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Oldtimer und nachdenkliche Gesichter

Harro Falkenbach aus Groß Döbbern in seinem "Dixi", Baujahr 1928. Der Oldtimer erstrahlt seit sechs Jahren in neuem Glanz.
Harro Falkenbach aus Groß Döbbern in seinem "Dixi", Baujahr 1928. Der Oldtimer erstrahlt seit sechs Jahren in neuem Glanz. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Begonnen hatte der Montagmorgen mit einem Versöhnungsgottesdienst der rollenden Kirche im einstigen Gefängnishof des Menschenrechtszentrums Cottbus. Doch ab 9 Uhr rollte ein Oldtimer nach dem anderen durch das einst gut bewachte Eingangsportals des früheren Frauenzuchthauses und späteren berüchtigten DDR-Gefängnisses. Michael Helbig/mih1

Mehr als hundert historische blitzblank gewienerte Fahrzeuge konnten einen ganzen Tag lang bestaunt werden.

So zog ein Personenkraftwagen Dixi, Baujahr 1928, die Blicke der Besucher an. Nicht oft genug konnte sein stolzer Besitzer Harro Falkenbach aus Groß Döbbern den "Winker" betätigen. Zu bestaunen gab es beim Historischen Fahrzeugtreffen noch viel mehr. So war am Vormittag neben vielen liebevoll hergerichteten Fahrzeugen amerikanischer Bauart wie einem sechs Meter langen Lincoln Continental (Baujahr 1979) aus dem Besitz des Glinzigers Thomas Busse und natürlich Autos aus der DDR-Geschichte auch ein Schützenpanzerwagen SPW 40 der Deutschen Volkspolizei zu sehen.

"Ist das nicht ein schöner Sieg der Geschichte, dass ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit ein solches militärisches Fahrzeug, das heute einem ehemaligen politischen Gefangenen gehört, in das Gelände einfährt, in dem so viel Unrecht geschehen ist?", zeigte sich Sylvia Wähling,

geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums begeistert.

Natürlich standen die Fahrzeuge beim diesjährigen Fahrzeugtreffen erneut im Mittelpunkt. Deshalb waren sicher viele Familien hergekommen. So auch Susanne Felber. "Eigentlich sind wir wegen der Fahrzeuge hier", sagte die Vetschauerin. "Doch ich interessiere mich auch für die DDR-Vergangenheit. Nun können wir das gut verbinden und haben eine Führung durch die Gedenkstätte mitgemacht." Hier erfuhr sie von einem Häftling, der die hohen Gefängnismauern überwand und schließlich zu einer noch härteren Strafe verurteilt wurde. Auch wenn der Tag der Deutschen Einheit im Cottbuser Menschenrechtszentrum ein fröhlicher Familientag war, gingen viele Besucher sehr nachdenklich nach Hause.