Nach der Corona-Pause erlebten Gläubige in Cottbus am Sonntag erstmals seit Wochen wieder einen Gottesdienst in der Oberkirche. Die Evangelische Kirchgemeinde St. Nikolai hatte sich intensiv auf diese ersten Angebote für Besucher in der Kirche vorbereitet, Hinweisschilder und Desinfektionsmittel inklusive. Im Kirchenschiff waren in vier Reihen 50 Stühle im vorgegebenen Abstand aufgestellt. Auf allen Sitzen lagen für die Andachtteilnehmer Blätter mit Texten und Verhaltensregeln bereit. Gesangsbücher gab es nicht.

Die Stühle, die in normalen Zeiten gebraucht werden, waren hinter dem Altar geordnet gestapelt. Vor dem Altar sahen die Besucher eine Arbeit des Gemeindenachwuchses. Zusammen mit Gemeindepädagogin Susanne Weise haben die Kinder, als es noch möglich war, ihre Ideen zum „Kreuz als Pluszeichen für Dich“ gemalt und dann zu einem großen bunten Kreuz zusammengefügt.

Neue Variante: Zwei kürzere Gottesdienste

Der Gottesdienst am Sonntag wurde um 10 und um 11 Uhr abgehalten, jeweils 40 Minuten lang. „Es war gut, dass wir zwei kürzere Gottesdienste hintereinander gefeiert haben“, resümierte Pfarrerin Johanna Melchior am Sonntag nach dem zweiten Gottesdienst am Mittag. „Wir brauchten niemanden wegschicken, alle konnten am Gottesdienst teilnehmen.“

Grundtenor aller Worte, Gebete und Lieder war das Haus Gottes als Ort, in dem sich die Gemeinschaft versammelt. Die Rede war von der Einweihung des Tempels durch Salomon, von dem Tempel, der längst nicht mehr steht, der aber nach wie vor als ein Ort der Zusammenkunft existiert.

Tiefe Sehnsucht nach Gemeinsamkeit

„In den letzten Wochen gab es eine tiefe Sehnsucht nach dem gemeinsamen Erleben, nach der Gemeinde. Wir begegnen uns mit Augen und Ohren und halten Abstand“, sagte Pfarrerin Johanna Melchior mit Blick auf die aktuelle Situation. Dass sie damit den Nagel auf den Kopf traf, bestätigten die Gottesdienstbesucher nach den Andachten: „Ich habe gemerkt, wir sind nicht allein. Die gemeinsame Besinnung, das hat gut getan. Das hat mich ermuntert“, sagte Manuela Wienert aus Cottbus. Elke Neumann schwärmte: „Das war geradezu herrlich, endlich wieder handgemachte Musik. Das war so lebendig. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, das war zu spüren.“ Zusammen mit ihr ist Helga Krause Mitglied im Oberkirchenchor: „Endlich haben wir wieder zusammen gesungen, das ist schon etwa anderes als allein zuhause.“ Es wurden nicht nur Lieder gesungen, sondern die Gottesdienstbesucher lauschten der Oberkirchenorgel, gespielt von Kantor Peter Wingrich. Dazu kamen noch zwei musikalische Leckerbissen: Zusammen mit Anke Wingrich gab es zwei Stücke auf Violine und Orgel. „Wir haben das Frühlingslied von Felix Mendelssohn Bartholdy und die Sonate F-Dur von Georg Friedrich Händel gespielt. Wir haben ganz bewusst zwei fröhliche Stücke ausgewählt.“

Hoyerswerda

Kein Vergleich zum Gottesdienst im Radio

„Diese Musik der beiden ist immer wieder ein Genuss. Anke Wingrich hat uns mit meinem Mann mit ihrer Musik mal in einer schwierigen Lebensphase sehr geholfen, daran habe ich mich heute erinnert. Wir haben in den letzten Wochen viele Gottesdienste im Radio und im Fernsehen verfolgt. Aber das heute, das war doch was Wunderbares, das hat uns Hoffnung gegeben“, betonte Gabriele Gittel übereinstimmend mit ihrem Mann Hans-Ulrich. Regina Leßmüller meinte: „Das war sehr schön, wir konnten ja Ostern nicht zusammenkommen und heute endlich haben wir wieder gemeinsam Gottesdienst gefeiert“.

Auch Gemeindekirchenratsmitglied Bettina Große Meininghaus, die die Andacht wesentlich mitgestaltete, freute sich, dass alles geklappt hat: „Schön, dass jeder reingekommen ist. Nächsten Sonntag machen wir wieder um 10 und um 11 Uhr Gottesdienste.“