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| 02:33 Uhr

Ostseemanager nehmen ihre Arbeit auf

Cottbus. Ingenieur und Kulturwissenschaftler übernehmen das Ostseemanagement: Vor Stefan Korb und Lars Scharnholz und ihren Teams steht eine Mammutaufgabe, und sie freuen sich darauf. Am 1. Peggy Kompalla

April haben sie das Projektmanagement für den künftigen Cottbuser Ostsee übernommen. Ihr Vertrag läuft zunächst bis Ende 2018 - mit der Option auf Verlängerung. Dabei bringen beide Erfahrungen mit der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft mit - der eine baute den Zweckverband Lausitzer Seenland auf, der andere war Projektbetreuer bei der internationalen Bauausstellung IBA.

Stefan Korb leitet das Cottbuser Büro des weltweit agierenden technischen Dienstleisters Aecom. Er hat sich mit Dr. Lars Scharnholz das Institut für Neue Industriekultur (INIK) ins Team geholt. Dabei lautet die Aufgabenteilung: Strategie und Projektmanagement liefert Aecom. INIK übernimmt die Kommunikation und Markenbildung. Das klingt nach einer klaren Gewaltenteilung, in Wirklichkeit verstehen sich beide Unternehmer als Team, das nur gemeinsam die Sache voranbringen kann.

Die Manager wissen schon jetzt, worin ihre erste Herausforderung besteht: der Erwartungsdruck. Scharnholz sagt: "Wir brauchen einige Zeit, um die Strategie zu entwickeln. Wir können nicht in Aktionismus verfallen, auch wenn die Leute ungeduldig werden." Umweltingenieur Korb bemüht ein Bild: "Beim Bau eines Hochhauses weiß jeder vorher, wie es aussehen wird. Hier ist das Ergebnis offen."

Trotzdem deuten sie schon einmal in ihre Vorstellung von der Ostsee-Entwicklung an. "Wir wollen das Seenland nicht kopieren", betont Stefan Korb. "Die Verbindung von einer Großstadt mit einem See ist bislang etwas Einmaliges. Das ist die Chance für Cottbus, um sich zwischen Spreewald und Seenland zu etablieren." Dabei müsse auch größer gedacht werden, "ansonsten verliert man sich in Einzelprojekten". Dazu gibt es von den Managern auch eine klare Ansage in Richtung Politik: "Dafür muss die Stadt auch bereit sein, in die Kasse zu greifen." Halbherzigkeit sei fehl am Platz.

Ein Projekt hat deshalb aus Sicht beider Männer Priorität: der Rundweg. "Das ist das Eingangstor zur Identitätsbildung. Ohne den Rundweg bleibt der Ostsee nur ein Bild auf dem Papier", betont Stefan Korb. Das Projekt benötigt aber die Begeisterung der Cottbuser - sowohl in Verwaltung als auch Politik und Bevölkerung.

Gleichzeitig müssen Korb und sein Team passende Strukturen schaffen. "Wir befinden uns hier im Spannungsfeld zwischen Bergrecht und Bauplanungsrecht", berichtet er aus zehn Jahren Erfahrung im Seenland. "Jeder Investor fragt nach zwei Dingen: Wie kann ich an Eigentum kommen? Und welche planerischen Bedingungen muss ich erfüllen?" Diese Fragen zu beantworten, sei die Aufgabe des Projektmanagements. Dabei liegen einige Fallstricke aus: So sehe der Gesetzgeber beispielsweise nicht vor, dass ein See entsteht. "Da gibt es einige Gesetzeslücken", sagt Stefan Korb. Mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Aber die kennen wir."