ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:36 Uhr

Partnersuche
Lovoo und Tinder im Online-Dating-Test

Links oder rechts? Ein einfaches Wischen soll die Suche nach dem Traumpartner erleichtern. Ob Josephine Japke (li.) und Jenny Theiler erfolgreich waren?
Links oder rechts? Ein einfaches Wischen soll die Suche nach dem Traumpartner erleichtern. Ob Josephine Japke (li.) und Jenny Theiler erfolgreich waren? FOTO: LR / Bodo Baumert
Cottbus. Josephine Japke und Jenny Theiler haben für LR Online den Selbsttest gewagt und zwei der bekanntesten Online-Dating Portale ausprobiert: Lovoo und Tinder. Der Praxis-Test artet in Stress aus, und besonders bei Tinder kommen Männer schnell zur Sache. Von Jenny Theiler und Josephine Japke

„Akademiker und Singles mit Niveau“. „Finden Sie Ihr Glück“. Und der Klassiker: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship“. Jeder kennt sie, die vielversprechenden Werbesprüche namhafter Dating-Portale. Nimmt man alle Aussagen zusammen, dürfte es keinen einzigen Alleinstehenden mehr in Deutschland geben.

Und doch boomen Parship, eDarling, ElitePartner und Co, denn sich zu verlieben, ist keine einfache Sache. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Parship und ElitePartner, an der etwa 12.000 Menschen teilgenommen haben, leben etwa 17 Millionen Singles in Deutschland.

Jeder zweite von ihnen hat schon mal online nach der Liebe gesucht. Jeder Fünfte hat seinen derzeitigen Partner im Internet kennengelernt. Derzeit haben Online-Dating-Börsen laut Statista 8,6 Millionen aktive Nutzer.

Vergleicht man die beliebtesten Portale miteinander, wird eines deutlich: Sie sind sich sehr ähnlich. Alle funktionieren über das Matching-Prinzip. Das heißt, dass man einen Test ausfüllt, der verschiedene Aspekte der Persönlichkeit, Interessen und Erwartungen an den Partner abfragt. Die Antworten werden analysiert, und über einen Algorithmus wird der vermeintliche Traumpartner gefunden.

Einziger Unterschied: Während Parship 80 Fragen stellt, muss man bei eDarling gleich 280 beantworten. Wie wichtig ist Ihnen das Bildungsniveau Ihres Partners? Welche Ethnie darf er haben? Sind Sie ein freundlicher, ehrlicher, kreativer und gestresster Mensch?

Einige Fragen sind schnell beantwortet, bei anderen muss man länger überlegen: Für welche drei Dinge, die Ihnen in Ihrem Leben widerfahren sind, sind Sie am dankbarsten? Etwa eine halbe Stunde dauert der Test, der darüber bestimmt, ob Sie den Partner fürs Leben finden.

Doch die Liebe über das Internet hat auch ihren Preis. Zwölf Monate Premium-Mitgliedschaft bei Parship kosten 55 Euro. Im Monat, wohlgemerkt. Bei eDarling sind es etwa 18 Euro monatlich und bei ElitePartner 29,90 Euro. Oft kann man nur als Mitglied unbegrenzt in Kontakt bleiben, Fotos sehen und Singles im direkten Umfeld finden.

Günstiger kommt, wer gleich auf die App umsteigt. Auch ein Grund dafür, warum so viele junge Menschen lieber diese Variante nutzen. Unsere Volontärinnen Josephine Japke und Jenny Theiler haben die beliebtesten Apps mal genauer unter die Lupe genommen.

„Die App mit Herz“ –Lovoo-Test von Josephine Japke

Laut eigener Internetseite glauben die Macher von Lovoo daran, dass Liebe überall passieren kann. Also auch in der Straßenbahn, im Café oder über eine App – na dann mal los.

Die Anmeldung ist unkompliziert und leicht: Nur schnell einen Namen, Geburtsdatum und Foto hochladen, und schon ist man mittendrin. Eine Reihe von Bildern erscheint sofort auf dem Display und ich kann durch ein X oder ein Herz auswählen, ob die Herren nach meinem Geschmack sind. Nur wenn wir uns gegenseitig „herzen“, kann ein Chat entstehen.

Das ist alles sehr aufs Äußere bezogen, sagt auch Lovoo-Pressesprecher Sebastian Matkey: „Das Aussehen spielt eine entscheidende Rolle, weil es der erste Eindruck ist. Andere Qualitäten und gemeinsame Hobbys kann man erst herausfinden, wenn man die Person auch anschreibt.“

An ein Matching durch Kriterien, wie es bei Parship, ElitePartner und Co der Fall ist, glaubt er nicht. „Wir können nicht das perfekte Match versprechen, denn das Leben besteht aus mehr als Algorithmen und Kriterien“, erklärt er. Dass es vielen Nutzern nur um Vergnügen für eine Nacht gehe, ist zwar eine gängige Meinung, kann von Sebastian Matkey aber nicht bestätigt werden. „Am Ende geht es allen darum, eine gewisse Einsamkeit zu bekämpfen. Die meisten sind auf der Suche nach ernsthaften Beziehungen“, sagt der Pressesprecher.

Lovoo sieht sich dabei als Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, die im echten Leben weiterhelfen können. Auch mit der App erlebe man tolle und witzige Momente, aber auch Enttäuschungen und Rückschläge. Trotzdem ersetzt die App kein Treffen im echten Leben, sie sei nur eine Vorbereitung auf das, was einen da erwarten könnte. „Ziel von Lovoo ist es, dass es am Ende des Chats ein Date gibt. Aber das müssen die Leute schon selber machen“, sagt Sebastian Matkey mit einem Schmunzeln.

Der Selbsttest ergab: Manchen Männern kann es offensichtlich gar nicht schnell genug gehen mit dem Treffen. Schon nach ein paar Stunden fluten Likes, Matches, Icebreaker und Chatanfragen das Postfach. Antwortet man nach ein paar Stunden nicht, weil man nachts schläft und morgens arbeitet, kommt häufig ein schlechtes Gewissen machendes „Hast wohl kein Interesse?“. Schnell artet die App deshalb in Stress aus, denn Zeit, jemanden ernsthaft kennenzulernen, hat heutzutage scheinbar niemand mehr.

„Matchen. Chatten. Daten“ – Tinder-Test von Jenny Theiler

Das eigentümlich maschinelle Vorgehen ist auch bei Tinder, zu deutsch ‚Zunder’, deutlich erkennbar. Wer Tinder nutzt, scheint offenbar ebenfalls keine Zeit verlieren zu wollen. Denn nach den ersten Begrüßungsfloskeln kommen bei sieben von zehn Männern bereits die ersten Date-Anfragen. Das Interesse, sich zunächst im Chat-Dialog kennenzulernen, besteht nur bei den wenigsten. Das war in den Anfangsjahren von Tinder anders.

Im Jahr 2014 existiert die App mit der roten Flamme seit zwei Jahren und funktioniert noch recht unkompliziert. Die Personen, die man mit einem Wisch nach rechts zu den Favoriten befördert, melden sich, wenn auch von der anderen Seite ein Like gegeben wurde. Durchschnittlich wird sich über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen per Chat über Interessen, Lebenslauf und Zukunftsziele ausgetauscht. Erst danach wird eventuell die Frage nach einem realen Treffen eröffnet.

Das Like-Prozedere ist mittlerweile deutlich oberflächlicher und das, obwohl die App den Nutzern anbietet, sich tiefgründiger mit dem potenziellen Partner zu befassen. Jeder Nutzer kann einen kurzen Steckbrief von sich abgeben und sein Profil mit dem eigenen Instagram- oder Facebookaccount koppeln. In der Praxis bleiben sechs von zehn männlichen Profilen allerdings leer.

Viele Nutzer verlassen sich ausschließlich auf ihre Profilbilder und zeigen auch wenig Interesse an den Basisinformationen der potenziellen Partner. Das wird dann in den ersten ausgetauschten Nachrichten deutlich. Schnell wird erkennbar, wer sich das Profil richtig anschaut und wer sich nur vom ersten optischen Eindruck leiten lässt.

„Wonach suchst du hier?“ ist eine der ersten Fragen, mit denen die Nutzer im Chat konfrontiert werden. Die Antworten sind äußerst verschieden und räumen auch mit einigen Klischees auf. Jahrelang hatte Tinder den Ruf, eine Art Sex-Suchmaschine zu sein. Dass die Nutzer größtenteils auf Affären und kurze Abenteuer aus sind, lässt sich nicht bestätigen. Sieben von zehn Männern suchen tatsächlich nach einer festen Partnerschaft. Drei von zehn sind offen für alles „was sich so ergibt“.

Dennoch wirken insbesondere viele männliche Nutzer verzweifelt und bedürftig. Das wird dann deutlich, wenn die Gesprächspartner ihr Gegenüber mit zahlreichen Nachrichten bombardieren, aus Angst, das Interesse könnte schwinden. „Hast du keine Lust mehr zu schreiben?“ oder „Was hab ich falsch gemacht?“ wird öfters gefragt, wenn man nicht innerhalb der nächsten 30 Minuten antwortet.

Der tiefe, fast schon verzweifelte Wunsch nach menschlicher Zuneigung, in welcher Form auch immer, wird auf beiden Plattformen erkennbar. Sowohl Lovoo als auch Tinder sind jedoch Plattfomen, bei denen das eigentliche Konzept mit der Handhabung im krassen Widerspruch zueinander stehen. Die Partnersuche artet in Stress aus, weil die Basis, auf der man sich kennenlernt unfassbar oberflächlich ist. Zusätzlich wird paradoxerweise die Anonymität gefördert, wodurch sich viele Nutzer nicht mehr trauen, in der Realität nach dem Traumpartner zu suchen.

„Irgendwas mit Liebe“ ist der Titel der Serie der RUNDSCHAU-Volontäre. Ausgefallen, konservativ, anders? Facetten der Liebe stehen im Fokus. Doch wie findet man den richtigen Partner?

Lesen Sie auch die anderen Teile dieser Serie:

Auf den Hund gekommen - Josephine Japke über Tierliebe der Menschen

"Liebe ist immer noch mehr" - Stephan Meyer im Gespräch mit Ulrike Menzel über Liebe im christlichen Glauben

Liebe hat auch Grenzen - Daniel Friedrich im Gespräch mit dem Berliner Sexualtherapeuten Hannes Ulrich

Notruf für die Liebe - Daniel Friedrich hat mit Paar-Therapeuten über die Rettung von Beziehungen gesprochen

Das Geheimnis ewiger Liebe? Jenny Theiler befragt ein Ehepaar nach dem Glücksrezept

Das Schloss der verborgenen Wünsche - Jenny Theiler zu Besuch im Edel-Swingerclub

"Und dann brachte Gollum die Ringe" – Josephine Japke spricht mit einer Hochzeitsplanerin über abgefahrene Ideen zum Heiraten