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| 17:54 Uhr

Cottbus
Parkeisenbahn statt Gyermekvasút

Peter Janositz und Zsofia Sinka aus Ungarn geben am Montag Signal für die Parkeisenbahn und Lokführer Bernd Zeller. Der Budapester Besuch wird am Samstag noch einmal Dienst für die kleine Bahn schieben, bevor sie am Sonntag zurück nach Budapest reisen.
Peter Janositz und Zsofia Sinka aus Ungarn geben am Montag Signal für die Parkeisenbahn und Lokführer Bernd Zeller. Der Budapester Besuch wird am Samstag noch einmal Dienst für die kleine Bahn schieben, bevor sie am Sonntag zurück nach Budapest reisen. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Budapester Zugpersonal schiebt Dienst in Cottbus. Im September will die kleine Bahn ihre Dampflok hochleben lassen. Von Peggy Kompalla

Peter Janositz steht im Kontrollraum am Bahnhof Sandower Dreieck und beobachtet genau, wie seine Cottbuser Bahnerkollegen die Abläufe managen. Zu Hause in Budapest ist alles eine Nummer größer, auch wenn sich Gyermekvasút mit Kindereisenbahn übersetzt. Der 14-Jährige gehört zu einer zwölfköpfigen Jugendgruppe aus Ungarn, die eine Woche bei den Parkbahnern in Cottbus verbringen. Montag und Samstag schieben sie Dienst. Dann können die Besucher sogar ungarische Durchsagen hören, die fremden Uniformen und die ungarische Bahn-Etikette bewundern.

Parkeisenbahnvereinschef Denis Kettlitz erzählt: „Die Freundschaft mit der Kindereisenbahn gibt es schon seit den 70er-Jahren. Im vergangenen Jahr war eine Gruppe aus Cottbus in Budapest. Jetzt ist der Gegenbesuch hier.“ Für die Bahner sei der internationale Austausch selbstverständlich. „Das prägt uns alle“, sagt Kettlitz und schließt sich dabei mit ein. Denn auch er war einst als Jugendlicher in Budapest zum Bahneraustausch. Gerade in Zeiten, in denen Ungarn nicht die beste Presse vergönnt ist, sei das wichtig. „Das eine ist die Politik. Das andere die Menschen“, sagt der Vereinschef. Die ungarischen Jugendlichen haben Cottbuser Tandem-Partner für den Dienst bei der Parkeisenbahn bekommen. Gemeinsam geht es dann auch auf Entdeckungstour durch Cottbus, in den Spreewald und zum Baden. Auf dem Programm steht aber auch ein Besuch im Bundestag in Berlin und im Menschenrechtszentrum in Cottbus.

Peter aus Budapest kann in der Zeit in jedem Fall sein Deutsch aufpolieren, obwohl er schon nach den ersten Stunden fragenden Parkbahnbesuchern ohne Weiteres weiterhelfen kann. Aufmerksamkeit ist dem internationalen Parkbahn-Personal gewiss. Sie fallen nicht nur durch ihre Uniformen auf. Auch die Abfahrt der Züge begleiten sie – wie zu Hause in Budapest – mit einem Salut. Als Zsofia Sinka das Abfahrtsignal für Lokführer Bernd Zeller gibt und die Hand ans rote Käppi hält, sind einige Passagiere kurz irritiert. Dann winken sie fröhlich. Zsofia hält den Salut durch bis auch der letzte Wagen an ihr vorbeigefahren ist.

Die Parkbahner hoffen auch für ihr großes Fest im September auf internationalen Besuch. Doch noch ist nicht klar, ob es die Partner aus Polen zur großen Party für die alte Parkeisen-Dame schaffen werden. Am Wochenende vom 8. und 9. September feiern die Cottbuser ihre Brigadedampflok 99 0001. Sie bringt es immerhin auf 100 Jahre. Aber es gibt bereits Meldungen für die große Dampflokparade aus Weißwasser, Berlin, Gütersloh und Chemnitz. Alle Maschinen haben ein ähnliches Alter auf dem Kessel wie die Cottbuser Brigadelok. Am 8. September gibt es am Sandower Dreieck einen Festakt mit der Parade. Danach werden alle Loks auf der Strecke unterwegs sein. „An dem ganzen Wochenende sind nur Dampfloks unterwegs“, verspricht Denis Kettlitz. Nicht nur das: Am Samstag drehen sie sogar bis 21 Uhr ihre Runden über die 3,2 Kilometer lange Strecke.

Passend zum runden Geburtstag hat Christian Menzel die Geschichte der Cottbuser Brigadelok recherchiert und im aktuellen Lokbook – der Publikation des Parkeisenbahnvereins – niedergeschrieben. Darin erläutert er den Zweck der Heeresfeldbahnen und ihre technischen Besonderheiten, aber eben auch die spezielle Geschichte der Cottbuser Dampflok. Demnach war sie zwar im Jahr 1918 in Breslau für den Kriegsdienst gebaut worden, wurde aber vermutlich erst nach Ende des Ersten Weltkrieges ausgeliefert. Im Jahr 1920 kam sie im Polnisch-Litauischen Krieg zum Einsatz. Gehörte danach zur polnischen Staatsbahn, gelangte im Jahr 1939 in deutsche Verwaltung und wurde im Jahr 1944 ins damalige Deutsche Reich transportiert. Vom Kriegsdienst wurde die Lok danach in den Friedens-Dienst überstellt. Denn für das Weißwasseraner Braunkohlewerk „Frieden“ war sie ab 1947 als Werklok unterwegs, bevor sie nach Cottbus kam. Sie zog am 1. Juni 1954 den ersten Zug der Pioniereisenbahn.

Die zuverlässig schnaufende Dame wollen die Parkbahner gebührend feiern. Denis Kettlitz verrät, dass am 8. September am Sandower Dreieck nicht nur gefeiert wird, sondern auch der Tag der Technik begangen wird. „Dabei können die Besucher alles rund um Beruf und Ausbildung im Schienenverkehr erfahren“, sagt Kettlitz. Dazu gehören auch Vorträge – Thema wird dabei auch der Umbau des Cottbuser Bahnhofs sein. „Das wird ein richtiges Volksfest mit vielen Mitmachangeboten und eben auch Wissenwertem“, verspricht der Vereinschef.

Das Lokbook ist für einen Euro an allen Haltestellen der Parkeisenbahn erhältlich.