| 02:34 Uhr

Nur wer fragt, hat Zukunft ...

FOTO: privat
Nach den Feiertagen, den Ostergottesdiensten in den Kirchen sind wir wieder im Gewohnten, im Trott der Normalität angekommen. Vielleicht mit dem Gedanken: es wäre schön, wenn es wahr wäre und die Osterfreude, die Freude über die Auferstehung Jesu, in meinem Leben Farbe bekäme, wenn ich es glauben könnte, aber das Gefühl der Gottverlassenheit und der Sinnlosigkeit kämpft mit mir.

Die Anhänger Jesu, die nach Ostern, in Richtung des Dorfes Emmaus wanderten, sind uns oft sehr nahe - enttäuscht und ohne Hoffnung. Das geduldige Erklären Jesu auf ihre Frage nach dem Sinn: "Musste das nicht alles geschehen, damit ..." ließ ihr Herz brennen, die Hoffnung wieder wach-werden. (Lukas 24) Václav Havel erkannte: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht." Das kennen wir, wenn etwas Sinn macht, werden Kräfte mobilisiert - damals wie heute. Als Jesus wenig später, unerkannt mit seinen enttäuschten Anhängern am Tisch saß, erkannten sie ihn. Aus dieser Sinn-Erfahrung schöpften sie neue Hoffnung. Daran wird klar - Sinn kann keiner für sich produzieren, Sinn ist Geschenk des gemeinsamen Lebens, der Begegnung. Aus diesem Grund sind Ostergottes-dienste bis heute Hoffnungs-Gottesdienste und ihre Wirkung reicht in jedes "Emmaus", egal, wo wir unterwegs sind. Denn Jesus nimmt die Fragenden ernst - Alleswisser sind ihm suspekt. Ich mache ihnen Mut: Stellen sie ihm ihre Fragen, reden sie - wie es ihnen ums Herz ist. Jesus hat versprochen, auch auf den unverstandenen Lebenswegen uns nahe zu sein ... Ich wünsche ihnen so ein "Emmaus-Erlebnis"!

*Pastor der Adventgemeinde Cottbus