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| 02:33 Uhr

Operation Ostsee hat begonnen

Tagebau Cottbus-Nord: Besuch auf der Baustelle des künftigen Ostsees
Tagebau Cottbus-Nord: Besuch auf der Baustelle des künftigen Ostsees FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Verwandlung des Tagebaus Cottbus-Nord in den Ostsee gleicht einer groß angelegten Operation. Es kommt auf die Sekunde an. Schließlich bleiben nur zwei Jahre Zeit, um 17 Millionen Kubikmeter Abraum zu bewegen. Dann kommt das Wasser. Peggy Kompalla

Wo am 23. Dezember 2015 der letzte Kohlezug den Tagebau Cottbus-Nord bei Bärenbrück verließ, erinnert heute kaum noch etwas an die einstige Trasse. Die Gleise sind verschwunden. Einzig der Schotter ist übrig. Der wird noch gebraucht - für den Straßenbau. Richtig gelesen. Im ehemaligen Tagebau werden derzeit kilometerlange Trassen errichtet. Denn nach den Bergleuten haben Kipper-Fahrer den Dienst übernommen. 50 Dumper sind seit vier Wochen im Einsatz. In einem immer währenden Kreisverkehr transportieren sie Abraum von den Kippenflächen in die Bärenbrücker Bucht, mit dem sie die alte Zug-Ausfahrt verfüllen. Vattenfall-Bauleiter Marcel Koitsch ka sagt treffend: "Das wird der Stöpsel für den Teich." Klingt einfach. Ist in Wirklichkeit aber eine groß angelegte Operation, in der es auf die Sekunde ankommt.

Der Takt wird in der Baustelleneinrichtung bestimmt. Die liegt mitten im See und wird gerade hergerichtet. Oberschachtmeister Gerhard Mötzung von der Bickhardt Bau AG breitet seine Arme aus: "Das ist das Herz. Die Straßen sind die Schlagadern." Er ist der Chef in diesem Herz. Gemeinsam mit der Bickhardt Thüringen GmbH und der V & C Metzner GmbH ist sein Unternehmen für den Kippenabtrag verantwortlich - 17 Millionen Kubikmeter in zwei Jahren.

In sechs Wochen wird das Herz mit voller Kraft schlagen, dann ist die Baustelleneinrichtung fertiggestellt - inklusive einer eigenen 350 Meter langen Tankstelle, Werkstätten, Büros und Stellflächen für den riesigen Fuhrpark. Dreieinhalb Hektar ist dieses Herz groß, die Schlagadern - also die Straßen - wachsen bereits. Die Kippe wird von außen nach innen abgetragen. Das Gelände ist in Sektoren aufgeteilt, die in einer vorgeschriebenen Reihenfolge abgearbeitet werden müssen.

Derzeit bewegen die 50 Dumper zwischen 35 000 und 38 000 Kubikmeter Abraum am Tag. "Das hängt vom Wetter ab", erklärt der Oberschachtmeister. "Wir wollen auf 70 000 Kubikmeter am Tag kommen." Dafür werden demnächst 85 Dumper unterwegs sein und dazu acht Großbagger sowie zehn Raupen Dienst schieben. "Die kommen alle nach und nach hierher", erklärt er. Der Maschinenpark wächst mit der Baustelleneinrichtung und den Trassen. Derzeit arbeiten knapp 100 Mann für die "Abräumer". "80 Prozent der Mitarbeiter kommen aus der Region", versichert Mötzung. "Und in den nächsten Wochen kommen noch einmal 60 Leute dazu."

Ein Dumper hat ein Ladevolumen von 20 Kubikmetern. "Der wird je nach Größe des Baggers in 50 Sekunden bis 1,05 Minuten beladen", erklärt Gerhard Mötzung und nickt. "Anders funktioniert das nicht. Wir wollen eine Million Kubikmeter im Monat schaffen." Mitte 2018 sollen alle Erdarbeiten abgeschlossen sein. "Unser Ziel ist es, die Baustelle unserem Auftraggeber eher zu übergeben." Das hört die Vattenfall-Beauftragte Birgit Schroeckh gern. "Es ist wichtig, dass wir frühzeitig mit der Flutung des Sees beginnen. Denn je länger wir warten, umso höher steigt das Kippenwasser. Das wollen wir aber mit dem Frischwasser aus der Spree einschließen."

Während die Dumper bereits Runde um Runde drehen, löst sich die alte Förderbrücke auf. Von ihr ist nur ein kläglicher Rest übrig geblieben. Seit Januar wird das ausgediente Tagebaugerät demontiert und verschrottet. Von diesem Schicksal sind sechs Grubengeräte verschont geblieben. Zwei Eimerketten- und zwei Schaufelradbagger sowie zwei Bandwagen werden derzeit demontiert. "Die Geräte konnten wir an ein Unternehmen aus Bosnien-Herzegowina verkaufen", erklärt Birgit Schroeckh.

Ungeachtet des zunehmenden Verkehrs im See geht die Arbeit an den Ufern und Böschungen weiter. Der Abschnitt von Lakoma bis zur Bärenbrücker Bucht im Norden soll bis Ende 2017 gesichert sein. Das geschieht mittels der Rütteldruckverdichtung, wobei der Untergrund in der Tiefe verfestigt wird. Auch die zwei Inseln - die derzeit nicht mehr als zwei Sanddünen in einer Steppe sind - werden auf diese Weise gesichert.

Weitere Eindrücke aus dem künftigen Ostsee

Zum Thema:
1975 Entwässerungsbeginn. 1978 bis 1982 Aufschluss der Lagerstätte. 1981 Beginn der Kohleförderung. 1993 bis 2007 Herstellung Dichtwand (sieben Kilometer). 2015 Ende der Kohleförderung im Tagebau Cottbus-Nord. 2016 bis 2018 Sanierung Kippen- und Böschungsbereiche. 2018 bis 2024 Flutung des Ostsees.