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| 18:59 Uhr

Im Cottbuser Dieselkraftwerk
Die Sehnsucht des Lichts

Claude Monet: Trauerweide, 1918/19, Öl auf Leinwand,
Claude Monet: Trauerweide, 1918/19, Öl auf Leinwand, FOTO: © Privatbesitz
Cottbus . Eine Vielfalt spätimpressionistischer Handschriften ist gegenwärtig im Brandenburgischen Museum für moderne Kunst zu sehen. Von Renate Marschall

Zum Ausklang eines tollen Ausstellungsjahres hat sich das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) noch ein besonderes Highlight aufgehoben: Malerei des Spätimpressionismus. Die Bandbreite ist groß. Neben Malern wie Claude Monet, die geradezu synonym für den bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hineinreichenden Impressionismus stehen, findet sich auch Überraschendes. Frühe Arbeiten von Kasimir Malewitsch etwa, bei dem man doch eher an farbige Kreise, Drei- und Vierecke denkt, klare geometrische Formen, dem Konstruktivismus zugeordnet. Hier lernt man ihn anders kennen. Geradezu poetisch nimmt er die Stimmung eines Wintertages in seinem Bild „Winterkirche“ (1906/07) auf.

Der Titel der Ausstellung „Die Sehnsucht des Lichts“ spiegelt sich hier auf wunderbare Weise. Väterchen Frost hat das Zepter geschwungen, klirrende Kälte liegt über der Szenerie, alles scheint erstarrt. Wie riesige Reisige recken die kahlen Birken ihre Zweige in den Himmel. Weiß und durchscheinend ist die Luft, die Wintersonne lässt die Konturen der hellen, vielleicht aus Sandstein erbauten Kirche verschwimmen. Fast möchte man bedauern, dass Malewitsch diesem Malstil nicht treu geblieben ist.

Ganz anders der in Meißen geborene Paul Baum. Die von ihm ausgestellten Arbeiten lassen den Impressionismus schon fast hinter sich. Seine Landschaften setzen sich aus Tausenden kleinen Farbpunkten und Strichen zusammen, formen sich erst im Auge des Betrachters zum Gesamtbild, sowohl das Sujet als auch das Farbempfinden betreffend. Auch sie verweigern sich den klaren Konturen, die Flüchtigkeit des Augenblicks ist zu erspüren in den buntfarbigen Arbeiten. Etwas Abstand ist geboten, um zu erkennen: den Flusslauf, in dem sich Gebäude spiegeln, ein gestrandeter Kahn – die „Ansicht von Sluis“. Paul Baum ist einer der wenigen deutschen Vertreter des Pointillismus.

Landschaftsbilder stehen im Mittelpunkt, die, wie die Direktorin des Kunstmuseums, Ulrike Kremeier, sagt, „den Blick durch Fenster in Außenräume lenken“. Die Beobachtung von Lichteffekten und die sich tages- und jahreszeitlich ändernden Farbstimmungen standen für die Impressionisten im Zentrum ihrer Malerei. Sie arbeiteten draußen. Mal genügte ein Landschaft, dann wieder waren es die Sommerfrische in den Bergen oder am Meer, Freizeitvergnügen, die zum Motiv wurden.

Theo von Brockhusen, ein Mitglied der Berliner Sezession, der in der Ausstellung stark vertreten ist, findet seine Motive auch in Brandenburg. 1905 malt er eine „Märkische Dorfstraße“. Er tut das mehrfach. Auf dem ausgestellten Bild ist die Stimmung herbstlich. Gelb und Ocker dominieren, Straße und Gehweg verschmelzen. Falls es hier überhaupt eine befestigte Straße gibt, haben die Blätter der Bäume sie zugedeckt, in der Ferne verliert sie sich im Irgendwo. Ein paar Menschen stehen da beisammen – nur noch als Punktstriche zu erkennen. Kleine Häuser säumen den Weg, ducken sich hinein in das Farbspiel.

Der zweite regionale Bezug, auf den Ulrike Kremeier verweist, ergibt sich durch den in Werder (Havel) geborenen Maler Karl Hagemeister, ebenfalls der Berliner Sezession zugehörig. Zwei seiner Wellen-Bilder, die bei Aufenthalten in Lohne auf Rügen entstanden, wohin es ihn ab 1908 für mehrere Jahre zog, sind in Cottbus zu sehen. Das wilde Meer mit Gischt auf den Wellenkämmen, gebrochen an mächtigen Steinbrocken. Eins der Bilder ist gereinigt, das andere nicht – der Unterschied ist auffallend.

Gleich links, wenn man den Ausstellungsraum betritt, hängt der Monet. Man kann ihn an den Anfang seines Rundgangs stellen, oder auch als krönenden Abschluss lassen „Trauerweide“ von 1918/19. Monet liebte die Trauerweiden seines Wassergartens in Giverny, wo er sich 1883 niedergelassen hatte. Er malte sie aus unterschiedlicher Perspektive und mit wechselnder Farbpalette – von grün-gelb bis blau-violett. Das hier ausgestellte zeigt letzteres Farbenspiel. Ein Baum wie der Eingang zu einer Märchenwelt, die Monets Garten in Giverny ja irgendwie auch ist.

Künstlerische Auseinandersetzung mit Landschaft auf ganz vielfältige Weise ist gegenwärtig im BLMK zu erleben. Auf der einen Seite die Impressionisten, auf der anderen Dieter Zimmermann mit seiner Quadratur des Spreewaldes und einem eher vom Intellekt geprägten Zugriff auf Landschaft. Eine interessante Kombination.