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| 12:07 Uhr

Greenpeace-Gründer
Zweifler am Klimawandel durch den Menschen in Cottbus

Greenpeace-Gründer Patrick Moore zu Besuch in der Lausitz.
Greenpeace-Gründer Patrick Moore zu Besuch in der Lausitz. FOTO: LR / Simone Wendler
Cottbus. Früher war er Greenpeace-Gründer. Dann wandte er sich von der Umweltgruppe ab und wurde zum Klimawandel-Leugner. Patrick Moore erklärt selbst, warum. Von Simone Wendler

Der Freitagnachmittag vor Pfingsten ist sicher kein Termin, an dem man sich gern in einen Saal setzt, um einem Fachvortrag zum Thema Klimapolitik zu lauschen. Und dann noch auf Englisch mit Simultanübersetzung.

Etwa einhundert Zuhörer kamen trotzdem in den Saal des Cottbuser Stadthauses, denn der Vortragende Patrick Moore ist ein international bekannter und umstrittener Mann. Früher Aktivist bei der Gründung der Umweltorganisation Greenpeace, gilt er Umweltschützern inzwischen als Verräter der einst gemeinsamen Sache, gilt als Lobbyist von Atom- und Gen-Industrie.

Eingeladen hatten Moore, der durch Deutschland tourt,  die Kreisverbände Cottbus und Spree-Neiße der CDU mit dem Spremberger Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze an der Spitze. Mit einem großen symbolischen Braunkohlebrikett vor der Tür und Vertretern im Saal war auch der Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ vor Ort. Für sie muss der Vortrag von Moore wohltuend gewesen sein. Behauptet der Kanadier doch kurz zusammengefasst, dass die langfristigen Temperaturveränderungen auf der Erde ein natürlicher Vorgang seit Millionen Jahren seien, einschließlich Eiszeiten und Gletscherschmelze. Der Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre sei Folge der Erwärmung und nicht Ursache.

Deshalb sei die Warnung vor dem durch industriellen Kohlendioxid-Ausstoß verursachten Klimawandel nichts als Panikmache: „Die Aktivisten jagen den Menschen mit ihrer Propaganda Angst ein“. Statt auf Wind- und Fotovoltaikanlagen sollte weiter auf fossile Brennstoffe, Atomkraft und Wasserkraft zur Stromerzeugung gesetzt werden. Wissenschaftler, die sich mit Moore auseinandersetzen, bestätigen seine Aussagen über den Wechsel von warmen und kalten Klimaphasen in der Erdgeschichte. Sie werfen ihm jedoch vor, zu leugnen, dass sich derzeit in der Atmosphäre Dinge abspielen, die weit darüber hinaus gehen. Doch davon ist am Freitag in Cottbus nicht die Rede.

Moore erzählt im Stadthaus zunächst von seinem Lebensweg, der Zeit bei Greenpeace und dem Bruch mit der Umweltorganisation, bevor er zum Thema Klima und Erd­erwämung kommt. Er zeigt eine Vielzahl von Diagrammen und erläutert die Rolle von Kohlendioxid als „Nahrungsmittel des Lebens“ bei der Bildung von Kohlenhydraten in der grünen Pflanze und den Kreislauf des Stoffes in der Welt. Die Vielzahl der Zahlen, Fakten und die nicht immer schritthaltende Simultanübersetzung macht es zeitweise schwer, ihm zu folgen. Als nach gut einer Stunde Fragen gestellt werden können, kommt keine kontroverse Debatte zustande. Es wird deutlich, dass das Publikum überwiegend ohnehin schon Zweifel an einem durch die Industrie verursachten  Klimawandel hat und sich von Moore nur noch bestätigt fühlt.

Klaus-Peter Schulze, CDU-Bundestagsabgeordneter, sieht den Vortrag Moores als Gegengewicht zur Einladung von Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) vor vier Jahren nach Cottbus. „Man muss auch der anderen Seite die Möglichkeit geben, sich darzustellen“, so Schulze. Im kommenden Jahr vor der Landtagswahl in Brandenburg werde die CDU in Cottbus eine weitere Veranstaltung zu Energie- und Klimapolitik organisieren.

Und der Bundestagsabgeordnete nutzt die Gelegenheit anzukündigen, dass am kommenden Mittwoch das Bundeskabinett die Besetzung und Struktur der Kohle-Kommission mit 25 bis 30 Mitgliedern bekannt geben wird. Die Abgeordneten der Kohlereviere in Deutschland müssten bei der Frage des anstehenden Strukturwandels zusammenhalten, appellierte er dabei. Die CDU-Abgeordneten aus den Kohleregionen hätten im Bundestag schon mal eine eigene Gruppe gebildet, Name: „Revier“.