Nach dem Ausscheiden von Kirchenmusikdirektor Wilfried Wilke Ende April war die Kantorenstelle von St. Nikolai unbesetzt. Jetzt übernimmt Peter Wingrich das Amt. Der Cottbuser hat sich unter zehn Bewerbern überzeugend durchgesetzt.

Gottesdienstliches und künstlerisches Orgelspiel, Chorleitung, Gemeindesingen, Betreuung des Kinderchors - es gibt wohl keine Musikerstelle, die so vielseitig ist wie die des Kantors. Für Peter Wingrich ist das allerdings nichts Neues. Zwar hat er nach seinem Dirigentenstudium in Hannover 13 Jahre lang als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung am Staatstheater Cottbus gearbeitet. "Aber ich habe Kirchenmusik studiert, bevor ich in die weltliche Musik abgeschwenkt bin", erzählt der gebürtige Hallenser.

Dennoch ist er der Kirchenmusik immer treu geblieben, so als nebenamtlicher Kirchenmusiker in Hannover.

In Cottbus hat Peter Wingrich in den vergangenen Jahren regelmäßig die Gottesdienste der Klosterkirchengemeinde musikalisch begleitet. Besonders gern erinnert sich der 40-Jährige an seine erste intensivere Begegnung mit Gemeinde und Chor der Oberkirche. In den Jahren 2007 und 2008 hatte der Musiker vertretungsweise Aufführungen von Casals "Die Krippe" und Bachs "Johannes-Passion" übernommen. Wichtig sind dem Organisten nach eigenen Worten vor allem gute und regelmäßige Kontakte im Kirchenkreis sowie die Unterstützung von Organisten und Chorleitern.

"Es gibt viel Gutes zu bewahren", ist sich Peter Wingrich sicher, "vor allem das große Engagement der Chorsängerinnen und -sänger der Oberkirche und die Freude am Singen schwieriger Chorliteratur." Das will er mit eigenen Ideen voranbringen. Beispiel dafür ist die geplante Umbenennung des Oratorienchors in Ökumenischer Oratorienchor. "Wir wollen uns einfach anderen Glaubensrichtungen stärker als bisher öffnen", sagt Wingrich.

Für Superintendentin Ulrike Menzel verbindet der neue Kantor "hohes musikalisches Niveau mit Bodenhaftung, Breitenarbeit mit künstlerischem Anspruch".