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Nötig wie lebensspendendes Wasser ist Gerechtigkeit

"Das ist ungerecht!", ruft ein Kind zornig, wenn es sich übervorteilt sieht. "Das darf doch nicht wahr sein!", sagen wir, wenn wir hören, dass manche sich viel Geld in die Tasche stecken, und wenn es schief geht, dürfen alle mitbezahlen.

Kann jemand wirklich so toll sein, dass er oder sie das viele Geld wirklich verdient? Kann ein Vorstand hundertmal besser arbeiten als ein Fließbandarbeiter? Jedenfalls "verdient" er so viel mehr. Das ist noch nicht lange so. Deshalb finden wir das ungerecht.

Wenn wir mehr als ein Kind haben, lernen wir als Eltern schnell: Vergleichen bringt nichts. "Dein Bruder in dem Alter . . ." "Deine Schwester kann das aber besser . . ." Vergleichen bringt uns höchstens in Teufels Küche. Es ist ungerecht, denn jeder Mensch ist einmalig und wertvoll, in den Augen der Eltern und in den Augen Gottes. Ja, aber in der Arbeitswelt verhalten wir uns so. Nicht oft ausgesprochen, aber so empfunden: "Ich verdiene mehr, also bin ich mehr wert als du." In der weltweiten Politik verhalten wir uns so. "Wir sind die, die wissen, wo es lang geht. Wenn ihr alles nur so macht wie wir, dann . . ."

Die Hochkultur der Mayas ist vor vielen hundert Jahren untergegangen. Viele erhaltene Spuren dieser Kultur erstaunen die Forscher. Wie haben sie das alles damals nur geschafft? Nur eins ist unklar: Warum ist diese hoch entwickelte Kultur untergegangen? Manche sehen eine Klimakatastrophe als Ursache an. Jetzt haben Forscher Hinweise gefunden, dass sie wohl an Ungerechtigkeit im Inneren und Krieg mit Nachbarstädten zerbrochen ist.

Das Alte Testament warnt im Buch der Sprichwörter: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben." (Sprüche Salomos 14,34)

Gerechtigkeit hält eine Gesellschaft zusammen. Klar gibt es Unterschiede, es sind nicht alle gleich. Wenn es gerecht zugeht, halten wir das aus. Verderben und Untergang kommen durch Sünde, heißt es bei (König) Salomo. Hochmut und Besserwisserei, Lüge und Übervorteilen, Ausbeuten und Austricksen - wir kennen viele Namen der Sünde. "Recht ströme wie Wasser, und Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach", sagt Gott durch den Propheten Amos (5,24), dessen Land untergeht. Nötig wie lebensspendendes Wasser ist Gerechtigkeit, damit wir leben können. Darum: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem." (Römer 12, 21).

*Katharina Köhler

ist Pfarrerin im Pfarrsprengel Dissen