ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:53 Uhr

Cottbus
Nur bedingt betriebsbereit

Der Biergarten der Spreewehrmühle war Himmelfahrt rappelvoll: Peter Uhlig, Torsten Laschke, Holger Uhlig, Sabrina Uhlig und Gerhard Schubert (v.l.).
Der Biergarten der Spreewehrmühle war Himmelfahrt rappelvoll: Peter Uhlig, Torsten Laschke, Holger Uhlig, Sabrina Uhlig und Gerhard Schubert (v.l.). FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Für Gastronomen wird es immer schwerer Fachpersonal zu finden. Die Spreewehrmühle öffnet deshalb den Biergarten nur an Feiertagen. Das ist kein Einzelfall. Von Peggy Kompalla

Das Wetter prächtig, die Gäste bestens gelaunt: Himmelfahrt hat es sich gelohnt, den Biergarten zu öffnen. Doch am Wochenende bleibt er geschlossen – obwohl die Spreewehrmühle im Cottbuser Norden ein beliebtes Ausflugsziel ist. Die Gäste drängeln sich dann wieder auf der neu hergerichteten Terrasse und stehen sogar Schlange für einen Sitzplatz an einem sonnigen Nachmittag. Inhaberin Katleen Hajek betreibt den Biergarten nur noch an Feiertagen. Der Grund: Sie findet nicht ausreichend Fachpersonal. Das führt zu Abstrichen, die Kunden zu spüren bekommen – nicht nur in Cottbus.

Ein Aushang am Biergarten erklärt den Spreewehrmühlen-Besuchern die Lage: „Da auf dem Arbeitsmarkt scheinbar niemand mehr Interesse hat, in der Gastronomie zu arbeiten, haben wir den Biergarten nur noch an Feiertagen und zu Feierlichkeiten geöffnet.“ Aus diesen Worten spricht eine Menge Frust. Den will Kathleen Hajek gar nicht verhehlen. Denn ihr wäre es lieber, den Biergarten auch an den Wochenenden zu öffnen. „Aber es fehlt uns schlicht das Fachpersonal“, sagt sie. „Wir haben nichts davon, wenn wir jemanden hinstellen, der die Arbeit nicht mit der nötigen Lust und dem Einsatz macht.“ Dann gebe es nur schlechte Bewertungen im Internet. „Deshalb stecken wir lieber die volle Kraft in die Terrasse. Es tut uns leid, dass wir diese Entscheidung treffen müssen, aber ansonsten ist kein ordentlicher Service möglich.“

Für die Chefin ist wichtig, dass die Mitarbeiter ins Team passen und ihre Arbeit verstehen. Das seien keine überzogenen Ansprüche. „Es bewirbt sich schlicht niemand für den Job“, erklärt Kathleen Hajek. Auf ihre Stellenausschreibungen bei der Arbeitsagentur, bei privaten Arbeitsvermittlern und bei Facebook reagiere niemand. Die Spreewehrmühle ist als Ausflugsziel an der Spree besonders stark von der Saison abhängig. „Wir haben kein kontinuierliches Geschäft“, erklärt die Chefin. „Unsere Arbeit ist nicht planbar und wir können die Leute auch nicht das ganze Jahr halten.“

Mit diesen Schwierigkeiten ist Kathleen Hajek nicht allein. Das bestätigt Olaf Schöpe. Der Cottbuser Hotelier kennt das Problem der Branche nur zu gut, ist er doch auch Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga in Brandenburg. Besonders schwer sei es, Saisonkräfte für die Gastronomie zu finden. „Im Spreewald hat es sogar schon Schließungen gegeben“, sagt Schöpe. Und ein Biergarten sei genauso ein Saisongeschäft. Er beteuert: „Es liegt nicht nur an der Bezahlung, dass die Betriebe nicht genügend Personal finden.“ In den vergangenen fünf Jahren habe es viel Bewegung in der Branche gegeben. „Die Lohnkosten haben sich in der Zeit verdoppelt.“ Aber auch die Werte der Arbeitskräfte hätten sich verschoben. „Wochenend-Arbeit wird nicht mehr gern übernommen“, sagt Olaf Schöpe. Deshalb sei es für die Branche wichtig, sich zu bewegen und besondere Angebote für die Angestellten zu finden. „Wer nur abwartet, hat nicht die besten Karten.“

Das bestätigt Sebastian Protz. Er ist bei der Arbeitsagentur für den Arbeitgeberservice verantwortlich. „Die Arbeitgeber müssen aus meiner Sicht noch deutlich mehr anbieten – gerade bei dem Lohngefüge.“ Das sei in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Zu den Angeboten gehörten etwa günstige Übernachtungsmöglichkeiten für das Personal. Das biete sich im Spreewald in einigen Häusern an. Aber vor allem auch flexiblere Dienstmodelle seien notwendig. Kleinere Vergütungen wie Tank- und Essengutscheine und ein gutes Arbeitsklima seien nötig.

Jahrelang hätten sich viele Gastronomen auf Saisonkräfte aus Polen oder Rumänien verlassen können. „Aber die kommen kaum noch“, sagt Sebastian Protz. „Sie wechseln mittlerweile in andere Branchen wie Lager und Logistik. Dort wird nicht nur mehr gezahlt als in der Gastronomie, die Arbeitszeiten sind auch mit Familien vereinbar.“

Im Spreewald gebe es bereits Gasthäuser, die mehr als einen Ruhetag in der Woche einlegen müssen, weil das Personal fehlt. In der Hotellerie sei es deshalb bereits zu Schließungen gekommen. „Die Eigentümer machen aus den Hotels entweder Pensionen oder sogar Wohnhäuser“, sagt Sebastian Protz.

Der Aushang am Biergarten der Spreewehrmühle.
Der Aushang am Biergarten der Spreewehrmühle. FOTO: Peggy Kompalla