"Beziehungskisten", "Es war einmal", "Die Schöne und das Tier" - am Sonntag ist Premiere - "Der Watzmann ruft" - es gibt kaum ein Stück im Cottbuser Theatersommer, auf dessen Besetzungsliste der Name Peter Hartmann fehlt. Das entspricht ganz seinem Verständnis von Schauspielkunst: vielseitig sein, sich nicht festlegen lassen.

Angefangen hat Peter Hartmanns Leidenschaft für die Bühne frühzeitig. "Ich war 13, als man mich fragte, ob ich nicht bei einem Externatskurs am Theater meiner Heimatstadt Greiz mitmachen wolle", berichtet er. Glück für den Schüler war, dass der Kurs von exzellenten Schauspielern geleitet wurde, darunter der legendäre Martin Eckermann.

Peter Hartmann war immer noch 13, als er das erste Mal, noch dazu in einem Shakespearestück, auf der großen Bühne stand: als Statist hatte er in "Hamlet" den Pagen des Königs zu spielen. Noch heute - 57 Jahre später - sagt er: "Shakespeare ist für mich der Größte. Er ist so allgemein-konkret, dass man mit ihm aus Schwarz Weiß machen kann. Shakespeare gilt für alle Bereiche: für Politik genauso wie für zwischenmenschliche Beziehungen."

Mehr als hundert Rollen

Peter Hartmann hat mittlerweile auf der Bühne schon mehr als hundert Figuren verkörpert. Wenn er aber nach der Rolle gefragt, die er unbedingt noch spielen möchte, kommt das Gespräch wieder auf Shakespeare. König Lear wäre sein Traum. Warum? "Wegen seiner Widersprüchlichkeit. Außerdem sind negative Rollen viel interessanter. Man muss sich mit der Psyche ausein andersetzen und aufdecken: Warum verhält der sich so?"

Sich nicht auf einen Typ festlegen zu lassen, und schon gar nicht auf den des positiven Helden, dieser feste Wille hat den Schauspieler von Anfang an begleitet. Nach dem Studium an der Theaterhochschule Leipzig war Peter Hartmann von 1972 bis 1975 am Theater Halle engagiert. Und gleich mit der ersten Rolle, einem 17-jährigen verwundeten Rotarmisten in "Menschenskind Nikolka" geriet er in Gefahr, in die Schublade des proletarischen Helden gepackt zu werden. Die Konsequenz des Nachwuchsschauspielers wurde belohnt. Er durfte in "Hals- und Beinbruch", einem Stück von Viktor Rossow, einen (bösen) Karrieristen spielen.

1975 kam Peter Hartmann mit Ehefrau Helga, einer Maskenbildnerin, nach Cottbus. Bis 1982 war er am damaligen Cottbuser Stadttheater engagiert und danach vor allem auf dem Gebiet der Unterhaltungskunst freiberuflich tätig. "Das Spektrum reichte von Großveranstaltungen bis zu internationalen Shows, häufig auch mit Conférence", erinnert sich der Künstler. Er hat in Annaberg-Buchholz und in Senftenberg, in Frankfurt/Oder, Rudolstadt und Stralsund, am Schauspielhaus Leipzig und an der Staatsoperette Dresden gastiert. "Beifall und Bravorufe kenn' ich", sagt Peter Hartmann.

Bravo-Rufe waren nicht genug

Doch wozu ein begeistertes Publikum außerdem noch fähig ist, erlebte er in Bulgarien. Ein Freund hatte ihm einen Auftritt als Stargast in einer Liederrevue in Sofia vermittelt. "Mir haben die Knie gezittert", erinnert sich der Cottbuser. Peter Hartmann hat gesungen, getanzt und gesteppt. Am Ende hat ein ganzer Saal im Chor "Peter, Peter" gerufen. "Ich habe mit den Tränen gekämpft", gesteht der 70-Jährige, der auch das Tanzen auf Spitze drauf hat.

Das war ein Markenzeichen des Männerballetts der Interessengemeinschaft Cottbuser Carneval, das Peter Hartmann elf Jahre lang geleitet hat. Entertainer Achim Mentzel war so begeistert von der Truppe und ihrem Leiter, dass er sie ins Fernsehen gebracht hat - zur DDR-Kultsendung Tele-Lotto, die kurz nach der Wende vom MDR produziert wurde. Gesteppt wurde zu Marika Röcks "Ich brauche keine Millionen" und Webers "Wir winden dir den Jungfernkranz" - ein großer Spaß für Zuschauer wie Beteiligte.

Seine tänzerische und komödiantische Klasse hat Peter Hartmann kürzlich auch als Diener Tschekko in Kálmáns Operette "Gräfin Mariza" am Staatstheater Cottbus unter Beweis gestellt.

Seine künstlerische Heimat ist allerdings die TheaterNative C, wo er seit dem Jahr 2000 fest engagiert ist. Zu seinen Lieblingsrollen zählen der Präfekt in Gogols "Revisor", Mister Paravicini in Agatha Christies "Die Mausefalle", der gute Gesell in Von Hofmannsthals "Jedermann" und der Ehemann in "Offene Zweierbeziehung" von Franca Rame und Dario Fo.

Über das Ensemble der Kleinen Komödie sagt der Schauspieler: "Es herrscht hier eine große Kollegialität, das beflügelt." Das Schönste sei jedoch, dass die Inszenierungen vom Publikum so gut angenommen werden.

An seinem runden Geburtstag will Peter Hartmann "keinen Rummel, keine große Feier, sondern einfach mit der Familie Kaffee trinken." Helga und Peter Hartmann haben zwei Kinder und drei Enkel.

Über das Altern macht sich der Schauspieler keine Gedanken. "Ich nehme alles, wie es ist", sagt er. Das Wichtigste sei, in der Gegenwart zu leben. Denn: "In der Vergangenheit zu leben, ist tödlich."