| 21:29 Uhr

Parken in Cottbus
Parkkonzept mit Vorrang für Anwohner

LR vor Ort in Cottbus FOTO: Von Michael Helbig
Cottbus. Stellflächen zwischen Cottbuser Bahnhof und Thiem-Klinikum wurden neu geordnet – aber Bürger haben noch viele Hinweise an die Stadt. Von Christian Taubert

Man muss kein Cottbuser sein, um über das Parken in der Spremberger Vorstadt der Lausitz-Metropole mitreden zu können. Denn zumindest in dem Teil des beliebten Wohnquartiers zwischen Carl-Thiem-Klinikum (CTK) und Bahnhof suchen Bahnreisende schnell mal einen Parkplatz, wenn die Zugabfahrtzeit drängt und das Parkgelände in der Vetschauer Straße schon morgens überfüllt ist. Oder, wenn man aus der Region ins größte Krankenhaus Brandenburgs zur Untersuchung muss und die Suche nach einem kostenlosen Parkplatz aussichtslos erscheint.

Was Autofahrer dabei oft außer Acht lassen: Anwohner in diesem Carré waren bisher Tag für Tag auf Parkplatzsuche – vor der eigenen Haustür. Diese Situation hatte sich auch mit der Eröffnung des neuen Parkhauses am CTK noch nicht grundlegend gebessert. Das aber soll sich mit dem von der Stadt zum Jahreswechsel in Kraft gesetzten neuen Parkraumkonzept für dieses Areal ändern. RUNDSCHAU-Moderatorin Peggy Kompalla verwies auf neue Parkscheinautomaten und Bewohnerparkplätze. 200 neue Schilder seien inzwischen aufgestellt worden.

„Das Konzept hat sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Anwohner orientiert“, räumt Martin Gransalke, der Leiter des städtischen Vollzugsdienstes im Ordnungsamt, ein. Dennoch werde noch Zeit vergehen, bis sich alle Nutzer – Anwohner, Beschäftigte öffentlicher Arbeitgeber wie des CTK, Mitarbeiter von Kita und ansässigen Unternehmen – orientiert haben und das neue Konzept greife. Das hat die Debatte bei „LR vor Ort“ zum Thema am Donnerstagabend im Medienhaus der LR verdeutlicht. Dabei war es nicht verwunderlich, dass die Kritik an der Umsetzung des neuen Konzepts unter den gut 50 Bewohnern gegenüber anerkennenden Worten überwog.

So hielt eine Anwohnerin der Brusch-Straße dem CTK-Verwaltungsdirektor Karsten Bepler vor, dass Klinikum-Mitarbeiter und Schwesternschülerinnen der Medizinischen Fachschule, denen angestammte Parkplätze abhanden gekommen seien, auf freie Flächen vor ihrer Haustür ausweichen würden. Das neue Parkhaus am CTK mit 238 Stellplätzen sei dafür aber nicht gebaut worden. Es sei für Patienten und Besucher da. Bepler machte deutlich, dass es auch gut angenommen werde. Er habe jüngst beobachtet, dass an einem Samstag 198 Plätze belegt gewesen seien. Für Mitarbeiter stünden Parkplätze zur Verfügung, die zu ermäßigten Preisen angeboten werden. „Aber wir können niemanden zwingen, diese Parkplätze zu nutzen.“

Eine weitere Anwohnerin schilderte, dass Patienten des Klinikums ein oder auch zwei Wochen im Wohngebiet parken würden. Und ein Anwohner aus der Weinbergstraße verwies auf die Unsitte, dass Parkuhren weitergedreht würden und Anwohner tagsüber keine Chance hätten, einen Parkplatz zu ergattern.

Für Thomas Bergner ist der Unmut bei Anwohnern verständlich. „Dass es eine Verdrängung der Parkplatzsuchenden geben wird und Schlupflöcher gesucht werden, war uns bewusst“, sagte der Ordnungsdezernent und fügte hinzu, „dass die Stadt darauf reagieren wird.“ Wie Martin Gransalke, der Chef der städtischen Politessen, versuchte Bergner um Verständnis dafür zu werben, „dass wir noch lernen“. Nach rund vier Wochen befinde man sich praktisch noch in einer Testphase.

Gransalke ergänzte, dass sein Amt nach dem Start des Parkkonzepts sehr behutsam mit Parksündern umgegangen sei. „Wir haben zunächst Hinweiszettel unter die Scheibenwischer geklemmt. Später wurde scharf kontrolliert.“ Zugleich kündigte er an, dass es künftig wieder täglich Kontrollen geben werde. Das kann Wolfgang Bialas vom Bürgerverein Spremberger Vorstadt nur begrüßen. „Als Anwohner ein Anrecht auf einen Parkplatz zu haben, das hat etwas mit Wohlfühlen im Wohnquartier zu tun“, betont er.

Ein Anwohner aus der Räschener Straße pflichtete Bialas bei, dass Parken in der Innenstadt auch etwas koste. Er nahm Bezug auf den Vorwurf der „Abzocke“, weil ein Anwohnerparkausweis 30,70 Euro pro Jahr koste. „Dafür ist es damit vorbei, dass wir jahrelang ständig auf der Suche nach einem Parkplatz waren“, gab es letztlich noch Lob für die Verwaltung. Bergner fügte hinzu, dass sich die Stadt auch an die vom Land vorgegebene Gebührenordnung halte müsse.

RUNDSCHAU-Moderatorin Peggy Kompalla begrüßte auf dem Podium: Ordnungsdezernent Thomas Bergner, Martin Gransalke (Ordnungsamt), CTK-Verwaltungsdirektor Karsten Bepler und Wolfgang Bialas vom Bürgerverein Spremberger Vorstadt in Cottbus (v.l.n.r.).
RUNDSCHAU-Moderatorin Peggy Kompalla begrüßte auf dem Podium: Ordnungsdezernent Thomas Bergner, Martin Gransalke (Ordnungsamt), CTK-Verwaltungsdirektor Karsten Bepler und Wolfgang Bialas vom Bürgerverein Spremberger Vorstadt in Cottbus (v.l.n.r.). FOTO: Michael Helbig
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LR vor Ort in Cottbus FOTO: Von Michael Helbig