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| 14:59 Uhr

Schwieriger Ausflug mit Hortkindern
Odyssee ins Freibad

FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Cottbus/Spremberg/Forst. Ein Hort-Ausflug wird für die Mitarbeiterinnen zum Hindernislauf durch die Lausitz. 45 Personen waren einfach zu viele für die Busse der Region. Von Daniel Schauff

Ihre Chefin wisse nicht, dass sie sich mit der Geschichte an die RUNDSCHAU gewandt habe, sagt Franziska B. Ihren richtigen Namen will sie deshalb lieber nicht in der Zeitung lesen. Ihre Erlebnisse schon. Ein einfacher Ausflug ins Freibad ist für sie und ihre Hort-Kolleginnen zu einer Odyssee durch die Lausitz geworden. Was bleibt, ist der Ärger über den Öffentlichen Nahverkehr in der Region – und die Erinnerung an einen 30-Minuten-Fußmarsch mit über 40 Hortkindern durch Forst bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke.

Von vorne. Seit Beginn der Ferien brennt die Sonne auf die Lausitz. Der Hort, in dem Franziska B. arbeitet, ist trotz Urlaubszeit gut gefüllt. Die Erzieherin und ihre Kolleginnen beschließen, den Kindern im Grundschulalter einen Schwimm- und Plantschtag zu gönnen. Die erste Idee: Raus an den See. Die schnelle Erkenntnis: Das wird nichts. In Cottbus gibt es keine bewachten Gewässer, Baden in den Wassern der Stadt ist immer auf eigene Gefahr. Darauf hat die Stadt gleich mehrfach seit dem Start der warmen Tage hingewiesen. Die Alternative: das Freibad. Die Cottbuser Lagune war naheliegend, der Eintrittspreis aber so hoch, dass Franziska B. und ihre Kolleginnen schnell beschließen mussten, ein anderes Freibad in der Region mit ihrer Kindergruppe anzusteuern.

Eine Tageskarte für ein Kind kostet regulär in der Lagune zehn Euro. „Für jede Erzieherin wären noch einmal 14,50 Euro dazugekommen“, sagt die Erzieherin. Für die Eltern der Kinder in ihrem Hort viel zu viel Geld. Einen Rabatt für die große Gruppe habe die Lagune zwar angeboten, der aber habe gerade einmal bei zehn Prozent des Preises gelegen – immer noch eine nicht stemmbare Summe für die Eltern. Lagune-Chef Ronald Kalkowski bestätigt zwar, dass ein Gruppenrabatt von zehn Prozent bei zehn Personen und mehr gelte, bei größeren Gruppen seien aber auch andere Rabatte möglich, sagt er. Die müsste im Voraus abgesprochen werden, auch für die Erzieherinnen würde dann nicht der volle Eintrittspreis fällig. Warum die Erzieherinnen um Franziska B. davon allerdings nichts wussten, ist kaum nachprüfbar.

Auf den Eintrittspreis, den kommunale Bäder allerdings verlangen, würde es die private Lagune auch bei größeren Gruppenrabatten kaum schaffen. Franziska B. fasst das Forster Freibad ins Auge. Tageskarte: ein Euro pro Kind bei Gruppen ab zehn Personen. Die Erzieherinnen zahlen nichts. Das Problem: der Weg in die Rosenstadt. Bis zum Bahnhof in Forst gibt es keine Probleme, vom Bahnhof zum Bad allerdings schon. Eine Wartezeit von eineinhalb Stunden auf der Hin- und Rückfahrt hätte die Tour nach Forst für die Kinder bedeutet. „Sie können sich vorstellen, dass da die Stimmung alles andere als gut wäre“, sagt Franziska B. Variante drei: Spremberg. Die Preise sind nur leicht höher als in Forst, der Weg scheinbar einfacher. Ein Bus fährt von Cottbus bis in die Nähe des Bades. Franziska B. erkundigt sich beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), ob eine fast 50-köpfige Gruppe Platz in den verfügbaren Bussen finden kann. Dort heißt es der Erzieherin zufolge zunächst Ja, wenig später habe sie aber eine Absage vom Streckenbetreiber Spree-Neiße-Bus bekommen. Für derart große Gruppen gebe es dort keine Beförderungsmöglichkeit.

Richtig, bestätigt auf Rückfrage die für den Spree-Neiße-Bus zuständige Deutsche Bahn. Eine fast 50-köpfige Gruppe sei sehr groß und sei aus der bisherigen Praxis noch nicht bekannt. Üblich seien Gruppen mit bis zu 25 Personen, für die sei eine Voranmeldung möglich und nötig, um zu verhindern, dass plötzlich zwei Gruppen gleicher Größe an der Bushaltestelle stünden. Für fast 50 Personen seien die Normal- und Großraumbusse in der Region nicht groß genug. Auf Strecken mit wenig Fahrgastaufkommen führen darüber hinaus nur kleine Busse – so wie vom Forster Bahnhof bis zum Freibad in der Ringstraße. Auf diesen Routen seien Gruppenanmeldungen grundsätzlich nicht möglich, heißt es von der Deutschen Bahn. Heißt: Auch wenn die Kinder die eineinhalb Stunden Wartezeit in Forst in Kauf nehmen würden, bis zum Bad kämen sie dennoch nicht.

Franziska B. und ihren Kolleginnen gehen die Alternativen aus. Eine Bahnfahrt nach Spremberg und ein Fußmarsch ins Freibad Kochsagrund wäre noch aufwendiger als in Forst. Rund eine Dreiviertelstunde braucht für den Weg laut Routenplaner von Google ein Erwachsener, 45 Hortkinder und ihre Betreuer damit wahrscheinlich noch länger. Die Wahl fällt schließlich auf das Forster Bad – trotz der Strapazen des Fußmarschs bei sengender Sommerhitze, mit Sorge um die Gesundheit der Kinder. „Es war ein wunderschöner Tag“, sagt Franziska B. heute über den Ausflug der Kinder ins Forster Bad. Trotzdem bleibt ihre Enttäuschung über die vielen Hindernisse, vor die sie und ihre Kolleginnen auf dem Weg ins Freibad gestellt waren.