Von Peggy Kompalla

Cottbusverkehr hat im vergangenen Jahr ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Mit dem in dieser Woche frisch bestätigten Nahverkehrsplan erwartet das Unternehmen einen weiteren positiven Impuls, will darüber hinaus im Umland noch aktiver werden und beteiligt sich an Tests, um die Zukunft des Nahverkehrs auszuloten.

Selten gibt es so viel Einigkeit im Stadtparlament: Am Mittwoch stimmten alle Abgeordneten für den neuen Nahverkehrsplan. Damit kann Cottbusverkehr mit der Fertigstellung des Verkehrsknotens am Bahnhof im Sommer sein Liniennetz neu ausrichten . Laut Geschäftsführer Ralf  Thalmann erwartet Cottbusverkehr damit einen Zuwachs bei den Nutzkilometern von derzeit 2,63 auf 2,83 Millionen im Jahr. Damit steigt die Anzahl der Kilometer, die die Fahrzeuge bei der Beförderung von Personen zurücklegen. Diese Kenngröße sagt also etwas über das Angebot eines Verkehrsbetriebes aus. Das wird demnach mit dem neuen Liniennetz steigen.

Aber nicht nur im Stadtverkehr will Cottbusverkehr zulegen. Laut Ralf Thalmann hat sich der Verkehrsbetrieb beim Landkreis Spree-Neiße um eine Erweiterung seiner Leistungen beworben. Demnach geht es um den Ausbau des Nahverkehrs im Raum Burg und im Schülerverkehr. Für Letzteres wünscht sich der Kreis eine stündliche Bedienung der Grund- und Oberschulen in der Zeit von 12 bis 16 Uhr. „Die Angebote sind raus“, erklärt der Chef. „Sollten wir den Zuschlag erhalten, brauchen wir mehr Fahrzeuge und Fahrer.“ Wie wichtig die Verknüpfung von Stadt- und Regionalverkehr ist, zeigen die Zahlen. Demnach pendeln 12 000 Fahrgäste von der Stadt in den Landkreis und 22 000 in umgekehrte Richtung.

In diesem Jahr will Cottbusverkehr seine Busflotte erweitern. Demnach gibt es zwei Optionen: entweder zwei gebrauchte Niederflurbusse oder sogar einen Wasserstoffbus. Den könne sich der Betrieb aber nur mit einer Förderung leisten. Nach diversen Praxistests und Analysen setzt Cottbusverkehr auf den Wasserstoffantrieb. Erst im Herbst vergangenen Jahres hat der Betrieb einen Erdgasbus getestet und damit beim Tanken regelmäßig die Energie-Tankstelle lahmgelegt. „Das Netz ist nur auf Pkw ausgelegt und war mit unseren Bussen überfordert“, erklärt Thalmann. Deshalb habe sich ein Tankvorgang auch auf eine Dreiviertelstunde ausgedehnt. „Für eine effektive Nutzung wäre eine Erdgastankstelle auf dem Betriebshof nötig“, ergänzt er. Diese würde allerdings eine bis anderthalb Millionen Euro kosten. Deshalb kommt Cottbusverkehrchef Thalmann auch zu dem Schluss: „Das ist nur eine Übergangstechnologie, die wir überspringen wollen.“ Cottbusverkehr sieht im Aufbau einer klimaneutralen Wasserstoffbusflotte einen wichtigen Beitrag für den Strukturwandel. Mit der BTU als Wissenschaftspartner will Cottbusverkehr als Praxispartner die Lausitz zu einer Kompetenzregion für Wasserstoff machen.

Da der Nahverkehr von morgen ganz anders aussehen wird, beschäftigt sich der städtische Verkehrsbetrieb mit modernen Rufbus-Systemen. „Jugendliche haben ganz andere Erwartungen an den Nahverkehr“, sagt Thalmann. „Ein Fahrplan ist nicht modern.“ So ist Cottbusverkehr Projektpartner zum Test eines dynamischen Netzes mit elektrischen Kleinbussen. Dabei plant das System die schnellstmögliche Reiseroute nach Eingabe von Start und Ziel der Fahrgäste. Die Busse werden dabei individuell nach den Fahrgastwünschen auf Tour geschickt, also nicht mehr auf einer festen Linie.

Ein weiteres Zukunftsprojekt ist für das Unternehmen ein per App buchbarer Shuttle-Service, der eine nahtlose Anbindung an die Haltepunkte der Linien ermöglicht. Das sei insbesondere für den ländlichen Raum interessant und damit eine Ergänzung zum regulären Nahverkehr.