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Ohne Kulisse zeigen Schauspieler, wie Szene für Szene entsteht

Cottbus. Hunderte glückliche Gesichter, Blumen und ein tobender Applaus: Die erfolgreiche Premiere des Stückes "Mamma Medea" war für die Schauspieler ein großer Moment. Doch für 27 Schü ler im Publikum war dies auch ein besonderes Ereignis, denn sie waren die Premierenklasse. Isabel Damme/ide1

Der Weg bis zur Premiere eines Theaterstückes ist lang. Diesen Prozess begleitete eine 12. Klasse des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums. Der Lateinkurs setzte sich zu Beginn mit dem Medea-Mythos des römischen Dichters Ovid auseinander und übersetzte einige Verse. "Mit dem Theaterprojekt wollte ich meinen Schülern eine moderne Verkörperung der mythologischen Figur zeigen", sagt Ramona Watzke. Die Lateinlehrerin hofft, dass Schülern dieser Mythos noch lange in Erinnerung bleibt.

Die Dramaturgin Bettina Jantzen besuchte eine Unterrichtsstunde mit Figurinen, Bühnenbildern und dem Drehbuch. Der Mythos nahm in den Köpfen der Schüler langsam Gestalt an. Bettina Jantzen erklärte die Intentionen hinter den Installationen am Bühnenbild und die Farbgestaltung der Kleider.

"Die detaillierten Zeichnungen haben mich begeistert, und ich war gespannt, wie die Schneiderinnen arbeiten und natürlich, wie die Kleider in echt aussehen", erzählt Clara Galle. Daher besuchte sie mit ihren Freundinnen die Theaterschneiderei und den Kostümfundus. "Wir konnten sehen, wie an ganz aufwendigen Stücken für ,Mamma Medea' gearbeitet wurde." schwärmt die Schülerin. Im Anschluss besichtigten die Mädchen den riesigen Fundus und liebäugelten mit einigen Kleidern und Schuhen. Für Clara Galle war dieser Besuch "das absolute Highlight des gesamten Projektes".

An einem anderen Tag fand der Unterricht im Malsaal statt, um den Probenalltag zu erleben. Auch für Hauptdarstellerin Lisa Schützenberger war dies eine neue Erfahrung. "Auf einmal war der Probenraum von 30 Schülern gefüllt, die uns erwartungsvoll ansahen." Ohne Kulisse und mit Jogginghose statt komplexem Kostüm zeigten die Schauspieler, wie Szene für Szene entsteht.

Die Schülerin Viktoria Laurisch war besonders überrascht, als sie einen Hund sah, der das Geschehen beobachtete. Ihr gefiel die lockere Probe, in der viel gelacht wurde. Besonders in Erinnerung blieb ihr diese Szene: "Medea sah mir direkt in die Augen und schwärmte hochverliebt von Jason, als wäre ich ihre beste Freundin." Sie versank kichernd im Stuhl. Am Tag der Premiere saß sie mit mulmigem Gefühl in der ersten Reihe. "Hoffentlich lenke ich die Schauspieler mit meinem Kichern nicht ab, wenn sie wieder zu mir spricht." Die Befürchtung war unbegründet, und nach drei Stunden gab es einen riesigen Applaus. Die Schüler waren dabei besonders stolz auf die Schauspieler, denn sie sind den langen Weg bis dahin mit dem Ensemble gegangen.

Wenige Tage danach besuchte Theaterpädagogin Elke Dreko mit Hauptdarstellerin Lisa Schützenberger den Lateinunterricht. In 90 Minuten erhielten die Schüler Tipps zum Textlernen, die Geheimnisse hinter den "Blutszenen" wurden aufgelöst und offene Fragen beantwortet.

Haben Sie sich auch gefragt, warum zum Schluss zwei Schüsse fallen, als Jason ins Haus eilt, um seinen Sohn zu erschießen? Die Schüler der Premierenklasse wissen es nun.

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