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| 18:25 Uhr

Notfälle in Cottbus
Hungrige Schnäbel in der Auffangstation

 Susanne Schmidt füttern die kleinen Jungvögel mit Mehlwürmern und Heimchen.
Susanne Schmidt füttern die kleinen Jungvögel mit Mehlwürmern und Heimchen. FOTO: Müller Antje / Antje Mueller
Cottbus. Tierärztin Susanne Schmidt betreut in Skadow über 80 Fundtiere. Jetzt herrscht Aufnahmestopp. Von Andrea Hilscher

Wenn Das Telefon klingelt, dann weiß Susanne Schmidt meist schon, was sie erwartet: Irgendjemand in Cottbus oder dem Landkreis hat einen verlassenen Jungvogel gefunden und will ihn jetzt in der Skadower Wildtierauffangstation abgeben. „Aber wir sind hoffnungslos überfüllt“, sagt Susanne Schmidt. „Wir können niemanden mehr annehmen.“

Vom Spatz über Krähe bis Eichelhäher

Bis zu zehn Mal täglich bekommt sie derzeit Jungvögel angeboten, quer durch alle Arten. „Vom Spatz angefangen über Krähe und Eichelhäher bis hin zu den Singvögeln“, sagt die Medizinerin. Die große Trockenheit hat dafür gesorgt, dass kaum noch Insekten zu finden sind: Die Elterntiere finden nicht mehr genügend Nahrung, um ihre Brut zu füttern. Und auch das Wasser ist knapp. „Also füttern die Eltern nur noch die stärksten Tiere oder lassen die Brut komplett im Stich“, sagt Susanne Schmidt. Die Jungvögel werden aus dem Nest geworfen oder fallen von allein zu Boden.

Einzelkämpferin fürs Überleben

Dort werden sie von Spaziergängern oder Gartenbesitzern gefunden, aufgehoben und nach Skadow gebracht – oftmals sogar mitten in der Nacht. „Dabei bin ich alleine und muss die ganze Arbeit ohne Helfer bewältigen“, sagt Susanne Schmidt. Seit 18 Jahren keinen Urlaub, keine Pause. Sieben Tage die Woche arbeitet sie für ihre Tiere, jetzt aber sind die Kapazitäten erschöpft.

Notfall-Checkliste für Tierretter

Jede Voliere und jedes Gehege sind bis zum letzten Platz belegt. Daher hat sie eine kleine Notfall-Checkliste ausgearbeitet, die sie Hobby-Tierrettern an die Hand geben kann.

Scheinbar verlassene Jungvögel sollte man zunächst in Ruhe lassen und beobachten. Manchmal werden sie noch von den Eltern versorgt. Sollten die Vögel in Straßennähe oder im Umfeld von Katzen gestrandet sein, sollten sie aus der Gefahrenzone gebracht werden.

Grundsätzlich brauchen gefundene Vögel, die noch nicht vollständig befiedert sind, Hilfe. Dasselbe gilt für junge Schwalben und Mauersegler, die am Boden gefunden werden. Ist der Jungvogel noch nackt und sind die Augen noch nicht geöffnet, habe er leider so gut wie keine Chance.

Niemals Wasser direkt in den Schnabel

Andere Fundvögel (oder Tiere, die von der Katze angebracht werden), können in einem Pappkarton, der mit Küchenkrepp gepolstert ist, zur Ruhe kommen. Ein Schälchen Wasser ist hilfreich. Aber: Niemals Wasser direkt in den Schnabel träufeln. Es rinnt direkt in die Lunge, der Vogel verstirbt. Ist das Tier zu schwach, um selbst zu trinken, kann etwas Wasser auf (!) den Schnabel geträufelt werden.

Der Trick mit dem Schnabel

Beim Füttern muss der Schnabel seitlich angestupst werden, dann öffnet ihn das Tier. Geeignet sind Mehlwürmer, die es im Zoobedarf gibt. Weitere Futtertipps finden sich unter www.wildvogelhilfe.org.

Sobald sich das Tier erholt hat, kann es in einem geschützten Bereich wie in Büschen oder Hecken wieder freigelassen werden. Ein Schälchen mit Wasser in der Nähe hilft zusätzlich.

Auch gesunde und ausgewachsene Vögel freuen sich über Abkühlung und Erfrischung. Allerdings sollte das Schälchen täglich gereinigt werden

Bei Fragen ist Susanne Schmidt zwischen 7 und 20 Uhr telefonisch erreichbar. Tel: 0355 821513.

 Der kleine Bussard wird solange in der Auffangstation aufgepäppelt, bis er kräftig genug ist.
Der kleine Bussard wird solange in der Auffangstation aufgepäppelt, bis er kräftig genug ist. FOTO: Müller Antje / Antje Mueller