ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:46 Uhr

Cottbus
Mehr Grün in Cottbus wagen

Ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Verkehrssicherheit: An der Pappelallee wurde von der Blumenwiese ein Streifen entlang des viel befahrenen Radwegs gestutzt. Der Rest der Fläche blieb vom Mäher unberührt.
Ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Verkehrssicherheit: An der Pappelallee wurde von der Blumenwiese ein Streifen entlang des viel befahrenen Radwegs gestutzt. Der Rest der Fläche blieb vom Mäher unberührt. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Der Umweltausschuss plant einen Vorstoß, um die Grünflächenpflege in der Stadt naturfreundlicher zu organisieren. Von Peggy Kompalla

Wolfgang Bialas ist der Chef des Umweltausschusses. In der Position will der CDU-Mann ein Thema in Cottbus auf die Tagesordnung bringen, die viele Naturfreunde umtreibt. Die Pflege von Grünflächen. „Die sollte ab 2019 punktuell so angepasst werden, dass mehr naturbelassene Wiesen und Flächen entstehen.“ Schließlich sei das aktiver Naturschutz – insbesondere angesichts des Insektensterbens.

Dabei sollte aus Sicht von Bialas allerdings ein Unterschied gemacht werden. „Die innerstädtischen Grün- und Parkanlagen müssen ordentlich aussehen und entsprechend gepflegt werden“, betont er. Anders sei das allerdings bei einer Fläche wie an der Europakreuzung. „Bei dieser größeren zusammenhängenden Grünfläche bietet es sich an, einen Streifen von vielleicht fünf Metern neben Geh- und Radweg zu mähen. Die Fläche dahinter könnte aber als Wildkräuterwiese oder Blühstreifen erhalten werden, der maximal zweimal im Jahr einen Rasenmäher sieht.“ Damit würde in der Stadt eine Futtergrundlage für Insekten und somit für Vögel geschaffen werden. „Ordnung und Sicherheit und Ökologie können nebeneinander sehr gut unter einen Hut gebracht werden“, betont Bialas. „Das Gras muss nicht überall auf Fußballrasenniveau gebracht werden.“

In seiner Funktion als Umweltausschussvorsitzender habe er bereits Gespräche mit dem Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen im Rathaus geführt, wo er mit dem Vorstoß auf offene Ohren gestoßen sei. „Es gibt positive Signale, die Verträge mit den Firmen entsprechend inhaltlich anzupassen“, erklärt Wolfgang Bialas. Dazu werde sich der Umweltausschuss in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am 11. September befassen.

Den Naturschutzbund (Nabu) dürfte das freuen. Im Spreewald starten die Mitglieder des Regionalverbandes Calau gerade eine Charme-Offensive für die kleinen Krabbler. Vordergründig geht es ihnen mit der Aktion um Aufklärung. Schließlich steht eine wilde Wiese oft genug der Ordnungsliebe im Weg. Deshalb wenden sich die Spreewälder ganz bewusst an Privatleute. Neben einer Broschüre gibt es ein Nabu-Schild mit dem Hinweis: „Lebensraum für Insekten. Wir machen mit.“ Das kann etwa im Garten aufgestellt werden, damit die Nachbarn nicht über das vermeintliche Gestrüpp klagen. Die Tipps der Nabu-Leute: Der Rasen sollte nur ein oder zweimal im Jahr gemäht werden – möglichst nach der Blüte, wenn die Samen ausgereift sind. Wild wachsende Inseln sollten stehen gelassen, nur Wegstreifen in den Rasen gemäht oder die Flächen nicht in Gänze gekürzt werden.

Diese Hinweise sind nicht neu im Fachamt des Cottbuser Rathauses. Im Gegenteil: Die Stadt hat Schmellwitz gerade zum grünen Labor erklärt. Dabei soll bis zum Jahr 2020 ein alternatives Pflegekonzept für den Stadtteil erarbeitet werden, der durch den Abriss von Wohnblöcken über große, monotone Freiflächen verfügt. Dabei spielt neben Aspekten der Erholung und einer unkomplizierten Pflege auch der Naturschutz eine wichtige Rolle. Damit kommt der Vorstoß des Umweltausschusses zu einem günstigen Zeitpunkt. „Letztendlich könnte die Stadt sogar Geld sparen“, spekuliert Bialas. Wo weniger gemäht werden muss, wartet weniger Arbeit.