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| 15:47 Uhr

Wilde Nager in der Stadt
Nutrias fühlen sich in Cottbus wohl

Diese Nutrias bekommen Leckereien von Cottbusern, dabei ist das Füttern von Wildtieren verboten.
Diese Nutrias bekommen Leckereien von Cottbusern, dabei ist das Füttern von Wildtieren verboten. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Nager vermehren sich in Cottbus wieder verstärkt – auch dank der Fütterung einiger Bürger. Das ist aber laut Stadtordnung verboten. Aus guten Gründen. Von Peggy Kompalla

Nutrias sind ganz possierliche Tierchen. Wenn sie ihre Zähne besser pflegen würden, wären die Sympathien vielleicht sogar noch größer. Die Biberratten sind für das Klima in Deutschland nicht gemacht, stammen sie doch aus den Subtropen in Südamerika. Vielleicht haben die Cottbuser deshalb besonders in der kalten Jahreszeit ein großes Herz für die Nager mit den unglaublich gelben Zähnen. Aber das ist falsch verstandene Tierliebe. Das betont Umweltamtschef Stephan Böttcher und weist darauf hin: „Das Füttern von Wildtieren ist in Cottbus verboten.“

Auch Umweltausschusschef Wolfgang Bialas (CDU) sagt: „Die Tiere haben sich wieder stärker vermehrt in Cottbus.“ Sie leben nicht mehr nur an der Spree, sondern erobern sich längst Gewässer in der Stadt. So tauchen die Nager sogar am Amtsteich immer wieder auf, wo sie in unmittelbarer Nähe der Gaststätte und des Spielplatzes fleißig gefüttert werden. „Die Tiere haben wieder reichlich Nachwuchs und wenig bis keine Scheu vor den Menschen“, sagt Bialas. Hinweisschilder zum Fütterungsverbot wird es an den bekannten Orten aber trotzdem nicht geben. Das Ordnungsamt hat gute Argumente dafür.

Servicebereichsleiter Martin Gransalke erklärt: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Schilder in der Regel kaum Wirkung erzielen.“ Viel besser seien dagegen Kontrollen und Gespräche vor Ort. Deshalb werde der Amtsteich nun in die tägliche Runden der Ordnungsamtsmitarbeiter aufgenommen. „Gespräche helfen bei der Aufklärung am besten“, sagt Martin Gransalke.

Umweltamtsleiter Böttcher sieht auch die Schäden, die die Nutrias durch ihre Lebensweise an den Gewässerrändern anrichten. „Sie hinterlassen im gesamten Stadtgebiet an den Ufern Hohlräume.“ Im Zweifelsfall verlieren dadurch Deiche ihre Schutzfunktion. Dazu komme, dass sich die festen Futterstellen auch bei den Landnagern schnell rumsprechen. „Solche Stellen ziehen auch anderes Ungeziefer, wie Mäuse und Ratten an“, so der Behördenchef.

Durch das zusätzliche Futterangebot werde die Nutriapopulation in Cottbus künstlich vergrößert, da mehr Jungtiere geboren werden und auch kranke und geschwächte Tiere überleben können. Irgendwann werden die Nager, die in geringer Zahl durchaus tolerierbar sind, dann eben doch zu Schädlingen. Deshalb ist die Regelung streng: Das Füttern herrenloser Tiere ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldstrafe bis zu 200 Euro geahndet werden.