt (Telefonnummer 035601 8150) sowie der historische Verein unter www.historischer-verein-peitz.de .