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Party unterm Naturdenkmal

Was lange währt, wird gut: Mit einer Grillparty an der etwa 150 Jahre alten Eiche in der Linnéstraße findet heute Abend ein jahrzehntelanger Streit ein glückliches Ende. Die Bürgerinitiative „Naturdenkmal Eiche und Grünfläche Linnéstraße“ ist seit dem Sommer Besitzer des Grundstücks samt Stieleiche. Befürchtungen, dass durch nahe Bebauung der schöne Baum mit weit ausladender Krone in Mitleidenschaft gezogen wird, sind damit für immer ad acta gelegt. Mitstreiter, Sponsoren und Bau-Beigeordnete Marietta Tzschoppe sind zum Fest geladen. Von Sybille von Danckelman

„Geld, gute Nerven und ein engagiertes Team braucht man“ , fasst Siegrid Miatke das lange Ringen um die Eiche in der Spremberger Vorstadt zusammen. Sie ist neben Helga Leber und dem Ehepaar Christine und Ulrich Siegert einer der Hauptinitiatoren der Bürgerinitiative. Der Durchbruch zum glücklichen Ende gelingt, als Anwohnerin und Initiativen-Mitglied Sabine Offermann sich bereit erklärt, das Grundstück samt Stieleiche für die Bürgerinitiative zu kaufen.

Vernünftiger Kompromiss
„Ein vernünftiger Kompromiss zum vernünftigen Preis“ , schätzt Ulrich Siegert ein. An dem Bau-Beigeordnete Mariette Tzschoppe durch „ihren Bürgersinn“ maßgeblichen Anteil hat, lobt Siegert. Die Variante, dass die Bürgerinitiative das Gelände selbst erwirbt, um den Baum vor Bebauung zu schützen, ist in einem Treffen mit ihr ins Spiel gekommen. Nun hat die Initiative die Gewissheit, dass der „Baum uns sogar alle überleben wird“ (Siegert) sogar schwarz auf weiß: Im Kaufvertrag steht ausdrücklich, dass das „Grundstück ausschließlich als Grünland für den Erhalt des Naturdenkmales Stieleiche zu nutzen und eine Bebauung jeglicher Art ausgeschlossen ist“ .

Langer Weg
Der Weg zu diesem glücklichen Ende war lang, ist aber rasch erzählt. Er beginnt in den 70er-Jahren. Als 40 Garagen gebaut werden sollen, geht die damalige Finanzökonomin Miatke noch allein dagegen auf die Barrikaden. Erfolgreich. Nach der Wende, 1994, ist ein erneuter Einsatz nötig. Da hat Siegried Miatke mit Siegerts und Helga Leber aber längst enge Verbündete gefunden. Die Eichen-Liebhaber klagen beim Verwaltungsgericht gegen Baupläne im Bereich des Naturdenkmals, sammeln 800 Unterschriften zum Schutz des Baumes und lassen sich in einem Gutachten bestätigen, dass eine nahe Bebauung Baumschäden verursacht und die Lebenserwartung der Eiche wesentlich reduziert. Ein Jahrzehnt später müssen sie erneut für den Erhalt ihrer grünen Oase vor der Haustür kämpfen. Das Grundstück solle Bauland werden, kommt der Initiative zu Ohren. Und das, obwohl es im Flächennutzungsplan als Grünland ausgewiesen ist und Naturdenkmale ohnehin unter besonderem Schutz stehen. Die Stadtverwaltung zeigt sich sensibel und um Interessenausgleich bemüht.
Selbstverständlich, dass Bau-Dezernentin Mariette Tzschoppe bei der Grillparty heute Abend dabei ist. Und die vielen Anwohner und Sponsoren, die das Gutachten und Anwaltskosten mitfinanziert haben, natürlich auch.
Für Siegrid Miatke geht nun sozusagen ein Kapitel ihres Lebens zu Ende. Einen Moment aber wird sie so schnell nicht vergessen. Den Abend, nachdem die Bürgerinitiative notariell beurkundeter Eigentümer der etwa 150 Jahre alten Eiche geworden war. Da ließ sich Siegrid Miatke erschöpft und glücklich zugleich in ihre Wohnzimmercouch fallen, entkorkte eine Flasche guten Rotweins und ließ den Jahrzehnte dauernden Kampf um den Baum ganz entspannt Revue passieren.

Zum Thema Naturdenkmal
  In der Rechtsverordnung über das Naturdenkmal an der Linnéstraße heißt es unter anderem: „Es ist verboten, das Naturdenkmal zu beseitigen sowie Handlungen vorzunehmen, die zu einer Zerstörung, Veränderung, beeinträchtigung oder nachteiligen Störung des Naturdenkmals oder dessen geschützter Umgebung führen können.“

Ähnliche schöne alte Eichen stehen beispielsweise am Goethepark in der Mehringstraße (drei Stück) oder in der Schmellwitzer Triftstraße (eine Eiche). Sie sind auch als Naturdenkmale ausgewiesen.