| 02:42 Uhr

Ohne Warnung in die Wasser-Baustelle

Ein Überlaufdamm bei Fehrow stoppt derzeit Paddler auf der Spree. Das Bauwerk ist für ein Fischmonitoring bis Ende Juni nötig.
Ein Überlaufdamm bei Fehrow stoppt derzeit Paddler auf der Spree. Das Bauwerk ist für ein Fischmonitoring bis Ende Juni nötig. FOTO: Ralf Haas-Langwagen
Cottbus. Sperr- und Warnschilder vor Baustellen sind auf der Straße eine Selbstverständlichkeit. Auf dem Wasser gilt das nicht. Peggy Kompalla

Zumindest nicht überall, wie auf der Spree zwischen Cottbus und Burg. Genau das kann zum Problem werden, denn immer mehr Paddler genießen das Flussabenteuer. An der Sohlgleite bei Fehrow versperrt derzeit ein Überlaufdamm den Fluss. Der passionierte Wassersportler Ralf Haas-Langwagen warnt: "Die Stelle könnte für ungeübte Paddler sogar gefährlich werden." Deshalb ärgern ihn die zunächst fehlenden Warnhinweise. Das sei nicht das erste Mal. "Im Herbst wurde der Einleiter Penkegraben gebaut. Das führte zu einer Verengung mit stärkerer Strömung - auch ohne jeden Hinweis." Aus seiner Sicht fehlt ein Träger öffentlicher Belange, der die Ausschilderung einfordert.

Dafür zuständig fühlt sich bislang vor allem Jürgen Peter. Er ist der Oberkanute beim Lok RAW Cottbus. Er bestätigt: "Die Stelle ist wirklich schwierig, auch zum Umtragen der Boote. Zunächst gab es zu der Baustelle gar keine Informationen. Das darf nicht passieren." Mittlerweile weist ein Schild auf die Sperrung hin. Dem Kontakt des Kanuten mit dem Ingenieurbüro Gerstgraser ist das zu danken. Die Renaturierungs-Experten sind derzeit in Fehrow mit einem Fischmonitoring beschäftigt. Damit soll nachgewiesen werden, dass die Tiere das Bauwerk tatsächlich passieren können. Das verlangt der Gesetzgeber.

Um das Monitoring überhaupt durchführen zu können, muss der Fluss angestaut werden, wie Steffen Giebler vom Ingenieurbüro erklärt. Das geschieht durch einen Überlaufdamm. Nur auf diese Weise konnte eine Reuse eingebaut werden. Darin werden die Fische gefangen und gezählt und danach wieder in die Freiheit entlassen. Das Monitoring läuft Steffen Giebler zufolge voraussichtlich noch bis Ende des Monats. Dann wird der Damm zurückgenommen und die Spree ist damit wieder durchgängig befahrbar. "Aufgrund mehrerer Hinweise haben wir die temporäre Baustelle mittlerweile durch ein Schild kenntlich gemacht", erklärt der Ingenieur.

Das geschah leider erst im Nachhinein. Anders läuft das in Burg. Dort müssen Wasser-Baustellen gekennzeichnet werden. Denn dort gilt die Spree als ein Landesschifffahrtsgewässer. Wie Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt erklärt, weist das Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) in diesem Fall genau an, welche Sperr- und Informationsschilder bei Behinderungen der Schifffahrt errichtet werden müssen. Doch oberhalb von Schmogrow bis zur Talsperre Spremberg gilt die Spree nicht als schiffbar. "Somit unterliegt der Abschnitt nicht den Regelungen des Allgemeingebrauchs. Das LBV hat keine Veranlassung, bei Behinderungen eine entsprechende Ausschilderung vom Verursacher zu fordern."

Zum Unmut der Wassersportler. Jürgen Peter schätzt, dass rund 1000 Paddler jährlich den Fluss-Abschnitt von Cottbus nach Burg nutzen. "Tendenz steigend." Die Stadt Cottbus geht mittlerweile aus gutem Grund offensiv in die Werbung mit dem Wassertourismus. Dafür hat sie gemeinsam mit den Kanuten eine Wasserwanderkarte mit Tourentipps auf Spree und Hammergraben herausgegeben. Letzterer ist derzeit ebenfalls nicht passierbar, da bei Lakoma der Einlauf für den Ostsee gebaut wird. "An der Spreewehrmühle müsste deshalb ein Hinweis angebracht werden", sagt Jürgen Peter mit Nachdruck.

Zum Thema:
Für eine bessere Orientierung sorgen im Amt Burg neue Schilder mit den Fließnamen. Damit setzt Spreewaldgemeinde einen weiteren Baustein des Masterplans "Naturverträglicher Wassertourismus Spree-Spreewald" um. Unterstützt wurde sie dabei von den Kahnfährunternehmen und der Domowina. Wassertouristen hatten zuvor die unzureichende Zielbeschilderung bemängelt. 108 neue Schilder ändern dies. Sie sind zweisprachig, damit die alten wendischen Fließnamen nicht in Vergessenheit geraten.