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| 12:41 Uhr

Für die Umwelt
Paketboten testen Lastenräder

 Steven Mante (23) testet die neuen Elektro-Lastenräder und fährt vom Depot in der Herman-Löns-Straße durch die Spremberger Vorstadt, um seine Pakete zuzustellen. Dabei wird er oft fotografiert und auf sein ungewöhnliches Gefährt angesprochen. 
Steven Mante (23) testet die neuen Elektro-Lastenräder und fährt vom Depot in der Herman-Löns-Straße durch die Spremberger Vorstadt, um seine Pakete zuzustellen. Dabei wird er oft fotografiert und auf sein ungewöhnliches Gefährt angesprochen.  FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ziel des Projektes: Bessere Luft, ökologische Zustellung und weniger Parkplatzsorgen. Von Andrea Hilscher

Steven Mante (23) kann in der nächsten Zeit wohl auf sein übliches Sportpensum verzichten: Als Paketfahrer für den Zustelldienst Hermes testet er in Cottbus die Auslieferung von Paketen per Elektro-Lastrad – und legt dabei pro Tour um die 30 Kilometer zurück. „Eine tolle Sache“, sagt er. Es mache ihm Spaß, mit dem wendigen Lastenrad durch Cottbus zu fahren. „Ich kann damit sogar Radwege nutzen, komme überall durch und kann meine Lieferung direkt bis vor die Haustür fahren.“ Parkplatzsorgen ade.

Das Lastenrad ist Teil eines Konzeptes, mit dem Hermes in den 80 größten deutschen Ballungszentren bis zum Jahr 2025 seine Waren  emissionsfrei ausliefern möchte. Als Ralph Stabno, Geschäftsführer eines Unternehmens für Gütertransporte, von dem Projekt hörte, war er sofort begeistert. Er ist für die Auslieferung der Hermes-Pakte unter anderem in Cottbus zuständig und hat sich sofort darum beworben, an dem Cargo-Projekt mitmachen zu können. „Wir sind gerade noch so reingerutscht, die Größe von Cottbus hat knapp ausgereicht.“ Jetzt hat er zwei Lastenräder am Start. Eines ist derzeit noch in Schwarzheide unterwegs, das andere steuert Steven Mante durch die Stadt – zumindest in einem praktikablen Umkreis vom Hauptdepot in der Herman-Löns-Straße.

Kunden können den jungen Mann in der Spremberger Vorstadt, in Kiekebusch, Branitz, der Innenstadt und Sachsendorf antreffen. 4000 Pakete hat Stabno täglich auszuliefern, auf seiner heutigen Tour hat Steven Mante 55 Pakete in sein Fahrzeug geladen. „Es würde noch mehr reinpassen“, sagt er. Momentan gibt es offenbar ein paar Probleme mit den Akkus, sie halten wegen der Kälte nicht so lange wie vorgesehen. „Wir können in der Regel mit den Akkus einen ganzen Tag lang fahren“, sagt Mario Krüger, Depotleiter in Cottbus bei Hermes Germany. „Über Nacht werden diese dann wieder aufgeladen und sind am nächsten Tag voll einsatzfähig.

Ralph Stabno ist überzeugt von dem Projekt. „Vier oder fünf Räder würde ich gern in Cottbus an den Start bringen.“ Er sieht den ökologischen Vorteil. „Wir müssen einfach mehr tun für saubere Luft.“ Zum anderen hofft er auf eine leichtere Personalgewinnung. „Aufs Rad kann ich auch Leute ohne Fahrerlaubnis setzen.“

 Die Fahrer sitzen ziemlich bequem, sind vor Wind und Regen geschützt.
Die Fahrer sitzen ziemlich bequem, sind vor Wind und Regen geschützt. FOTO: Michael Helbig

Besonders anstrengend sei das Radfahren dank der elektronischen Unterstützung nicht, erzählt Steven Mante. Er freut sich, wenn ihn Passanten auf das ungewöhnliche Gefährt ansprechen. „Ich werde oft fotografiert, manchmal wollen sich Kinder auf das Rad setzen.“

Michael Peuker, New Mobility Manager bei Hermes Germany, erklärt die Strategie des Unternehmens: „In kleineren Großstädten wie in Cottbus können wir aufgrund nahegelegener Zustellbasen direkt die Innenstadt mit dem Lastenrad beliefern und so auf die Etablierung eines Mikrodepots verzichten.“

Der Vorteil: „Wir können vollständig in unseren etablierten Standardprozessen arbeiten, müssen keinen zusätzlichen Zulieferverkehr und Sendungsumschlag organisieren.“  Grund genug, einen Einsatz in Cottbus zu testen und Erfahrungen für weitere andere kleinere Großstädte zu sammeln. Cottbus ist die 80st-größte Stadt in Deutschland und liegt damit genau im Fokus des Mobilitätskonzeptes.

Ebenso wie Hermes setzen mittlerweile auch andere Anbieter wie etwa die Deutsche Post auf E-Mobilität in ihrer Fahrzeugflotte.  Für Ralph Stabno ein wichtiger Trend. „Das Paketaufkommen geht nach oben, da müssen wir die Ökologie unbedingt im Blick behalten.“