| 16:33 Uhr

Schloss Branitz im Fokus
Blick in Pücklers Lebenswelt

Teppichzimmer in den Orienträumen  des Schlosses Branitz.
Teppichzimmer in den Orienträumen des Schlosses Branitz. FOTO: Hans Bach / Park und Schloss Branitz
Cottbus. Stiftung Fürst-Pückler-Museum bereitet neue Dauerausstellung im Schloss vor. Von Ulrike Elsner

Der gestalterische Mittelpunkt des Branitzer Parks – das Schloss mit dem Pleasureground – soll in den nächsten Jahren stärker in den Fokus rücken. Nach der Restaurierung der fürstlichen Salons im Erdgeschoss laufen jetzt erste Arbeiten in der oberen Etage. Neben der Errichtung einer neuen Dauerausstellung zu Leben und Werk des Fürsten Pückler  in den früheren Räumen der Carl-Blechen-Ausstellung geht es dabei vor allem um die Orienträume. Bereits im Dezember haben Restauratoren dort ihre Arbeit aufgenommen, berichtet Stiftungsdirektor Gert Streidt. Ziel sei, dass aus einem großen und zwei kleineren Räumen bestehende Orientkabinett des Fürsten im Jahr 2019 als Bestandteil der künftigen Dauerausstellung wieder zu eröffnen. Die Ausstellung soll Museumsbesucher mit der Persönlichkeit Pücklers und seinem Wirken als Landschaftsgestalter, Reisender und Schriftsteller vertraut machen.

Sie ergänzt die Salons in der unteren Etage.  „Unten erlebt der Besucher, wie Pückler sein Wohnumfeld gestaltet hat“, sagt Gert Streidt. „Oben erfährt er den Hintergrund zu Pücklers Leben und Wirken.“ Ergänzt wird die Ausstellung  durch einen Bereich zur Geschichte des Schlosses.

Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Jahr 2019 will die Stiftung alle Räume des Schlosses – mit Ausnahme des Musikzimmers – den Besuchern „durchrestauriert“  im alten Glanz der Pücklerzeit präsentieren.

Dessen ungeachtet gibt es aber nach Einschätzung der Experten an der äußeren Gebäudehülle großen Sanierungsbedarf. Vor allem Sturm „Herwart“ hat im vergangenen Jahr große Schäden am Schloss verursacht. „Ein Gutachten besagt, dass der Dachstuhl saniert und das Dach neu gedeckt werden muss“, berichtet Gert Streidt. Auch an der Fassade sind umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich. Die Gesamtkosten werden auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. Die Finanzierung kann laut Stiftung „nur im Zusammenwirken mit dem Land“ gestemmt werden.

Anfang des Jahres 2019 soll die Sanierung des Cavalierhauses beginnen. Erste Arbeiten an der Fassade sind bereits für Ende des Jahres 2018 geplant. Gasträume und Küche des Restaurants werden saniert. Wiedereröffnung soll im Jahr 2020 sein. „Zum Branitz-Besuch gehört das gastronomische Erlebnis“, argumentiert der Stiftungsdirektor. Deshalb sei das Cavalierhaus ein wichtiger Ort, der sich in bester Verfassung präsentieren muss. Die geplante Restaurierung des Pleasure­grounds am Schloss komplettiert die Vorhaben im gestalterischen Mittelpunkt des Parks.

Die Orienträume sind derzeit leergeräumt, um Raum für restauratorische Untersuchungen zu schaffen. Sie sollen wie die Salons, das Frühstückszimmer und die Bibliothek im unteren Stockwerk Interieurcharakter erhalten. „Ziel ist, dass das Schloss  wieder so erstrahlt, wie es aus der Pücklerzeit überliefert ist“, sagt der betreuende Architekt des Projekts Enrico Oliver Nowka.

Bei den Orienträumen handelt es sich um eine Branitzer Besonderheit. „In jedem Schloss gibt es Empfangszimmer und Boudoir“, so Nowka.  „Doch wer hat schon Orienträume? König Ludwig II. von Bayern. Aber der hat viel später gelebt als Pückler.“ Dieser Teil des Schlosses ist nach Ansicht des Architekten eine gute Möglichkeit, um dem besonderen Menschen Pückler noch näher zu kommen.

Für Enrico Nowka ist die Ausmalung das Herausragende an den Räumen. Er schwärmt vom „Kanon der Ornamente, der Farbigkeit und den Dekoren, die eine Art von Teppichcharakter aufnehmen“. Auf jeden Fall sei das Orientkabinett „ein sehr bedeutender Punkt, um die fürstliche Lebenswelt im Schloss zu vollenden“. Hermann Fürst von Pückler-Muskau hat seine Welt in der Erinnerung nach Branitz geholt. Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum lädt die Schlossbesucher ein, daran teilzuhaben.

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