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| 18:38 Uhr

Auftakt in Cottbus
Stadtchef singt bei Seniorenwoche

 Holger Kelch (links) und Reinhard Drogla sangen im Duett auf der Bühne des Piccolo-Theaters.
Holger Kelch (links) und Reinhard Drogla sangen im Duett auf der Bühne des Piccolo-Theaters. FOTO: LR / René Wappler
Oberbürgermeister Holger Kelch und Theatergründer Reinhard Drogla treten gemeinsam auf.

Es ist nie zu spät, etwas Neues zu wagen. Mit Sonnenbrille und Hut haben zwei Männer am Montag gemeinsam auf der Bühne des Cottbuser Piccolo-Theaters gesungen. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Theaterchef Reinhard Drogla trugen mit ihrer Coverversion der Moritat von Mackie Messer zur Eröffnung der Seniorenwoche bei.

Das Publikum reagierte verblüfft und begeistert zugleich auf die Gesangseinlage. Zu den Gästen zählte die 72-jährige Annelies Andretzki aus Cottbus, die sich näher über das Programm der Seniorenwoche informieren wollte. Sie fährt nach eigenem Bekunden oft mit dem Fahrrad durch die Stadt, besucht gern Kulturveranstaltungen, und besonders schwärmt sie vom Parkfest im Branitzer Park.

Ihre 66-jährige Begleiterin hat sich für die Seniorenwoche schon einen Kurs der Volkssolidarität ausgesucht: „Digitalisierung – Segen oder Fluch für die ältere Generation“.

Zuwachs älterer Einwohner

Ohne diese Generation geht nichts in Cottbus. Davon zeigt sich der Vorsitzende des Seniorenbeirats überzeugt. Eberhard Karwinski von Karwin verwies bei der Eröffnung im Theater auf den Umstand, dass schon jetzt jeder vierte Einwohner der Stadt mindestens 60 Jahre alt ist. „Was sich auch abzeichnet, ist ein Zuwachs der Einwohner jenseits der 80 Jahre“, sagte er. „Nun könnten wir alle sagen, bei guter Gesundheit ist alles positiv, aber einige Dinge erfordern eine aktive Seniorenpolitik.“ Dazu zählen für ihn bezahlbarer Wohnraum und ein angemessenes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. „Ich wünsche uns allen Gesundheit, auch angesichts steigender Anforderungen bei der Pflege.“ Deshalb sei es wichtig, „dass Pflegekräfte vernünftig bezahlt werden“, sagte der Vorsitzende des Seniorenbeirats.

Oberbürgermeister Holger Kelch besuchte das Theater nicht nur für eine Gesangseinlage mit dem SPD-Politiker Reinhard Drogla. Er erinnerte das Publikum an die Jahre nach dem Ende der DDR. „Viele Betriebe mussten schließen, was zur Folge hatte, dass junge Leute abwanderten“, erklärte er. So ein Aderlass dürfe „nicht noch einmal passieren“. Nun seien jedoch einige Projekte angeschoben, die Cottbus direkt helfen könnten. Als Beispiele nannte das Stadtoberhaupt bessere Bahnverbindungen nach Berlin, Leipzig und Dresden. Auch der Erhalt des Cottbuser Bahnwerks samt der Aussicht auf 300 neue Arbeitsplätze sei eine gute Botschaft für die Stadt. „In Bezug auf die Mobilität geht es uns in Cottbus allerdings noch ganz gut“, gab Holger Kelch zu bedenken. „Schon zehn Kilometer weiter, im Spree-Neiße-Kreis, sieht die Welt ganz anders aus.“ Weitere Regionen Deutschlands seien ebenfalls „deutlich ausgedünnter“ als die Stadt Cottbus.

Traum von Tandem-Tour

Auf öffentliche Verkehrsmittel will Roland Töppel aus Cottbus in den ersten drei Juliwochen ganz verzichten. Dann fährt er gemeinsam mit Andreas Filert aus Berlin auf einem Tandem zur Ostsee. Damit verwirklichen sie nach eigenen Angaben einen Traum, den sie seit 47 Jahren in sich tragen. 1000 Kilometer wollen beide Männer zurücklegen und damit für den mobilen Hospizdienst der Malteser werben. Sie suchen Unterstützer, die sich an ihrer Aktion mit Spenden beteiligen, die wiederum dem Dienst zugute kommen. So hoffen die Tandemfahrer, unterwegs mit vielen Menschen über ein Thema sprechen zu können, das Senioren besonders berührt: die Begleitung beim Sterben und der Trauer.